Erweiterung der Lechstahlwerke in Meitingen: Heftiger Streit um 17 Hektar Lohwald

Ein Teil des Lohwaldes (links im Bild) soll für die Erweiterung der Lechstahl-Werke gerodet werden. In einer Informationsveranstaltung will die Max-Aicher-Gruppe den geplanten Ablauf des Projekts vorstellen. Foto: Peter Heider

Die Verantwortlichen der Max-Aicher-Gruppe planen eine Erweiterung der im Meitinger Ortsteil Herbertshofen ansässigen Lechstahlwerke(LSW). Die Produktionskapazität soll von 1,1 auf 1,4 Millionen Tonnen Rohstahl pro Jahr erhöht werden. Dafür muss allerdings Wald abgeholzt werden. Entsprechend groß ist die Kritik.

Nach Kritik im Gemeinderat möchte die Max-Aicher-Gruppe nun für Transparenz sorgen und lädt Ende Juni alle Interessierten zu einem Informationsabend ein, an dem Ziele, Inhalte und Auswirkungen des Erweiterungsvorhabens erörtert werden.

Ende Mai war das Projekt Thema im Gemeinderat. Für die Erweiterung müsste ein Teil des 47 Hektar großen Bannwaldes südlich des Stahlwerkes, der zum Teil schon im Besitz des Unternehmers Max-Aicher ist, gerodet werden. Der Wald hat nach Aussage von Bürgermeister Michael Higl eine Größe von circa 47 Hektar. Auf einer Fläche von ungefähr 17,6 Hektar Land (entspricht in etwa einer Größe von 25 Fußballplätzen) sollen Anlagen zur Herstellung oder Verschmelzung von Stahl, zur Stahlveredlung oder für Recycling gebaut werden.

Einige Areale dürfen nicht angetastet werden, da dort geschützte Tierarten ihren Lebensraum haben. Ein Sprecher der Max-Aicher-Gruppe geht davon aus, dass durch die Erweiterung etwa 350 neue Arbeitsplätze entstehen würden.

Umweltschutz kontra Arbeitsplätze?

Die unterschiedlichen Meinungen wurden auch in der Gemeinderatssitzung Ende Mai deutlich. Einerseits protestierten Vertreter der Herbertshofener Bürgerinitiative im Sitzungssaal, was sie mit "Finger weg vom Lohwald"-Protesttafeln zum Ausdruck brachten. Mitarbeiter der Lechstahlwerke hingegen haben Sorge um ihre Anstellung und entgegneten: "Gefährdet nicht meinen Arbeitsplatz."

Der Lohwald ist ein Bannwald, der laut Gesetz in seiner Flächensubstanz erhalten werden muss. Als Ausgleichsfläche haben die Stahlwerke ein Areal vorgeschlagen, das 14 Hektar groß ist und sich zwischen den nah gelegenen Fischteichen, der Bahnlinie und der Bundes-straße 2 befindet. 

Annemarie Probst (Grüne) lehnte als einziges Gemeinderatsmitglied gegen 23 Stimmen die Anhörung von Fachbehörden zu den Erweiterungsplänen der Werksleitung ab. "Der Lohwald hat lokalklimatische Einflüsse auf seine Umgebung, insbesondere auf den Feuchte- und Temperaturhaushalt", sagte Probst.

Freie Wähler kritisieren die Grünen scharf

Für diese ablehnende Haltung wird sie nun vom Landtagsabgeordneten und Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler, Fabian Mehring, heftig kritisiert. Er bezeichnete die Vorgehensweise der Grünen als eine "standortfeindliche Frechheit gegenüber der Belegschaft sowie einem der größten Arbeitgeber und Steuerzahler der Region". 

Ob die Freien Wähler einer möglichen Erweiterung des Stahlwerks zustimmen werden, sei laut Mehring "völlig offen". Sich die Sichtweise der zuständigen Behörden aber nicht einmal anzuhören nennt Mehring einen "Skandal".

"Es wird von den Freien Wählern der Versuch unternommen, die Debatte auf die persönliche Ebene zu ziehen", entgegnet Felix Senner, Sprecher der Grünen im Landkreis Augsburg. "Mehring will wohl vom eigentlichen Thema ablenken. Wenn die Freien Wähler Klimaschutz wirklich wollen, dann sollen sie beim Meitinger Bannwald Farbe bekennen."

Grüne: "Teilrodung wäre schmerzlicher Verlust"

Probst bekräftigt ihre Kritik am geplanten Vorhaben der Lech-Stahlwerke. "Eine Teilrodung wäre aus klimapolitischer und ökologischer Sicht ein schmerzlicher Verlust." Probst verweist auf eine 2017 veröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie. Diese zeige, dass alte Wälder mit hoher Biodiversität deutlich mehr CO2 aufnehmen, als junge Wälder mit geringer Artenvielfalt.

Senner fordert die Lechstahlwerke auf, nach alternativen, ökologisch sinnvolleren Lösungen zu suchen. "Wir müssen es als Gesellschaft schaffen, eine Balance aus ökologischen und wirtschaftlichen Interessen hinzubekommen. Die Rodung eines gesetzlich geschützten Bannwaldes kann nicht Teil dieser Balance sein."

Die Max-Aicher-Gruppe selbst hat nun auch reagiert und eine Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit anberaumt. Am Montag, 24. Juni, ab 19 Uhr im Bürgersaal Meitingen, Schloßstraße 4, steht die Max-Aicher-Gruppe und die beauftragen Gutachter Rede und Antwort. Bereits ab 18.30 Uhr können Pläne im Saal vorab gesichtet und mit Vertretern der beteiligten Unternehmen beziehungsweise den Planern erläutert werden. Ab 19 Uhr werden in einer Präsentation Anlass, Ziele, Inhalte, Auswirkungen und der geplante Verfahrensablauf vorgestellt. Anschließend soll eine offene Gesprächsrunde durchgeführt werden, in der weitere Fragestellungen diskutiert werden. Ziel ist es, die Ergebnisse der Gesprächsrunde in die jeweiligen Verfahren einzubringen. (pb)
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