Besser in Mering als in Berlin!

Auch ein Empfang im Meringer Rathaus durch Ersten Bürgermeister Hans-Dieter Kandler (hinten Mitte) stand für die israelischen Jugendlichen aus Karmiel und ihre deutschen Freunde auf dem Programm des ersten Tages.
 
"Bis in einem Jahr in Karmiel!" hieß es beim letzten Tag der Jugendbegegnung Mering-Karmiel.
Mering: Rathaus | 14 Jugendliche aus Israel verbrachten zehn Tage in Mering. Sie unternahmen Besichtigungen und Projekte. Trotz des engen Programmes blieb Zeit für Gespräche und gemeinsame Aktivitäten mit den Gastfamilien.

Es war ein tränenreicher Abschied, als die Autos zum Flughafen starten mussten: innerhalb von nur zehn Tagen hatten sich zwischen den Jugendlichen aus Karmiel und Mering enge Freundschaften entwickelt. Günter und Annemarie Wurm aus Unterbergen, die das Programm geplant hatten, waren sehr zufrieden mit dem Verlauf. Auch die Betreuer Tomer Hoffman und Amit Erell lobten die Freundlichkeit und Offenheit der deutschen Familien. Mering sei besser als Berlin, denn Berlin sei eine Großstadt und Mering eine große Familie, schrieb Tomer Hoffman beim Rückflug. Ein Termin für den Gegenbesuch in einem Jahr steht noch nicht fest. Auch die beteiligten Mitglieder des Jugendparlamentes wollen daran teilnehmen.

„Es war eine tolle Woche mit vielen Erfahrungen und herzlichen Menschen. Ich muss unbedingt noch einmal nach Mering kommen“, schwärmte der 16-jährige David Temer. Guy Hoffman pflichtete ihm bei und war glücklich, sein Land vertreten zu dürfen. Jetzt wisse er, wie deutsche Teenager lebten. Ein besonderes Erlebnis war es für ihn, mit seinem Vater bei der Weißwurstherstellung in der Metzgerei Reich dabei sein zu dürfen und sie anschließend zu essen. Für Shalev Solomon war es ihre erste Reise ins Ausland. Sie verriet, dass Synagogen in Israel kleiner seien und dass sie hier neue Speisen versuchte wie dicke Bratwürste oder Pizza mit Bergkäse. Für die deutschen Jugendlichen ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Sie wollen den Kontakt über WhatsApp oder gelegentliche Briefe halten. „Aufgrund des engen Programms war die Zeit zum Unterhalten kurz. Da ich in Ausbildung bin, konnte ich nur einmal am Programm unter der Woche teilnehmen“, bedauerte Amelie Ortner.

Die Stadt München empfanden einige israelische Jugendliche als überfüllt und teuer. Außer den wichtigsten Sehenswürdigkeiten besuchten sie die Janush-Korczak-Akademie, eine Fortbildungseinrichtung für jüdische Bürger. Im Bayerischen Landtag empfing sie die Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr. Schon Ende Oktober werde sie auf Einladung von Tomer Hoffmans Frau nach Karmiel fliegen, um deren Frauenorganisation zu besuchen. In Augsburg lernten sie nicht nur die Synagoge und den Dom kennen. Landsmann Roy Kfrir, der seit sechs Jahren bei einem Projekt im Granhotel Cosmopolis engagiert ist, zeigte ihnen die Einrichtung. Sie bietet Migranten, Künstlern und Touristen Unterkunft, verfügt über ein Café und eine Kantine mit veganem Mittagstisch. Der Tag in Mering war ausgefüllt und begann mit der Tafel und dem Kleiderladen. Auch in Israel gebe es Einrichtungen für Bedürftige wie Pitchon Lev, Vitzo und Naamat, erzählte Adi Gutmann. Im Heimatmuseum erfuhren sie Details über den Ortsteil St. Afra, Trachten und die frühere Ausstattung von Küchen. In der Kirche St. Michael sahen sie sich den Beichtstuhl genauer an. Ein Abendessen mit Getränk spendierte den israelischen Gästen die Pizzeria „Da Daniele“. Der Höhepunkt des Aufenthaltes war für Shawn Plosk die Gedenkveranstaltung in der KZ-Außenstelle Kaufering. „Wir fühlten uns wie eine große Familie, obwohl wir nicht alle Juden waren. Wir beteten dafür, nicht mehr solche Fehler zu machen, sondern die Zukunft besser zu gestalten“, sagte er. Das Wochenende nutzten einige, um auf den Pürschling zu steigen oder die Gegend um Mering mit dem Fahrrad zu erkunden. Mit neuen Erfahrungen und Freundschaften reiste die israelische Gruppe nach Hause. Die deutschen Austauschpartner sind bereits gespannt, das interessante Heilige Land kennenzulernen.
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