Aus feiner Hand - Aus einem Hobby wurde eine Berufung

Thomas Kerscher an seinem Lieblingsstück: einer alten Stickmaschine aus dem Jahr 1950.
 
Thomas Kerscher mit Schauspielerin Désirée Siyum und Hansi Kraus auf der Gewerbeschau in Kissing.
Mering: Textildesign Mering |

Thomas Kerscher aus Mering verziert fast alles

Als ob es noch nicht genug wäre: Neben gestickter Wappen, Anhängern, bedruckter Kleidung oder Vereinsartikeln produziert Thomas Kerscher in seiner kleinen Werkstatt mit Ladenlokal in Mering neuerdings auch bestickte Hundehalsbänder und Schlüsselanhänger. Zudem hat er Kontakt zu zahlreichen Promis. Mit Schauspieler Hansi Kraus hat der Meringer sogar eine eigene Kollektion aufgelegt und einen handgetöpferten Bierkrug entwickelt, gemeinsam mit Behinderten in der Werkstatt in Ursberg.

Das kleine Geschäft von Kerscher mit dem Namen Waldrian Textildesign in der Stadtmitte von Mering ist auf den ersten Blick schwer zu finden. Viele wissen gar nicht, was sich hinter dem Optikgeschäft Spengler in der Rosengasse verbirgt. Auf wenigen Quadratmetern werden hier Textilien bedruckt oder mit hochwertigen Stickereien veredelt. Der Schwerpunkt liegt auf naturnahen Materialien. „Aus feiner Hand“ lautet das Firmenmotto. Hinter all dem steckt Thomas Kerscher.

Ein Banker, der im Textilbereich landet

Seit 28 Jahren lebt der gebürtige Pfälzer nun schon in seinem Lieblingsort Mering. Seine Lebensgefährtin und baldige Ehefrau ist waschechte Berlinerin, der 55-Jährige hat zwei erwachsene Söhne aus erster Ehe. „Ich hätte nie gedacht, dass ich als Banker einmal im Textilbereich landen werde“, sagt der gelernte Bankkaufmann. Er hatte zu seinem emotional sehr anspruchsvollen Job als selbstständiger Honorarberater eigentlich nur einen Ausgleich gesucht. Er nennt seine Tätigkeit „Bankdiplomatie“ und berät seit mehr als 15 Jahren Privat- und Geschäftskunden, die Probleme mit ihrer Bank haben.

Aus der Liebe zum Wald wird Waldrian

Weil er aber gerne im Wald spazieren geht, wollte er seine Eindrücke den Menschen in Blogbeiträgen weitergeben. Aus dieser Leidenschaft rief er ein Onlinemagazin namens „Waldliebhaber.de“ (heute Waldfit.de) ins Leben. Daraus ist dann der Name für die Marke „Waldrian“ entstanden. 

Vom Hobby zur wahren Leidenschaft

Auch das Sticken entpuppte sich vom Hobby zu seiner wahren Leidenschaft. Vor einigen Jahren fing er an, Filz und Loden zu besticken. Dazu kaufte er sich eine professionelle Stickmaschine. Dann fügte sich das eine zum anderen. „Die Kindermodemarke Fantishirt aus Berlin wurde mir plötzlich zum Kauf angeboten“, so Kerscher. „Dann hatten wir Kisten mit Kleidung, Zubehör und Maschinen, aber keinen Laden und kein Lager dazu.“ Auf der Suche nach Räumen entdeckte er seinen jetzigen Laden neben Optik Spengler. Er kann es kaum glauben, denn das ist schon wieder fast drei Jahre her.

Gestickt wird mit einer Industriestickmaschine. Sogar Pferdedecken und gepolsterte Schabracken können damit bestickt werden. Zudem stehen hier Maschinen zum Drucken der Motive, unter anderem ein moderner Stickautomat und ein altes Schmuckstück einer Adler-Stickmaschine aus dem Jahr 1950, das Kerscher aus dem Nachlass einer Schneiderin erworben hat. Unterstützt wird Kerscher Nina, seiner Mitarbeiterin und „rechten Hand“. Sie zeichnet die Motive selbst und stickt und druckt sie dann auf die Textilien. Ständig werden neue Produkte oder Veredelungstechniken getestet, die das Angebot erweitern könnten. Mittlerweile gibt es auch Vierfarb-Siebdruck. Selbst die hohen Anforderungen an das Sticken von Familienwappen schreckten den Textileinsteiger nicht davon ab, sich auch hier einzuarbeiten und tolle Ergebnisse zu erzielen.
Stolz ist Kerscher auf das von ihm exklusiv für den Shop des Textilmuseums Augsburg gestickte Fuggerwappen. Neuerdings werden für Hochzeiten die Ringkissen und die Deko-Bänder mit seinen Stickereien verziert. Und er stickt für die Trachtenberatung Schwaben die Blumenmotive und Ähren auf exklusiv nach historischen Vorbildern genähte Mädlesgewänder. Auch sogenannte Glücksschlüsselanhänger, die mit dem Namen auf Brokat bestickt werden, sind im Laden seit kurzem erhältlich. Wer für seinen Hund ein individuell besticktes Halsband aus hundert Prozent Naturfilz sucht, wird nun auch fündig. 

Keine Massenware

Großaufträge wickelt der Tausendsassa aber nach wie vor nicht ab, denn: „Wir möchten keine Massenprodukte. Die Qualität und Individualität steht bei uns im Vordergrund“, sagt Kerscher. Er ist zufrieden: „Die Nachfrage von Firmen, aber auch der Vereine nach individueller Bestickung oder Bedruckung für ihre Teamsport-Bekleidung steigt immer mehr an. Deshalb weiten wir dieses Angebot aus.“

Kerscher hat zudem gute Kontakte zu Promis, wie Hansi Kraus, der bei der letzten Kissinger Gewerbeschau der Publikumsmagnet war. Die beiden unterstützen einen Gnadenhof für Tiere im Chiemgau und haben sich dort kennengelernt. Dann kam die Idee auf, gemeinsam eine Kollektion zu entwerfen. Inzwischen ist Hansi auf T-Shirts, Laptoptaschen, Caps, Bierkrügen, Tassen und Bierdeckeln zu finden. Kerscher arbeitet eng mit dem Förderverein des Textilmuseums Augsburg zusammen und lässt dort den Jeansstoff für die Laptoptaschen der Hansi Kraus-Kollektion an einem alten Webstuhl fertigen. Die Bierkrüge sind im Stile der Krüge aus dem Jahr 1870 gehalten, der Zeit von Ludwig Thoma. Sie werden in der Töpferei der Behinderten-Werkstätte in Ursberg hergestellt.

Thomas Kerscher will seine Geschichten mit seinen Promis aber nicht alle unter den Tisch fallen lassen: WaldrianTV war geboren. Seitdem findet man im Netz seine Interviews mit interessanten Persönlichkeiten. 
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