La-Ola-Wellen in der Kirche

Der Chor des diesjährigen Gospelprojekts Bobingen-Königsbrunn und Umgebung.
 
Dirigentin Sigrid Pröbstl mit dem Projektchor in der St. Johanneskirche.

Der Chor des diesjährigen Gospelprojekts von Sigrid Pröbstl begeisterte bei seinem ersten Auftritt in der voll besetzten St. Johanneskirche.

Königsbrunn. Ein ganz besonderer ökumenischer Gottesdienst wurde am Samstagabend in der Evangelischen St. Johanneskirche gefeiert. Es war der erste Auftritt des diesjährigen Gospelprojekts. 114 Sängerinnen und Sänger sangen traditionelle und neue Gospels in deutscher und englischer Sprache. Der Chor hat sich im Januar zusammengefunden und seither intensiv geprobt für vier Auftritte in Königsbrunn und Bobingen im Februar und März. Anschließend gehen alle auseinander und treffen sich erst im nächsten Winter wieder, in etwas anderer Besetzung, daher der Name „Projekt“. Der Chor wurde geleitet von Sigrid Pröbstl. Sie dirigierte den großen Chor präzise unterstützend und strahlte dabei so viel Begeisterung aus, dass sie damit Chor und Publikum schnell ansteckte.
Gleich zu Beginn wurde auch die Gemeinde dirigiert. Der Chor sang „Lobe den Herren“ in einer modernen, rhythmisch mitreißenden Fassung. Im Wechsel wurde der Text mit der bekannten, jahrhundertealten Melodie gesungen und die Gemeinde durfte mit einstimmen. Die moderne Fassung ist eine Komposition von Tobias Reinsch, der den Chor am E-Piano begleitete. Die Gemeinde war schon an diesem Punkt von der Musik begeistert, doch der Applaus sollte aufgespart werden bis zum Schluss, um den Ablauf des Gottesdienstes nicht zu stören. Weitere Werke von Tobias Reinsch waren ein Kyrie mit dem Titel „Zu Dir“ mit äußerst anspruchsvoller Rhythmik, die vom Chor souverän gemeistert wurde, und „Glorify“, das die Kirche bis in die kleinste Mauerritze mit vollem Klang erfüllte. Zwei junge Sängerinnen, Magdalena Jahnel aus dem Sopran und Andrea Sappler aus dem Alt, beeindruckten im Solo und im zweistimmigen Duett mit dem warmen Klang ihrer Stimmen bei „In Christ Alone“ und „We Shall Overcome“.
Der Chor hatte sich das Thema „Peace on Earth“, Friede auf Erden, gewählt. Pfarrer Ernst Sperber begann seine Predigt zum Thema mit einem Satz des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch: „Frieden fängt beim Frühstück an“, und endete mit der Aufforderung, stets „friedfertig, aber nicht mit dem Frieden fertig“ zu sein. Dazwischen legte er dar, dass Frieden ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit voraussetzt und Unfriede aus Angst entsteht. Je tiefgreifender die Angst, desto heftiger die Angriffslust. Deshalb müsse zunächst die Furcht erkannt und ernst genommen werden, bevor Frieden entstehen könne.

Der Funke sprang über.

Anschließend brachte der Chor noch einmal die Fußspitzen zum Wippen mit „I’ve Got Peace Like a River“, „Please Light My Way“ von Tobias Reinsch und „Lift up Your Hands“, bei dem die Gemeinde schon einmal mitklatschen durfte, bevor sich das aufgestaute Beifallsbedürfnis am Ende Bahn brach mit Klatschen, „Bravo“-Rufen und Johlen. Pfarrer Ernst Sperber und der Königsbrunner Kulturreferent Christian Toth wurden bei der Teilnahme an La-Ola-Wellen beobachtet.
Damit ein Auftritt so erfolgreich gelingt, ist gründliche Vorbereitung notwendig. Das Gospelprojekt geht seit 19 Jahren den Weg, sich einige Wochen lang zweimal pro Woche für zweistündige Proben zu treffen. Hinzu kommt ein gemeinsam verbrachtes Wochenende im Karl-Eberth-Gästehaus in Steingaden, wo zwei Tage lang viel geprobt wird. Die Organisation all dessen leistet ein siebenköpfiges Team von Chormitgliedern ehrenamtlich. Die Teilnehmer kamen heuer aus allen Altersgruppen und aus dem ganzen südlichen Teil von Stadt und Landkreis Augsburg, von Göggingen bis Klosterlechfeld. Manche sind seit Jahren immer wieder dabei, andere versuchten sich zum ersten Mal im Chorgesang. Wie Werner Zahn, der Koordinator des Organisationsteams, erzählt, werden die Neulinge „angelernt“, indem man sie in den Proben jeweils neben erfahrene Sänger setzt. So lernt man die Lieder leichter und sich gegenseitig kennen.
In kaum zwei Monaten ist es Sigrid Pröbstl und Tobias Reinsch gelungen, die Stimmen zu einem homogenen Klang zusammen zu führen, den Charakter der Stücke zu vermitteln und so gut einzuüben, dass engagiert gesungen werden kann, so dass die Freude an der Musik spürbar wird und der Funke auf das Publikum überspringt. Für das große Ziel muss mindestens eine Chorsängerin auch zu Hause fleißig geübt haben, denn ihr kleiner Sohn konnte das ganze Konzert leise mitsingen, komplett korrekt in Text und Melodie. Welch eine Begabung! Der Chor ist ein weiteres Mal in Königsbrunn zu hören, am 24. Februar um 10:30 Uhr in der Katholischen Kirche „Zur Göttlichen Vorsehung“. Außerdem in Bobingen am 23. Februar um 18:30 Uhr in der Kirche "Zur Heiligen Familie" um 18:30 Uhr und am 3. März um 18:30 Uhr in der Evangelischen Dreifaltigkeitskirche.
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