Der Mandichosee ist nach 28 Tagen Sperre wieder freigegeben

Martin Schulze ist mit seiner Hündin Panna am Samstag nach der Wiedereröffnung zum Mandichosee gekommen, um auf dem Damm spazieren zu gehen.
 
Diese Schilder, die auf die Gefahr von Blaualgen für Kinder und Hunde im Uferbereich hinweisen, wurden neu aufgestellt.
Merching: Mandichosee | Nach dem Tod von drei Hunden wurde der See für Schwimmer und Wassersportler gesperrt. In dieser Zeit erlebte der See einen Zuzug von Wasservögeln.

Martin Schulze aus Königsbrunn ist mit seiner Mischlingshündin Panna auf dem Weg zum Mandichosee, den das Landratsamt Aichach-Friedberg am 20. September wieder zur Nutzung freigab. Die Blaualgen mit dem Namen „Tychonema“ sind zwar nach wie vor im Wasser vorhanden, jedoch gehe von ihnen keine Gefahr für Wassersportler und Schwimmer mehr aus, lautet die Erklärung. „Ich gehe mit Panna immer nur auf dem Damm spazieren“, verrät Schulze. Seine beigefarbene Hündin ist neun Jahre alt und darf mit ihrem Herrchen ein bis zweimal pro Woche hier spazieren gehen. An den übrigen Tagen drehe er mit ihr nur eine kleine Runde ums Haus. Direkt am Treppenaufgang zum See und auch noch an mehreren Stellen am Ufer wurde ein neues Schild aufgestellt. Es weist darauf hin, dass Blaualgen Magen-Darm-Beschwerden, Hautreizungen und Allergien auslösen können und beim Verschlucken vor allem für Kinder und Hunde gefährlich sein können. Sie sollten sich deshalb nicht am Uferbereich aufhalten, wo sich die größten Mengen an Blaualgen ansammeln. Bereiche mit sichtbaren grünlichen Schlieren, mit Flocken auf der Wasseroberfläche oder mit roten Teppichen am Ufergrund, die auf eine vermehrte und gefährliche Konzentration der Blaualgen hinweisen, sollten unbedingt gemieden werden.

An den Blaualgen waren Anfang August zwei Hunde gestorben, als sie beim Baden im Uferbereich Wasser getrunken hatten. Am 14. August starb ein weiterer noch ganz junger Hund, dessen Besitzerin aus Mering stammt und ihr Wunschtier erst ein paar Wochen vorher bekommen hatte. Für sie war es ein herber Schlag, ihren Liebling auf so tragische Weise zu verlieren. Dabei hatte sie ihn an der kurzen Leine geführt. Eine ältere Dame, die mit ihrem frei laufenden grauen Windhund am See unterwegs ist, kannte die zwei verstorbenen Labradore und weiß, dass sie regelmäßig im Wasser badeten. „Wer ahnte denn schon, dass auf einmal so eine Gefahr im See lauert“, sagte sie betrübt. Ihr Hund folge ihr aufs Wort und gehe nicht zum Uferbereich hinunter, weil sie ihn sehr gut erzogen habe.

Eine andere Besucherin kommt aus Augsburg und beobachtet die sechs jungen grauen Schwäne, die mit ihren Eltern an das Ufer herangeschwommen sind. Sie komme gerne zum See, um ein wenig spazieren zu gehen und zu entspannen, sagt sie. Auch während der Sperre war sie zwei bis dreimal in der Woche nach Königsbrunn gefahren, um die Ruhe am See zu genießen und die Tiere im Wasser zu beobachten. Björn Studt aus Mering ist mit seinem Sohn Henrik zum Angeln da. Schon am ersten Tag der Freigabe sei er gekommen und habe zwei kleine Rotaugen gefischt. Seit 2018 angelt er meist am Wochenende. Die gefangenen Barsche filetiere er, Forellen grille er und aus den Hechten stelle er Fischküchle her, erklärte er. „Heute wollen wir noch vor dem Mittagessen für etwa eine halbe Stunde unser Glück versuchen“, verrät er lächelnd. Während der Sperre war er auf den Weitmannsee oder die Lechstaustufe 22 in Unterbergen ausgewichen. Bei den kälteren Temperaturen seien die Blaualgen zurückgegangen, außerdem sei der Mandichosee ein fließendes Gewässer, so dass sie dadurch abtransportiert würden, folgert er.

Auch der Vorsitzende des Fischereivereins Augsburg Martin Fekete hat einige Barsche fürs Abendessen in seinem Gepäck. Während der Sperre habe er am Flusslauf geangelt. Außerdem merke er sofort, wenn ein Fisch mit Blaualgen belastet sei. „Der riecht ganz moosig und faulig. Ich hatte nämlich im Urlaub einmal so einen Fisch gefangen“, erinnert er sich. Er genießt die neue Lage am See, dass die Hunde jetzt an der Leine ausgeführt werden. Die Hundebesitzer seien noch immer sehr ängstlich nach den Todesfällen am See, glaubt er. Die Sperre sei nicht nur für die Fischer, sondern auch für den Kioskbesitzer, die Surfer, Stand-Up-Paddler und die Segler ein großes Pech gewesen, fügt er hinzu. Er sei bereits um 7 Uhr am See gewesen und die ersten Paddler waren schon draußen. Im Wasser tummeln sich kleine Rotaugen, zahlreiche Blässhühner, Möwen, Schwäne und auch Graugänse schwimmen auf dem Wasser.

„In der Zeit, als die Menschen fortblieben, beobachtete ich viel mehr Vögel, Graugänse flogen von der Staustufe 22 hierher“, sagt Kioskbesitzer Thomas Marzano, der am Samstagmittag mit einer weiteren Angestellten Gäste bedient. Obwohl der See Anfang August über das Wochenende und vom 22. August bis 19. September ganz gesperrt war, hatte er weiterhin ab 10 Uhr bis eine Stunde nach Sonnenuntergang geöffnet. Radfahrer und Fußgänger kamen auch während dieser Zeit. So werde es bleiben, bis der erste Permafrost einsetze, informiert er. Bei Wetterveränderung kann es auch sein, dass in der Winterzeit Betrieb ist. Bernhard und Hildegard Hollereck aus Haunstetten sitzen gerade an einem Tisch. Er genießt eine Fischsemmel mit Weißbier, seine Frau hat sich eine Portion Pommes frites und ein Apfelschorle bestellt. Alle zwei bis drei Wochen kommen sie mit dem Fahrrad über Bobingen an den Mandichosee, um hier Brotzeit zu machen. Zuweilen kommt Bernhard Hollereck auch alleine hierher. „So leer war es um 12 Uhr schon lange nicht mehr wie heute“, wundert sich das Ehepaar.

Dasselbe sagt auch Peter Titze, der zur Surfschule Leupold gehört. „Ich glaube, dass die Sperre viele Leute verschreckt hat, denn sonst ist es um diese Zeit an dem traumhaft schönen See viel voller.“ „Wenn die Hundebesitzer die Schilder rund um den See beachtet hätten, ihre Tiere nicht ans Wasser zu lassen, wäre sicherlich überhaupt nichts passiert und es hätte nie eine Sperre gegeben. Die Alge ist seit vielen Jahre da!“ sagte er ärgerlich. Jetzt sei noch bis November oder sogar bis Weihnachten die Möglichkeit zum Surfen, wenn es guten Wind gibt, weiß er. Gesurft werde mit Neoprenanzügen, so dass die Temperaturen keine Rolle spielen.
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Katharina Wieser aus Augsburg - City | 25.09.2019 | 22:02  
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