„BluatLech“- Der verhängnisvolle 12. August 1862

Der 19-jährige jüdische Goldschmiedelehrling, gespielt von Simon Nagy, kommt nach Unterbergen, um Uhren und anderen Schmuck zu verkaufen.
 
Der verarmte Bauernsohn Mathias empfindet Neid und Hass und tötet den jüdischen Besucher in der Nacht des 12. August 1862.
Mering: Bücherei | Martina Drexlers Einakter nach einer wahren Begebenheit wird in der Bücherei Mering aufgeführt. Schauspieler Simon Nagy übernahm die große Herausforderung einer Doppelrolle

„Ich erzählte in der Gaststube den Witz vom ehrlichen Mann, konnte aber niemanden damit aufheitern“, berichtet der 29-jährige Münchner Schauspieler Simon Nagy in der Rolle des jüdischen Goldschmiedelehrlings Ludwig Bach, der nach Unterbergen im südlichen Landkreis Aichach-Friedberg kommt, um Uhren, Ketten und Ringe im Wirtshaus anzubieten. Ein Sturm hat die Ernte vernichtet und die Menschen machen sich Sorgen um den nächsten Winter. Vor allem der verarmte Bauernsohn Mathias reagiert ihm gegenüber feindselig und noch in derselben Nacht tötet er den sechs Jahre jüngeren Augsburger.

Den Einakter „BluatLech, eine Tragödie am Lechrain 1862“ schrieb Martina Drexler aus Mering, die gemeinsam mit Regisseur Hubert Schmucker den Verein „Artus Ensemble“ für erlebbare Heimatgeschichte gründete, im Mai 2017 und überarbeitete ihre erste Fassung nochmals im Mai 2018. Durch einen Bekannten hatte sie vom Sachbuch über den jüdisch-bayerischen Kriminalfall mit dem Titel „Mord am Lech“ vom Augsburger Historiker Yehuda Shenef erfahren und es sich sogleich bestellt. Schon am 8. Juli fand eine szenische Lesung mit etwa 50 Personen statt. „Die Besucher empfanden die Geschichte als bewegend, authentisch, waren berührt und beeindruckt“, verriet Martina Drexler. Seit Mitte August laufen die Proben, am 2., 3. und 7. Oktober wird die einstündige Tragödie in der Bücherei Mering aufgeführt.

Es ist nicht die erste historische Begebenheit, die das im Jahr 2010 gegründete Artus Ensemble auf die Bühne bringt. Schauspieler Simon Nagy ist ebenfalls schon das vierte Mal mit von der Partie: in „Welfenherz“ glänzte er in der Rolle des stotternden Anselm, bei „ Brecht -Auf zum Frieden“ übernahm er die Rolle eines Landsknechtes und bei „Vergiss mein nicht“ spielte er einen Pfarrer. Bereits seit seinem 11. Lebensjahr steht er auf der Bühne, studierte Theaterwissenschaften und gründete in München seine eigene Theatergruppe „Nagynauten“, die seine selbstgeschriebenen Stücke auf Festivals oder in diversen kulturellen Lokalitäten spielt. In „BluatLech“ sei es für ihn eine besondere Herausforderung, zwei grundverschiedene Personen so gut wie möglich darzustellen, sagt er. Er bevorzuge gehobene, ernste Stücke, die ihn überzeugen und fordern. Die Zuschauer werden innere Monologe und Gedanken zu anderen Personen hören und sich sicherlich nicht langweilen, weiß er. Der 19-jährige jüdische Goldschmiedelehrling Ludwig Bach ist ein hochgebildeter junger Mann, der viele Sprachen wie Hebräisch, Französisch und Englisch spricht und Ziele für sein Leben hat. Der Bauernsohn Mathias dagegen hat viele Probleme und nur eine einfache Schulbildung. Er durchlebt die Tat, die vor über 140 Jahren geschah, jetzt noch einmal und sucht einen Ausweg aus seinem verlorenen Zustand, verrät Autorin Martina Drexler. Es ist ein Theaterstück mit einem ernsten, aber aktuellen Thema. Ein anderer ist nicht so ist wie ich und mancher reagiert darauf mit Neid und Gewalt. Der Sachbuch-Autor Yehuda Shenef wird bei allen drei Aufführungen einleitende Worte sprechen. In der Dokumentation des Jüdischen Friedhofs von Pfersee/Kriegshaber hatte er 2007 einen kurzen Eintrag über den Mord des jungen Mannes gefunden und begann, ab 2013 zu recherchieren. Aufgrund des umfangreichen Stoffes beschloss er, ein Buch zu verfassen. Es erschien in erster Auflage im Kokavim Verlag/Friedberg im Juli 2014, eine zweite Auflage drei Jahre später. „Da der junge Ludwig Bach so in Vergessenheit geriet, dass nicht einmal eine Inschrift auf seinem Grab an ihn erinnert, werden ihm durch mein Buch und das Theaterstück in Mering Zeichen der Erinnerung gesetzt“, freut er sich.

Info: Die Aufführungen finden in Kooperation mit „Mering ist bunt“ und PaarKult/Stadl-Uni in der Bücherei Mering, Bachstr. 1 am 2. und 3. Oktober um 19 Uhr und am 7. Oktober um 20 Uhr statt. Karten können zum Preis von 10 €, ermäßigt 8 € zu den Öffnungszeiten in der Bücherei (Tel. 08233/7395025) gekauft werden.
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