Kommentar zum neuen "Forum" in Königsbrunn: Chance vertan

Achteckiger Innenhof im Entwurf aus Madrid.

Entspricht der für das „Forum“ ausgewählte Entwurf dem, was den Königsbrunnern versprochen worden war?

Eine im „Bürgergespräch zur Stadtentwicklung“ formulierte Anforderung an das neue "Forum" war, dass es ansichtskartentauglich sein sollte. Erfüllt eine rechteckige, mit Metall verkleidete Fassade diese Anforderung? Werden die Königsbrunner stolz sein auf dieses Gebäude? Werden sie auf Auslandsreisen ein Foto dieser Fassade aus der Tasche ziehen, wenn sie von ihrer Heimat berichten? Versprochen war ein Gebäude, in dem sich das Wesen Königsbrunns spiegelt, mit dem sich die Bewohner identifizieren können. Was haben ein Bau aus Stahlbeton und Aluminium und eine Fassade für die Eisarena aus perforiertem Wellblech mit Königsbrunn zu tun? Ist die Stadt geprägt von einer Aluminiumhütte, einem Hochofen, einem Zementwerk? Ungewöhnlich an Königsbrunn sind die großen Grünanlagen im Zentrum und die immer noch erkennbare Nähe zur Landwirtschaft. Dies wird nur von den Entwürfen aus Madrid und Tallinn gespiegelt, mit viel Holz, viel Grün und einem Dach in der Form einer Vogelschwinge. Im Protokoll der Jury wird die Arbeit aus Madrid hoch gelobt. Weshalb sie keinen Preis erhielt, bleibt unerklärt. Die deutschen Entwürfe sehen allesamt aus wie Bürogebäude oder Ladengeschäfte in München, oder wie Sporthallen. Die „Stapelsporthalle“ in Ulm wurde mit Alu-Lamellen verkleidet und sieht dem siegreichen Entwurf verblüffend ähnlich.
Immer mehr Menschen halten nachhaltiges Wirtschaften und Bauen für die richtige Antwort auf die größte Herausforderung unserer Zeit, den Klimawandel. Die Bayerische Staatsregierung hat sich 2009 verpflichtet, für eigene Bauvorhaben in erster Linie den nachwachsenden Rohstoff Holz zu verwenden. Passt in diese Zeit eine Fassade aus Aluminium? Es gibt nur wenige Werkstoffe, für deren Herstellung noch mehr Energie verbraucht wird als für die von Aluminium. Im Wettbewerb sind nur zwei Entwürfe, die an die großen Themen unserer Zeit anknüpfen, sie kommen aus Spanien und aus Estland. Viele Königsbrunner freuen sich auf den Bürgersaal, die Probenräume, die Gastronomie. Doch wie viele von ihnen werden sich auf einen Besuch in einer riesigen Blechkiste freuen? Den Museen der Stadt wurden attraktivere Räumlichkeiten in Aussicht gestellt. Der siegreiche Entwurf verbannt die Museen unter die Erde. Angekündigt war ein unverwechselbares Wahrzeichen der Stadt. Die Preise der Jury gingen jedoch an Riesenquader, wie sie bereits tausendfach in deutschen Städten stehen.
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2 Kommentare
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kurt aue aus Augsburg - Haunstetten | 13.12.2019 | 11:12  
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Ute Blauert aus Bobingen | 13.12.2019 | 11:22  
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