"Namastee" heißt "Guten Tag": Königsbrunn feiert indischen Nationalfeiertag

Die indische Flagge wehte in Königsbrunn.
 
Die ganze Gästeschar im Rathaus-Foyer: Generalkonsul Sugandh Rajaram direkt rechts von der Statue, rechts neben ihm Norbert Schwalber. In der hintersten Reihe direkt links neben der Statue Dr. Wolfgang Knabe und links von ihm Bürgermeister Franz Feigl.

Der indische Generalkonsul für Süddeutschland beging den indischen Nationalfeiertag in Königsbrunn.

Vor dem Rathaus waren in der letzten Woche viele Flaggen aufgezogen worden. Neben den Farben Königsbrunns, Bayerns und Deutschlands wehten auch diejenigen Indiens im Wind. Anlass war der Besuch des indischen Generalkonsuls Sugandh Rajaram aus München zum indischen Nationalfeiertag „Gandhi Jayanti“, dem Geburtstag Mahatma Gandhis. Am 2. Oktober vor 150 Jahren wurde Mahatma Gandhi geboren mit dem Namen Mohandas Karamchand Gandhi. „Mahatma“ ist ein Ehrenname, der ihm spät in seinem Leben gegeben wurde, er bedeutet „große Seele“. Gandhi war der politische und geistige Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung und wird deshalb als Nationalheld verehrt. Seit vier Jahren begeht Königsbrunn den indischen Feiertag zusammen mit diplomatischen Vertretern Indiens. Bei dem Empfang im Foyer des Rathauses begrüßte Bürgermeister Franz Feigl neben dem Generalkonsul einige jetzige und ehemalige Stadträte, den städtischen Beauftragten für internationale Beziehungen Norbert Schwalber, den Königsbrunner Kulturwissenschaftler Dr. Dr. Wolfgang Knabe, die Lehrkräfte Marietta Weber und Volker Täufer mit einigen Schülern des Gymnasiums, Birgit und Andreas Siegmund, die sich im Projekt „Hand in Hand - für Menschen in Indien“ der katholischen Pfarreiengemeinschaft engagieren, und weitere Gäste.
Welche besondere Rolle Königsbrunn für die deutsch-indische Freundschaft spielt, ist an der großen Statue im Rathausfoyer zu erkennen, wie Feigl in seiner Begrüßung ausführte. Sie stellt Mahatma Gandhi dar und ist ein Geschenk der indischen Regierung an die Stadt. Neben Königsbrunn haben nur Berlin, Hamburg, Frankfurt und Hannover eine solche Statue erhalten. Wo hat diese Verbundenheit ihren Ursprung? Der aus Düsseldorf stammende Königsbrunner Dr. Dr. Wolfgang Knabe erforschte die historischen Handelsrouten der Augsburger Handelshäuser Fugger und Welser. Über Königsbrunner Flur führte die sogenannte „Straße nach Italien“, die aus der antiken Via Claudia Augusta hervorgegangen war. Sie war jahrhundertelang die am stärksten frequentierte Verkehrsader Mitteleuropas. Wo diese Straße lag, ist noch heute erkennbar: unter der kleinen Erhebung in der Rathauswiese, auf die Feigl die Empfangsgäste aufmerksam machte. Im Jahr 2005 konzipierte Knabe den weltweit größten historischen Globus im Auftrag der Bayerischen Staatskanzlei zum 500sten Jubiläum der deutsch-indischen Handelsbeziehungen. Der Globus blieb einige Jahre in München auf dem Marstallplatz direkt östlich der Residenz, seit 2008 steht er in Königsbrunn und trägt den Namen „Mercateum“. Das Mercateum ist offizielles Denkmal für die Handelsbeziehungen zwischen Schwaben und Franken auf der einen und Indien auf der anderen Seite. Die heutige Beziehung zwischen Königsbrunn und Indien beruht einerseits auf der seit zehn Jahren bestehenden Schulpartnerschaft des Gymnasiums mit der DePaul International Residential School in der Stadt Mysore im Bundesstaat Karnataka. Andererseits, schon seit über 20 Jahren, auf dem Projekt „Hand in Hand“, das im südöstlichen Bundesstaat Tamil Nadu eine Schule, ein Krankenhaus und einige Witwenhäuser unterstützt. Zudem werden Patenschaften für Kinder vermittelt, damit diese zur Schule gehen können, und für Witwen, die in Indien in schlimmster Weise diskriminiert werden.

Gewaltlosigkeit, Mitgefühl, Einfachheit

Generalkonsul Sugandh Rajaram begrüßte die Gäste mit dem indischen Gruß „namastee“, was wörtlich übersetzt „ich achte und respektiere dich“ heißt. Er sprach über Gandhi, dessen Name weltweit für den gewaltlosen Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit stehe. Bis zu den Tagen Gandhis seien diese Werte stets mit Gewalt, durch Revolutionen erkämpft worden. Gandhis Richtschnur sei das Streben nach Wahrheit gewesen, wie er in seiner Autobiographie „Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit“ darlegte. Durch sein Streben nach Wahrheit habe Gandhi die Bedeutung der drei für ihn wichtigsten Werte entdeckt: Gewaltlosigkeit, Mitgefühl für Menschen und alle Kreaturen der Schöpfung sowie Einfachheit im Denken und Handeln. Einfach werden menschliche Beziehungen durch Wahrheit, denn Lügen machen das Leben kompliziert und verbrauchen Kraft durch die Notwendigkeit, das Lügengebäude aufrecht zu erhalten, erläuterte Rajaram. Mit Gandhis Werten können sich Menschen aller sozialen Gruppen identifizieren. Sie vereinen statt Feindseligkeit auszulösen. Gandhi habe dazu aufgerufen, Konflikte zu lösen, indem man auf eine Provokation nicht instinktgeleitet mit Aggression reagiert, sondern nachdenkt und sich unerwartet verhält.

Rajaram nannte ein in Indien berühmtes Beispiel: Ein Passant spuckt jeden Tag auf derselben Haustürschwelle aus, wobei er wegen seines Konsums von Kautabak einen Fleck hinterlässt. Den Hausbesitzer macht der Schmutz wütend, er würde den Passanten am liebsten umbringen. Er spricht darüber mit einem Freund, der Gandhis Schriften kennt. Der rät ihm: „Wenn du den Passanten siehst wie er spuckt, öffne die Tür mit einem Eimer Wasser in der Hand und putze die schmutzige Stelle.“ Dies tut der Hausbesitzer und erntet dafür Spott und Verachtung von dem Passanten, Tag für Tag, mehrere Wochen lang. Dann entschuldigt sich der Passant und ändert sein Verhalten. Das war Gandhis Erfahrung: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“ Rajaram zitierte einen weiteren Satz, um zu zeigen, wie weit Gandhi beim Thema Umweltschutz seiner Zeit voraus war: „Die Erde hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ Rajaram rief die Anwesenden dazu auf, sich von Gandhi inspirieren zu lassen.

Anschließend erklangen die indische Nationalhymne, am E-Piano gespielt vom Lehrer der Musikschule Felix Bönigk, und die deutsche, die von der Feiergesellschaft gesanglich unterstützt werden konnte. Der indischen Zeremonie des Feiertags entsprechend, legten die Gäste vor Gandhis Statue Blüten ab und gedachten seiner in Stille.
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