Königsbrunn: Überraschende Veränderung im Kulturbüro

Bürgermeister Franz Feigl und die scheidende Leiterin des Kulturbüros Ursula Off-Melcher.

Die Leiterin des städtischen Kulturbüros nimmt nach sieben Jahren ihren Hut.

Ursula Off-Melcher, die Leiterin des Königsbrunner Kulturbüros, hat zum Ende des Jahres gekündigt. Eine Entscheidung, die für viele überraschend kam, auch für Bürgermeister Franz Feigl. „Das ist traurig“, bemerkte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung und fuhr fort: „Frau Off-Melcher hat die städtische Kulturarbeit geprägt. Viele Veranstaltungsreihen sind inzwischen nicht mehr wegzudenken. Unsere Museen sind heute weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, was ganz stark auf die Marketing-Konzepte von Frau Off-Melcher zurück zu führen ist. Wir können nur hoffen, wieder jemanden zu finden, der mit so viel Liebe und Verständnis für unsere städtische Kultur arbeitet wie Frau Off-Melcher.“
Ursula Off-Melcher ergänzte: „Ich wurde von Anfang an von einem großartigen Team im Kulturbüro unterstützt und auch in der Stadtbibliothek und in den Museen hatte ich das Glück, mit sehr engagierten Menschen zusammen zu arbeiten. Dank dieser Unterstützung konnte ich vom ersten Tag an für die Verwirklichung meiner Ideen arbeiten. Kultur war immer meine Leidenschaft und ich wollte gern meine Begeisterung an andere weitergeben, indem ich für alle Altersgruppen und unterschiedliche Interessen ein Angebot mache, vom Kindergartenkind bis zum Liebhaber klassischer Musik.“ Der alljährliche Kinosommer im Hans-Wenninger-Stadion geht ebenso auf Off-Melchers Initiative zurück wie die beliebte Vortragsreihe „Campus Königsbrunn“ oder die Matineen in der Stadtbücherei. Manche vorhandene Veranstaltungsreihen bekamen mehr Gewicht, etwa das Dreikönigskonzert, oder wurden verändert, wie die Musikreihe am Nachmittag, bei der heute das Tanzen mehr im Vordergrund steht. „Mir war es immer wichtig, Vorschläge von Vereinen oder Bürgern aufzunehmen und den ortsansässigen Musikern, Autoren, Bühnen- und bildenden Künstlern ein Forum zu bieten. Sie sind nach meiner Auffassung die Säulen von städtischer Kulturarbeit“, erläuterte Off-Melcher.

Exakte Zahlen, sprühende Ideen

Zu ihrer Kündigung äußerte sie sich so: „Einerseits ist diese Arbeit ideal für mich, da ich viele Ideen habe und sie auch gerne umsetze. Zu planen, zu organisieren, auch die Budgetverwaltung, das sind Dinge, die ich gern mache, weil sie mir liegen.“ Off-Melcher absolvierte nach dem Abitur am Gymnasium Königsbrunn und einem Au-Pair-Jahr in Rom eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin und arbeitete jahrelang in diesem Beruf. Nebenbei erwarb sie in Abendkursen IHK-Abschlüsse in Bilanzbuchhaltung und Personalwesen und legte die Eignungsprüfung als Ausbilderin von Bürokaufleuten ab. Dank dieses Hintergrunds gelang es ihr, die Grenzen ihres Budgets einzuhalten und die Kalkulation für die Veranstaltungen eines Jahres stets rechtzeitig für die Berücksichtigung in der städtischen Haushaltsplanung vorzulegen, wie sie berichtete. „Andererseits gerät man leicht in eine Alltagsroutine, in der für Kreativität kaum noch Platz ist. Nicht nur die Organisationsarbeiten, auch die Mühe, die es kostet, Ideen durchzusetzen, nehmen sehr viel Raum ein, seien es neue Veranstaltungsformate oder neue Marketingmaßnahmen. Die Überzeugungsarbeit hat viel Zeit und Kraft gekostet“, bekannte Off-Melcher. Schließlich sei ein Punkt erreicht gewesen, an dem ihre Ziele erreicht waren und für Neues kaum noch Spielraum blieb. Sie habe das Gefühl, ihren Schreibtisch wohlgeordnet zu hinterlassen. Die Veranstaltungen für 2020 sind geplant, alle Unterlagen, Verträge und Kalkulationen sind in Ordnern abgelegt. Ein Ziel, das sie nicht erreicht hat, ist die Zusammenlegung der Museen in einem Gebäude. Dies ist nun in der Planung zum neuen „Forum“ enthalten und wird voraussichtlich von ihrem Nachfolger eingeweiht werden.
Off-Melcher will sich einer neuen Herausforderung zuwenden. Sie wird ihre Promotion, die sie bei Antritt ihrer Stelle vor sieben Jahren ruhen ließ, wieder aufnehmen. „Das Thema interessiert mich immer noch“, sagt sie mit Begeisterung. „Ich habe meine Aufgaben als Mutter ernst genommen und mit viel Freude erfüllt. Irritierend fand ich nur die Kommentare anderer: Hat man kleine Kinder und geht trotzdem arbeiten oder studiert, erntet man Unverständnis. Wenn die Kinder im Schulalter sind, verkehren sich die Reaktionen ins Gegenteil. Dann werden Mütter, die nicht berufstätig sind, gerne gefragt: „Ach, du arbeitest gar nichts?“ Mich interessiert, wo diese zwiespältige Einstellung ihren Ursprung hat. Vielleicht finde ich es ja heraus. Meine Doktorarbeit untersucht das Mütterbild von der Weimarer Zeit bis ins Nachkriegsdeutschland um 1960.“ Off-Melcher hat ihr Studium der Politikwissenschaften, Soziologie und Ethnologie aufgenommen, als ihr jüngstes Kind in den Kindergarten kam. Die drei Kinder sind inzwischen fast mit dem Studium fertig und sie freut sich darauf, an die Universität zurück zu kehren.
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