Die Politsatire um den fiktiven Bürgermeister Robert Reichmann ist in Königsbrunn zu sehen

Aus der Aufführung in Friedberg wurde nichts. Nun wird die Politsatire im Königsbrunner Jugendzentrum gezeigt. (Foto: Tobias Hilgers/Theatergruppe Friedberg)


"Die Qual der Wahl" heißt ein satirisches Theaterstück, das zwar in Friedberg spielt, aber im Königsbrunner Jugendzentrum "Matrix" gezeigt wird. Der Grund dafür ist, dass die Laienspielgruppe vor einem halben Jahr nicht die Mensa der Friedberger Mittelschule als Aufführungsort nutzen durfte.

Jetzt wird die Persiflage auf Bürgermeister Roland Eichmann an drei Abenden auf der anderen Seite des Lechs zu sehen sein. Einen kleinen Vorgeschmack bekommt man im Internet, wo die Truppe um Tobias Hilgers einen fünfeinhalb Minuten langen "Wahlwerbespot" eingestellt hat.

Hilgers hatte die Spielgruppe unter dem Dach der Volkshochschule Aichach-Friedberg (Vhs) ins Leben gerufen und wollte ein satirisches Stück mit lokalpolitischem Hintergrund auf die Bühne bringen. Im Mittelpunkt steht ein Bürgermeister namens Robert Reichmann, der ein Feng-Shui-Gutachten für den Umbau des Friedberger Schlosses in Auftrag gibt.

Es gab jedoch mächtig Ärger, denn in der Mensa dürfen laut Eichmann grundsätzlich nur städtische Veranstaltungen stattfinden. Bei der Vhs sei die vertragliche Grundlage dafür die Beteiligung der Stadt. An Theatergruppen oder Parteien werde grundsätzlich nicht vermietet, egal für welche Veranstaltung. Und man müsse neutral bleiben, hieß es, das Stück sei zu politisch.

Friedbergs Bürgermeister drohte mit rechtlichen Konsequenzen und verlangte vergeblich, das Textbuch vorab lesen zu können. So wurde nichts aus der Premiere, obwohl bereits tausend Werbeflyer gedruckt waren. Daraufhin stellte Hilgers ein Video auf die Online-Plattform Youtube, das als Wahlwerbespot für den im Stück veräppelten Roland Reichmann firmiert. Dieser verteidigt vehement die Freiheit der Kunst - und landet dafür hinter Gittern.

"Ich kann Herrn Eichmanns Argumente nicht nachvollziehen", sagt Hilgers. Im Video kämpft Reichmann deshalb für "die liebe Kunst und ihre Freiheit", tönt unter anderem: "Sie hält uns den so wichtigen Spiegel vor . . . Ich will sagen, dass Kunst unbedingt frei sein muss . . " Reichmanns Fazit: "Wählen Sie die Freiheit der Kunst. Wählen Sie mich." Denn: "Veränderungen bringen nur Probleme." Für diese Forderungen werden ihm vor laufender Kamera Handschellen angelegt, er landet im Knast und ein anderer setzt sich an seiner Stelle vor die Kamera.

Die Friedberger Real-Posse hatte vor einem Vierteljahr ein Nachspiel im städtischen Finanzausschuss. Die Mitglieder diskutierten über das Nutzungskonzept für die Mensa mit dem Ergebnis, dass alles beim Alten bleibt. Ein grundsätzliches Problem: Die Mensa muss jedes Mal aufwendig kurzfristig ab- und wieder aufgestuhlt werden, damit die Kinder dort essen können.

Die Auseinandersetzung um die Polit-Persiflage dürfte die beste Werbung für die drei Vorstellungen sein.

Sie finden im Königsbrunner Jugendzentrum, Alter Postweg 2, am Freitag und Samstag, 19. und 20. Oktober jeweils um 19 Uhr, und am Sonntag, 21. Oktober, um 18 Uhr statt. Karten können per E-Mail Wahl@dieMatrix.org reserviert werden. (Peter Stöbich)
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