13 Feuerwehrmänner absolvieren in Meitingen eine neue Ausbildung: Als First Responder kompensieren sie nun qualifiziert die Zeit bis der Rettungsdienst am Einsatzort ist.

Geschafft! Sowohl die Absolventen des Lehrgangs als auch Trainer, Lehrgangsleiter und Prüfer des Bayerischen Roten Kreuzes Kreisverband Augsburg-Land freuten sich gemeinsam, denn auch im Einsatz vor Ort arbeiten sie Hand in Hand. (vorne von links nach rechts): Eric Kraffczyk, Jakob Stadler, Dominic Nebe, Alexandra Lix, Maximilian Liepert, Robert Scherer, Alexander Brand, (mittlere Reihe von links nach rechts): Eva-Maria Surrer, Felix Surrer, (hintere Reihe von links nach rechts): Christina Speer, Christophe
 
(Foto: Freiwillige Feuerwehr Meitingen)
Problem erkannt. Problem gebannt. So einfach wie diese Worte klingen mögen, war die Ausbildung bei Weitem nicht, die Anfang Dezember für 13 Feuerwehrmänner mit gleich drei Lehrgangszertifikaten endete. Doch sie erklärt doch die Intention zum Lehrgang, denn die Fortbildung der Floriansjünger stellt eine Reaktion auf die veränderten Bedingungen im Einsatz dar.

„Früher wurden wir alarmiert, um Brände zu löschen, dann erweiterte sich unser Einsatzbereich mit der Zeit um die technische Hilfeleistung“, erklärt Robert Scherer, der Erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Meitingen, wie sich die Arbeit der Floriansjünger mit den Jahren verändert hat. Da sich nun seit Längerem wieder ein Wandel abzeichnet – nämlich dass die Floriansjünger mitunter schneller am Unfallort sind als der Rettungsdienst und die Zahl der First-Responder-Einsätze zusehends ansteigt (2017: 5 Einsätze, 2018: 15 Einsätze, bis 11/2019: 14 Einsätze) – suchte Scherer nach einer Möglichkeit, seine Mannschaft für den Ernstfall vor Ort zu rüsten.

Das Resultat dieser Suche nach einer geeigneten Weiterbildungsoption war nun der Ausbildungsmix aus der Sanitäter-Grundausbildung, einer Frühdefi-Erstzertifizierung und einer First-Responder-Ausbildung. Rein rechtlich betrachtet sorgte die sogenannte Garantenstellung bis dato bereits dafür, dass die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Meitingen im Einsatz Hilfe leisten mussten. Das heißt auch: Auf dem Papier ändert sich nichts. Nur wie sie nun helfen können, das hat sich gravierend verändert. „Wir hatten immer schon das Glück, dass einige unserer Mitglieder eine Ausbildung im Rettungsdienst haben“, erklärt Scherer den Status Quo der aktiven Mannschaft vor der Weiterbildung. Die telefonische Anfrage der integrierten Leitstelle, bei der alle Notrufe unter der Nummer 112 eingehen, konnte die Meitinger Wehr allerdings nur dann mit einem Einsatz erwidern, wenn entsprechende Mitglieder der Wehr vor Ort waren. Mit der erfolgreichen Weiterbildung ist die Gruppe derer, die eine qualifizierte Erstversorgung durchführen können bis der Rettungsdienst am Unfallort ist, nun deutlich gestiegen.

Was sich durch die Ausbildung darüber hinaus geändert hat, ist die Sicherheit, die die Absolventen nun mit an den Unfallort bringen. Dass die Idee des Kommandanten aufgehen würde, stellte sich noch während der laufenden Weiterbildung heraus, denn Lukas Weidhüner und Lukas Gastl, zwei der Teilnehmer, wurden zu einem First-Responder-Einsatz gerufen. „Ich fühlte mich noch nie so sicher bei dem was ich getan habe“, erklärte Weidhüner. Gemeinsam arbeiteten sie alle erlernten Schritte ab, um den Patienten wiederzubeleben. Mit der gebotenen Ruhe und Selbstsicherheit übergaben sie dann den Patienten an den eintreffenden Rettungsdienst. Der Patient hat überlebt.

Nach über 80 Unterrichtsstunden sowie zahlreichen praktischen Übungen, die den Lehrgang auf weit über 100 Stunden Schulungszeit ansteigen ließen, die die Teilnehmer abends nach der Arbeit oder am Wochenende absolvierten, erhielten alle Lehrgangsteilnehmer Bescheinigungen über diese Weiterbildungen: Frühdefibrillation-Erstzertifizierung im Sanitätsdienst, Grundlehrgang der Sanitätsausbildung sowie ein First-Responder-Zertifikat. Letzteres ist das Novum der Lehrgänge, die es bis dato so gar nicht gab, die eine Reaktion auf die veränderten Herausforderungen im Einsatz darstellen und die auch ein Projekt ist, das Schule machen könnte.

Jakob Stadler, der Lehrgangsleiter, händigte nach den Theorie- und Praxisprüfungen allen Teilnehmern ihre Zertifikate aus und gab ihnen darüber hinaus noch einen Tipp mit auf den Weg: „Bewahrt die Ruhe und arbeitet Schritt für Schritt ab, was ihr gelernt habt.“ Auch für die Integration der Lehrinhalte im Rahmen der regelmäßigen Feuerwehrübungen plädierte Stadler nachdrücklich. Kommandant Scherer erwiderte, dass die First-Responder-Inhalte in den regulären Schulungs-Zyklus aufgenommen werden, sprich: Zu den Übungen, die in der Brandbekämpfung und der technischen Hilfeleistung befähigen, wird es nun auch Übungen aus der First-Responder-Ausbildung geben.

Und diese sind passgenau darauf abgestimmt, was die Floriansjünger vor Ort erwarten könnte – das beginnt bei einem Alarm, bei dem ein Kind durch eine Scheibe gestürzt ist und endet beim Retten von Menschen aus einem Fahrzeug noch lange nicht. Die qualifizierten Ersthelfer können nun eine Versorgungslücke schließen und die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst noch einmal deutlich stärken. Wie gut der Ausbildungsstand der Absolventen nun ist, unterstrich auch Christopher Buhling, der als Feuerwehrarzt im Landkreis Augsburg die Prüfung mit abgenommen hat: „Der Ausbildungsstand ist extrem gut, jeder der Teilnehmer hatte großes Interesse.“ Meitingens Bürgermeister Michael Higl, der diese Eigeninitiative der Meitinger Wehr gerne unterstützt hat (die Gemeinde ist unter anderem für die Lehrgangskosten aufgekommen), erklärte am Tag der Abschlussprüfung: „Die Meitinger Wehr geht vorbildlich voran, wenn es ums Helfen geht.“
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