Mercedes-Fahrer wirft Katzenbaby bei voller Fahrt aus Autofenster - Meringerin rettet das Tier

Als der Kater ausgesetzt wurde, litt er an starkem Katzenschnupfen und Herpes. Fotos: privat
 
Nun hat Mio bei Kristina Schilder ein neues Zuhause gefunden.

Kristina Schilder kann es kaum fassen, was sie da am 21. November mit eigenen Augen mit ansehen musste. Auf ihrem Heimweg von der Arbeit fährt auf der Landstraße zwischen Mering und Ried eine schwarze Mercedes-Limousine vor ihr. Der Fahrer lässt das Fenster runter und wirft ein Katzenbaby auf die Fahrbahn.

Sie habe gleich erkannt, dass es sich um ein kleines Kätzchen handelte, berichtet die Meringerin, die an dem besagten Tag nachmittags gegen 15.30 Uhr von München nach Hause unterwegs war. Sie sei circa 80 Stundenkilometer gefahren, der Wagen vor ihr ebenso schnell. Ohne anzuhalten, habe er das Tier mit einer Handbewegung aus dem Fenster geschleudert. Kristina Schilder hat sofort angehalten, die Fahrbahn mit ihrem Pkw blockiert und den Kater aufgelesen.

Er sah "übel zugerichtet" aus, sagt sie. Scheinbar sei das Tier trotz schwerer Krankheit nicht tierärztlich betreut worden. Es litt nämlich unter starkem Katzenschnupfen. Hinter der Bezeichnung "Schnupfen" verbergen sich bei Katzen gleich mehrere ansteckende Erkrankungen der Atemwege und der Schleimhäute des Kopfes. Die Krankheit kann tödlich für die Tiere ausgehen.

Die Augen des Kätzchens in Mering waren durch Herpes von Eiter verklebt und tränten stark. Die 32-Jährige ließ das rund acht Wochen alte Kätzchen bei einem Tierarzt behandeln, gegen den Katzenschnupfen bekommt es immer noch Tabletten und Tropfen. Mio, wie Kristina Schilder den Kater getauft hat, der bei ihr ein neues Zuhause gefunden hat, sei wieder topfit. Eines seiner Augen sei aber möglicherweise nicht mehr zu retten. Es gehe ihm aber abgesehen davon gut und er werde immer frecher, vor allem im Umgang mit den zwei anderen Katzen von Kristina Schilder. Die junge Frau zeigt sich entsetzt über das gewaltsame Entsorgen des kleinen Katers: "Ich war so wütend und traurig", macht sie deutlich.

Im Landkreis Dachau wurden im April dieses Jahres in zwei Fällen Katzen in Müllsäcken regelrecht entsorgt. In Markt Indersdorf wurde die Katze rechtzeitig gefunden und konnte gerettet werden, in Schwabhausen verstarb das Tier qualvoll, bevor man es fand.

Polizeihauptkommissar Peter Löffler von der Polizeiinspektion Aichach erklärt, dass die meisten Finder ausgesetzter Tiere keine Anzeige erstatten würden. Daher gibt es laut der polizeilichen Statistik für den Zuständigkeitsbereich der Aichacher Polizei kaum Fälle zu verzeichnen. Binnen zwei Jahren wurde dort lediglich einer gemeldet: Im Februar dieses Jahres setzte ein Unbekannter auf dem Parkplatz des Aichacher Edeka-Marktes zwei Hasen in einem Karton aus. Im Zuständigkeitsbereich der Friedberger Polizei wurden seit Dezember 2013 laut Polizeihauptkommissar Peter Zimmermann 31 Fälle von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz bearbeitet. Dabei handelte es sich überwiegend um gedankenlose und vorsätzliche Tierquälereien, wie Zimmermann erklärt. Es wurde allerdings in den vergangenen fünf Jahren kein einziger Fall einer grausamen Entsorgung oder einer Aussetzung von Tieren bekannt.

Auch Kristina Schilder hat von einer Anzeige gegen den unbekannten Täter abgesehen. Als sie den Vorfall beobachtet hatte, richtete sich ihr ganzes Augenmerk auf das Tier, weshalb sie auf das Kennzeichen des Wagens nicht geachtet hat. (Nayra Weber)
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