Ehemann mischt seiner Frau Gift ins Cola-Mix-Getränk: Jetzt stand er in Augsburg vor Gericht

In einem Cola-Orange-Mixgetränk wollte der 64-jährige Ehemann seiner nun 57-jährigen Ehefrau das Pflanzengift verabreichen. Sie hat es nie getrunken. Foto: Stefan Gruber

Vom Vormieter stand im Kellerregal des gemieteten Hauses in Langweid noch ein Marmeladenglas mit dem Rest einer eingetrockneten, nun zähen Flüssigkeit, "Unkrautvernichtungsmittel" stand handschriftlich darauf geschrieben. Der 64-Jährige entnahm ein bisschen, goss es in einer großen Gießkanne mit Wasser auf und vergoss davon etwas im Garten. Den Pflanzen passierte nichts. Er entschloss sich, den "wohl kaum wirksamen" Unkrautvernichtungsmittelansatz seiner Frau in ein Cola-Mix-Getränk zu geben, was sieben oder acht Mal ab Herbst 2016 innerhalb mehrerer Monate geschah, um sie zu schwächen, um sich wieder mehr um sie kümmern zu können, wieder mehr Nähe zu seiner Frau zu bekommen. Die Ehe war 2005 geschlossen worden, anfangs wohl gut, doch seit mehreren Jahren schon am Ende. Er habe die Beziehung retten, seine Frau aber nie töten wollen.

Die Ehefrau beschreibt die letzten zwei Jahre der Ehe als Tortur, er habe nur noch geschwiegen, abfällige Handbewegungen gemacht, auch ihre Hunde frei gelassen.

Sieben oder acht Mal gab er in die Getränkeflaschen von der Giftmischung, aber seiner jetzt 57-jährigen Frau habe die Mischung komisch geschmeckt, sie habe es immer ausgespuckt. Bald habe sie gemerkt, die Limonade schmecke ganz normal nach dem Öffnen, erst als die Flasche einige Zeit offen stand, war der Geschmack komisch. Irgendwann kam ihr der Verdacht, ihr Mann sei daran schuld, er habe etwas hinzugefügt - Gift. Sie habe nie davon getrunken, nie deshalb körperliche Beschwerden gehabt. Die Beziehung war gestört, ihrem Tagebuch habe sie sich anvertraut und irgendwann ihrem Sohn, ihm auch diese Flaschen mit dem komisch schmeckenden Inhalt gegeben. Der Sohn ging zur Polizei, der Flascheninhalt wurde toxikologisch untersucht und ein Herbizid festgestellt - der Mann wurde verhaftet und er gestand vollumfänglich seine Taten.

Der Forensische Psychiater bemerkte in seinem Gutachten, dass der Täter immer unter seinen intellektuellen Fähigkeiten gelebt, beruflich auch mehr aus sich hätte machen können, eine asthenische Persönlichkeitsstruktur habe und zu viel Alkohol konsumiere. Durch die Asthenie (Sprach- und Kraftlosigkeit, Antriebsschwäche) sei er nicht mehr fähig gewesen, die Probleme in der Ehe anzusprechen - aber eine krankhafte Störung, so der Gutachter, sei es nicht und keinesfalls strafmindernd.

Der Täter gestand die Taten vor Gericht nochmals vollumfänglich, entschuldigte sich auf Aufforderung Richterin Rita Gresers am Amtsgericht Augsburg bei seiner Ehefrau, die seit der Tat psychisch sehr angeschlagen ist, zwölf Kilogramm abnahm und Anfang September von ihrem Noch-Ehemann geschieden wird.

Richterin Greser verurteilte den 64-jährigen Frühpensionär zu zwei Jahren und drei Monaten Haft wegen versuchter schwerer Körperverletzung sieben Monate sitzt er bereits in Untersuchungshaft in der JVA Gablingen. Die Tat sei in Penetranz und Dreistigkeit moralisch auf tiefster Ebene angesiedelt, denn Ehepartner sollten sich im gemeinsamen Haus sicher fühlen können. Die sieben oder acht Giftgaben wurden in Anbetracht seiner Persönlichkeitsstruktur als eine Tateinheit gesehen, als Akt der Sprach-, Kraft- und Hilflosigkeit. Seine Persönlichkeitsstruktur wirkte sich nicht strafmindernd aus. (Stefan Gruber)
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