Landschaftspfleger auf vier Beinen erhalten die Lechauen

Dem Wildpferd scheint es zu schmecken.
 

Wildpferde sorgen dafür, dass die Heidelandschaft der Lechauen erhalten bleibt.

Anfang August blühen auf den Heideflächen nordöstlich von Königsbrunn gelbe Färberkamille, rosa Hauhechel, blaue Kornrade, weiße Graslilie, lila Wiesen-Flockenblume, gelber Bockshornklee, pinkfarbene Kartäusernelke, blaue Glockenblume und viele andere. Die Blütenfarben machen die Artenvielfalt augenfällig. All diese Pflanzen kommen mit magerem Boden und Trockenheit gut zurecht, in nährstoffreichem Gartenboden hätten sie kaum eine Überlebenschance. Seit 2007 arbeiten fünf Landschaftspfleger an der Erhaltung dieser Artenvielfalt. Sie heißen Marlon, Pan Tau, Ulaanbaator, Solongo und Lars. Es sind fünf Wildpferde, die hier ganzjährig weiden.

Im Winter stehen den Pferden die 14 Hektar große Hasenheide und der angrenzende lichte Kiefernwald, der 15 Hektar groß ist, zur Verfügung. Im Sommer weiden sie ausschließlich im Wald. Sie halten den Bewuchs kurz, damit die Flächen nicht verbuschen, sondern die für die Lechauen typische Landschaft aus offenen Weideflächen und lichtem Kiefernwald erhalten bleibt.

Am ersten Sonntag in jedem zweiten Monat bietet der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg (LPVA) von 14 bis 16 Uhr geführte Spaziergänge um das Pferdegehege herum an. Die Führungen finden bei jedem Wetter statt und unabhängig von der Teilnehmerzahl. Treffpunkt ist der Parkplatz am Hans-Wenninger-Stadion, die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro, für Familien 7 Euro. Der Weg ist gut zwei Kilometer lang und wird von Pausen unterbrochen, in denen man einiges über die Landschaft und die Pferde erfährt oder fotografiert.

Die Wildpferde haben keine Scheu vor Menschen, deshalb bekommt man sie recht zuverlässig zu sehen. Sie stehen hinter einem Holzgatter, einen Meter weiter innen steht noch ein Elektrozaun. Die doppelte Umzäunung dient in erster Linie dem Schutz der Tiere vor Fütterungsversuchen durch Menschen. Ihre Mägen sind auf den ausschließlichen Verzehr von Gräsern und Kräutern eingestellt, fressen sie etwas anderes, kann dieser Versuch im schlimmsten Fall tödlich enden, wie Pia Winterholler erläuterte. Sie ist freiberufliche Mitarbeiterin des LPVA und führte am 4. August eine Gruppe von zwanzig Erwachsenen und sechs Kindern, die teilweise in Rückentragen oder im geländegängigen Kinderwagen mit großen Rädern mitgenommen wurden.

Die Weideflächen sind entstanden durch jahrtausendelange Beweidung durch große Säugetiere, erklärte Winterholler der Gruppe. In der Jungsteinzeit waren dies Elche, Auerochsen, Wildpferde und Nashörner, danach kamen die großen Haustiere des Menschen, Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen. Später, als Augsburg eine große Stadt geworden war, die Fleisch importieren musste, wurden Herden von Graurindern aus Ungarn hergetrieben und weideten nach dem langen Marsch vor den Toren der Stadt, bevor sie in gut genährtem Zustand auf den Markt kamen. Überlässt man die Flächen sich selbst, ohne zu beweiden oder zu mähen, wird zunächst das Gras immer höher und dichter und unterdrückt die Blütenpflanzen, danach wachsen Gehölze zu dichtem Gestrüpp empor. In der Folge wäre es um viele hier heimische seltene Pflanzen und Schmetterlinge geschehen.

Bei Hitze und bei Frost ganz entspannt

Wildpferde sind ausgesprochen genügsam. Die Tiere brauchen auch im Winter kein zusätzliches Futter und keinen Stall. Sie bleiben bei Temperaturen von plus 40 bis minus 40 Grad „ganz entspannt“, so Winterholler. Auf der Sommerweide haben sie Schatten und eine Wasserstelle, im Winter stillen sie ihren Durst auch problemlos mit Schnee. Die Tiere werden kaum krank, eine Wurmkur bekommen sie nur, wenn in ihrem Kot tatsächlich Würmer gefunden werden. Ein Hufschmied ist nicht nötig, denn die Hufe brechen von selbst ab, wenn sie zu lang sind. In der Wildnis werden die Pferde bis zu 18 Jahre alt, in Gefangenschaft bis zu 30 Jahre. In freier Wildbahn ist ihr einziger natürlicher Feind der Wolf. Da sie schnell laufen können und auch ihre Hufe geschickt als Waffe benutzen, hat der Wolf nur bei alten, kranken oder jungen Tieren eine Chance.

Das Wildpferd war in freier Wildbahn ausgestorben. Viele Pferde, die als „Wildpferde“ bezeichnet werden, wie etwa die Mustangs in Amerika oder die Dülmener Wildpferde in Westfalen, sind tatsächlich verwilderte Hauspferde. Die Pferde auf der Hasenheide gehören zu den letzten echten Wildpferden, die Art heißt „Przewalski-Pferd“. Unsere Hauspferde stammen nicht von dieser Art ab, sondern haben sich parallel entwickelt. Die letzten Exemplare in freier Wildbahn lebten in Zentralasien und starben dort in den 60er Jahren aus.

Doch es gab noch 12 Tiere in Zoos in aller Welt, mit denen eine Zucht aufgebaut werden konnte. Die Tiergärten in ganz Europa taten sich zusammen und gründeten das „Europäische Erhaltungszuchtprogramm“ mit dem Ziel, die Tiere zu vermehren und irgendwann wieder in der Wildnis anzusiedeln. Durch gentechnische Untersuchungen wurde sichergestellt, dass es nicht zu Inzucht kam. Inzwischen haben sich die Pferde vermehrt auf rund 2000 Tiere, so dass mit verschiedenen Auswilderungsprojekten in Zentralasien begonnen werden konnte.

Die Augsburger Hengste gehören zu diesem Zuchtprogramm, jeder von ihnen ist im Zuchtbuch registriert. Sie wurden in verschiedenen Zoos geboren und als Junghengste nach Augsburg gebracht. In den gemischten Zoo-Herden können sie nicht bleiben, weil es zu schweren Kämpfen kommen kann, wenn zu viele Hengste um die Stuten rivalisieren. Wenn in einer gemischten Herde irgendwo in Europa ein passender Hengstplatz frei wird, verabschieden sich die Tiere wieder von der Region Augsburg.

Die nächste Führung findet am 6. Oktober statt, weitere Termine und Infos gibt es unter: https://lpv-augsburg.de/landschaftspflege/weidesta...
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