Grundschule Meitingen: Aktuell bieten 13 ehrenamtliche Lesepaten eine spezielle Form der Leseförderung im Rahmen des Unterrichts an.

Mittlerweile zählen 13 Lesepaten zum Team: (v.l.n.r. hintere Reihe) Erika Reuß, Edith Liepert. Anton Lukasch, Elke Schwägerl, Gisela Reitz, Renate Unger, Hans Georg Füller (v.l.n.r. vordere Reihe) Maria Filz, Hildegard Füller, Hildegard Hein, Margot Havel, Hedwig Mehrhof. Nicht auf dem Foto zu sehen ist Hannelore Buhl, die ebenfalls als Lesepatin aktiv ist. (Foto: Havel)
Luis freut sich. Heute soll er dran sein. Seine Klassenlehrerin hat bereits angekündigt, dass der Drittklässler heute zu den Lesepaten darf, die jeden Dienstag zur Deutschstunde in seine Klasse kommen. Und dann ist es soweit. Es stehen circa 15 Minuten zur Verfügung. Zeit, in der sich ein Lesepate nur um Luis kümmert.

Lesen steht heute auf dem Programm. Das Thema: das Wattenmeer. Langsam beginnt Luis Wort für Wort zu formulieren: „Ebbe und Flut. Am Meer ändert sich der Wasserstand in regelmäßigen Abständen. Das liegt an der Erddrehung und der Anziehungskraft von Mond und Sonne.“ Hat Luis den Begriff eines Wortes nicht verstanden, bekommt er Unterstützung. Zudem geht es den Lesepaten nach der Leseeinheit auch darum, über den Text zu sprechen, schließlich besteht zwischen dem Lesen – also dem Aneinanderreihen von Buchstaben – und dem Verstehen eines Textes ein großer Unterschied.

Während Luis sich noch mit dem Wattenmeer beschäftigt, darf seine Klassenkameradin Maria darüber entscheiden, welche Sätze Sinn oder Unsinn sind. Bei dieser Übung stehen immer drei Beispielsätze zur Auswahl, wie zum Beispiel: (1) Pass doch bitte ab. (2) Pass doch bitte auf. (3) Pass doch bitte um. Schnell hat Mia erfasst, dass der zweite Satz richtig ist. Und schon steht sie vor dem nächsten Rätsel ...

Szenen wie diese werden sich in Kürze wieder öfter in der Meitinger Grundschule abspielen, denn ab Oktober wird dort wieder die Gruppe der Lesepaten ehrenamtlich im Einsatz sein. Margot Havel, die Initiatorin des Konzepts marschierte erstmals im Mai 2014 in die Grundschule. Im Dezember waren es gerade einmal zwei Lesepaten, die eine zusätzliche Leseförderung an der Grundschule anboten. Mittlerweile ist die Schar der Ehrenamtlichen deutlich größer geworden. „Wir sind aktuell 13 Lesepaten; elf Patinnen und zwei Paten, um genau zu sein. Zwei bis drei weitere haben bereits Interesse bekundet“, erklärt Margot Havel und ergänzt, dass die ehrenamtlichen Lesepaten zwischen 60 und 70 Jahre alt sind, das Alter aber grundsätzlich keine Rolle spiele. „Wer geduldig ist, gerne mit Kindern umgeht und gut Deutsch spricht und schreibt, ist bei uns richtig.“

Mit den Jahren hat sich einiges für die Lesepaten geändert, das Grundprinzip ist jedoch geblieben. Jeder Lesepate hat ein oder zwei Vormittage, an denen er in die Grundschule geht, um dort eine gezielte Förderung zusätzlich zum regulären Schulbetrieb anzubieten. Die zusätzliche Förderung dauert etwa zehn bis 15 Minuten. Der Inhalt ist von der Klassenstufe abhängig. „Mit den Erstklässlern setzen wir Buchstaben zu Worten zusammen, bei den Viertklässler geht es beispielsweise darum, Texte nachzuerzählen“, erklärt Margot Havel. Diese zehn bis 15 Minuten an „Extra-Zeit“ wird im Übrigen nicht nur den Kindern zuteil, die Schwächen in Deutsch haben. An der Meitinger Grundschule wird dieses zusätzliche Angebot allen Kindern zuteil.

Zwar legen die Lesepaten ihr Augenmerk auf die Leseförderung, doch de facto haben sich auch ihre Aufgaben mit den Jahren deutlich erweitert. „Wir rechnen, studieren Theaterstücke ein, basteln und greifen ganz flexibel das auf, was Thema im Unterricht ist – sogar englische Vokabeln“, erklärt Margot Havel. Mittlerweile gehen die Lesepaten wie selbstverständlich ein und aus in der Grundschule und bilden einen Teil des Grundschulteams.

Wer sind die Lesepaten?

Die 13 Lesepaten, die regelmäßig in der Grundschule Meitingen zu Besuch sind, haben sich nach und nach zusammengefunden, als Margot Havel voller Tatendrang das Projekt im Seniorenbüro Meitingen vorgestellt hat. Sie selbst erarbeitete das Konzept mit Hilfe des Seniorenbüros im Rahmen der Weiterbildung zum senior Trainer. Die Lesepaten arbeiten ehrenamtlich und unterliegen der Schweigepflicht. Jeder Lesepate musste vor „Dienstbeginn“ ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.
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