Neue Bestattungsformen in Königsbrunn schon bald möglich

Wolfgang Ritz (links) und Tobias Weiher vor einer Luftaufnahme des Friedhofs

Bei der Veranstaltung „Friedhof 2050“ erläuterten Experten, wie man dem Wunsch nach Gräbern, die keine Pflege benötigen, nachkommen kann.

Zur Veranstaltung „Friedhof 2050“ konnte Bürgermeister Franz Feigl über 100 Besucher begrüßen. „Die Entwicklung der Bestattungskultur geht bei uns wie überall in Deutschland weg vom Erdgrab“, erläuterte Feigl. „Inzwischen werden zu 70 Prozent Urnenbestattungen gewünscht. Viele aufgelassene Erdgrabstellen werden nicht mehr neu belegt. Dadurch entstehen kleine Rasenflächen zwischen den Grabstellen, die recht aufwändig zu mähen sind, was mehr Arbeitszeit und damit Geld kostet. Da Friedhöfe laut Gemeindeordnung kostendeckend arbeiten müssen, werden wir um eine Gebührenerhöhung nicht herumkommen.

Bisher sind Urnen-Nischen preisgünstiger als Erdgräber. Für die Nutzer fallen aber bei Erdgräbern obendrein Kosten für die Grabpflege an. Wir wollen die Gebührensatzung überdenken, auch unter dem Aspekt der Gerechtigkeit.“ Zur Freude der anwesenden Kleingartenpächter sagte Feigl weiter: „Die Fläche der Kleingartenanlage an der Südseite des Friedhofs war ursprünglich für eine spätere Friedhofserweiterung vorgesehen. Im Moment sieht es nicht so aus, als würde in absehbarer Zeit eine Erweiterung notwendig.“

Anschließend präsentierten der von der Stadt beauftragte Friedhofsentwickler Tobias Weiher aus Freiburg und der Münchner Landschaftsarchitekt Wolfgang Ritz ihre Vorschläge zur Weiterentwicklung des Friedhofs. Sie wiesen darauf hin, dass Wünsche der Bürger, die in den nächsten Wochen an Weiher oder die Stadtverwaltung herangetragen werden, noch berücksichtigt werden können, bevor das Konzept am 2. Juli dem Stadtrat vorgelegt wird. In der Stadtverwaltung sind Klaus Förster und Edith Koos für das Thema zuständig.

„Ein Friedhof wird nicht nur für Bestattungen aufgesucht, sondern auch zum Erinnern und Trauern von Hinterbliebenen. Deshalb sollte für Sitzplätze und eine Atmosphäre wie in einem Park gesorgt werden. Das ist in Königsbrunn bereits in vorbildlicher Weise geschehen. Der Park-Charakter wird insbesondere durch Mithraeum und Römerbad unterstrichen. Ein solcher Friedhof dürfte in Deutschland wohl einmalig sein“, lobte Weiher. Er plädierte dafür, weiterhin auf einen grünen Friedhof zu achten. Wenn zu großzügig die Grababdeckung mit Steinplatten und Zierkies erlaubt werde, gehe der grüne Charakter verloren.

Friedhof für eine mobile Gesellschaft

„Die Urnen-Nische wird heute oft gewählt, weil immer mehr Menschen weit weg von ihren Verwandten wohnen, so dass eine Grabpflege wie in früheren Zeiten, als viele Frauen mehrmals pro Woche auf dem Friedhof Gräber pflegten, nicht mehr möglich ist“, erläuterte Weiher und stellte einige Bestattungsformen vor, die wenig oder keine Pflege verlangen. „Wenn mehrere Erd-Grabstellen nebeneinander nicht mehr neu belegt werden, können hier Erdgräber für Urnen oder Särge angeboten werden, die nicht einzeln gepflegt werden. Stattdessen wird vor den Grabsteinen ein gemeinsames, langes Blumenbeet angelegt, das von Gärtnern rationeller und damit kostengünstiger gepflegt werden kann als Einzelgrabstellen.“

Im bereits aufgelösten Teil der Kleingartenanlage direkt südlich der Aussegnungshalle wird eine Fläche für Baumgräber für Urnen entstehen. Da hier bereits große Bäume stehen, kann dieses Angebot voraussichtlich schon in diesem Jahr verwirklicht werden. Es müssen noch Wege und Rasenflächen angelegt werden. Zusätzlich sollen Wiesenflächen angesät werden, damit Urnen auch in einem Rasen am Rand einer blühenden Wiese bestattet werden können. Zwischen Referenten und Publikum bestand Einigkeit darin, dass es keine anonymen Gräber geben sollte. Namenlose Gräber, bei denen nur die Angehörigen wissen, wer an der Stelle begraben liegt, sind möglich. Anonym jedoch heißt, dass die Stelle niemandem bekannt ist. Dies wird in anderen Städten als kostengünstige Möglichkeit angeboten. Doch in Königsbrunn soll die preisgünstigste Möglichkeit ein Baumgemeinschaftsgrab sein. Die Aussegnungshalle erhielt viel Kritik von den Experten. Das Raumkonzept sei überholt, die Räume unschön und im Winter zu kalt, die WCs zu alt. Weiher schlug vor, die Räume zum Teil umzubauen in ein Innenraum-Kolumbarium. Dies besteht aus mehreren Urnenwänden, vor den Wänden sollen Sitzbänke aufgestellt werden.

Ein stiller Park für Trauer und Gedenken

Landschaftsarchitekt Ritz sah in den Grünanlagen einige Verbesserungsmöglichkeiten. Nach dem Eingang solle man nicht auf einen Zaun sehen und für Ortsunkundige seien Orientierungshilfen notwendig. Parkbänke seien zwar vorhanden, in einigen Bereichen fehlten sie allerdings, insbesondere im nördlichen Teil. Hier sollten zusätzliche Bänke aufgestellt und Bäume gepflanzt werden. Hinter den Urnenstelen möchte er teilweise Hecken anpflanzen, so dass die Stelen in grünen Heckennischen stehen. Wo der Platz sich anbietet, sollen Bänke auch über Eck aufgestellt werden, damit man sich unterhalten kann. Um noch mehr die Atmosphäre eines Gartens, in dem man sich gerne aufhält, zu erreichen, sollen einige Bänke einen hübsch gestalteten Platz erhalten, etwa mit einer Pergola.

Die Brunnen seien bereits gut verteilt, es sollte jedoch möglich sein, Gießkannen etwas erhöht abzustellen, da es älteren Menschen schwer fällt, eine volle Kanne vom Boden zu heben. Abfallkörbe sollten eingegrünt werden, damit sie nicht in den Blick geraten, wenn man an einem Grab steht. An manchen Stellen sind die Asphaltwege breiter als nötig. Vor allem um Bäume herum soll Asphalt durch Rasen ersetzt werden. Der Feldweg zwischen Friedhof und Kleingartenanlage soll verlegt werden, so dass keine landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuge mehr am Friedhof entlang fahren werden. Im Kernbereich des Friedhofs, wo die Wege zwischen den Erdgräbern in weit geschwungenen Bögen parallel verlaufen, sollen neben Sarg- auch zu pflegende Urnengräber angeboten werden. Die geschwungenen Wege möchte Ritz nach Norden hin fortsetzen. Dieser nördliche Teil ist für muslimische Gräber vorgesehen. Die Besonderheit ist hier, dass die Gräber nach Mekka ausgerichtet sind.

Weiher nannte einige Satzungsänderungen, die er dem Stadtrat empfehlen will: Beerdigungen sollen auch samstags möglich sein, da dies für entfernt lebende Angehörige eine große Erleichterung sei. Für Kindergräber sollen die Gebühren nur symbolisch, also sehr niedrig sein. Ein neues Angebot soll ein Platz für „Sternchengräber“ sein. Das sind Gräber für Kinder, die weniger als 500 Gramm schwer tot zur Welt kamen. Der Text der Friedhofssatzung sollte so verständlich wie möglich sein. Zusätzlich sollte es einen Flyer geben, in dem alles sehr leicht verständlich zusammen gefasst wird. Auf Nachfrage stellte Feigl klar, dass die neue Satzung nur für zukünftige Beerdigungen gelten wird, für Bestandsgräber gilt weiter die bisherige Satzung.
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