Die Geschichte der Hospizbewegung

Cicely Saunders (Foto: commons wikimedia)
Auch wenn viele Begriffe der Hospizkultur auf das frühe Mittelalter oder gar die Antike zurückgehen, so ist die Hospiz- und Palliativbewegung, wie wir sie heute kennen, doch relativ jung. Sie entstand erst im 20. Jahrhundert.

Die Medizin war damals auf „Heilung“ und Lebenserhaltung ausgerichtet und machte hierbei enorme Fortschritte. Das erste Herz wurde 1967 verpflanzt. Wir können die Atmung eines Menschen mit Maschinen aufrechterhalten und Kranke, die nicht mehr essen, künstlich ernähren. Doch wir wissen: irgendwann geht jedes Leben zu Ende. Dann steht der Satz im Raum: „Wir können nichts mehr für Sie tun.“

Ein Mensch, für den die Medizin nichts mehr tun kann, fiel lange Zeit durch das System. Die Arztvisite ging an seinem Bett vorbei und beachtete den Ablebenden nicht weiter. Die Pflegekräfte waren ebenfalls hilflos und schoben den Todgeweihten meist in eine Art Abstellkammer. Sterben wurde in Krankenhäusern tabuisiert. Sterben geschah nur im Verborgenen, darüber sprach man nicht. Doch viele Menschen empfanden diesen Umgang mit Sterbenden als menschenunwürdig.

Cicely Saunders (1918 – 2005) schmerzte diese Ignoranz besonders. Die englische Ärztin wurde zur Mutter der modernen Hospizbewegung. Sie forschte nach einer effektiven Schmerztherapie mit Opiaten und setzte sich ans Bett der Schwerstkranken und redete mit ihnen. Sie erkannte, dass jeder Tod so individuell ist wie das Leben, das ihm vorausging und dass die ganze Erfahrung dieses Lebens sich im Sterben des Patienten widerspiegelt. Dies führte Sie zum Konzept vom „totalen Schmerz“. Demnach haben Schmerzen nicht nur körperliche, sondern auch psychische, soziale und spirituelle Ursachen. Sie stellte fest: „Die ganze Erfahrung des Sterbenden beinhaltet Angst, Depression, Sorge um die Familie und ein Bedürfnis, Bedeutung in der Situation zu finden. Der Sterbende braucht Kontakt mit seinen Mitmenschen und die Möglichkeit, darüber zu reden, was ihn im Innersten bewegt." Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, eröffnete sie 1967 ihr eigenes Haus für Sterbende und nannte es „St. Christopher's Hospice“. Dass Saunders ihr Haus Hospiz nannte, ist die einzige Verbindung ins 4. Jahrhundert. Hospize standen damals in ganz Europa entlang der Pilgerrouten. Sie boten eine sichere Unterkunft für Wallfahrer. An diese Herbergen knüpft die moderne Hospizbewegung symbolisch an. Auch sie gewährt Menschen einen Schutzraum - auf ihrer letzten Pilgerreise.

Bei Cicely Saunders Tod 2005 gab es in Großbritannien 220 Hozpize, weltweit über 8000. 2016 gab es in Deutschland 235 stationäre Hospize. (Quelle Wikipedia)
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