Das Projekt „Seven Summits“ gibt es auch in den Alpen

Am 04.08.2016 stand Florian A. Mayer (rechts) mit seinen drei Meringer Bergfreunden (von links) Markus Berchthold mit Monika und Walter auf dem Gipfel des höchsten Berges der Alpen, dem 4.810 Meter hohen Montblanc (Frankreich).
 
Am 04.08.2016 stand der Meringer Florian A. Mayer auf dem höchsten Punkt der Alpen, dem Gipfel des 4.810 Meter hohen Montblanc (Frankreich).
 
Mit dem Meringer Alpenverein erreichte Florian A. Mayer am 01.08.2017 den Gipfel des 4.061 Meter hohen Gran Paradiso (Italien).
 
Besonders schön ist das Gipfelkreuz des höchsten Berges in Österreich. Den 3.798 Meter hohen Großglockner bestieg Florian A. Mayer am 17.08.2013.

Florian A. Mayer hat bereits sechs der sieben Ländergipfel bestiegen

Mering. Zugspitze (Deutschland), Großglockner (Österreich), Gran Paradiso (Italien), den Triglav (Slowenien), die unbekannte Vordere Grauspitze (Liechtenstein) und das Dach der Alpen, den Mont Blanc (Frankreich) hat er schon, nur der Ländergipfel der Schweiz (Dufourspitze) fehlt ihm noch. Nach der Besteigung des 5.895 Meter hohen Kilimandscharo in Tansania zieht es den Meringer Bergsteiger Florian A. Mayer wieder in die Alpen. Dort absolviert der 38-jährige gerade eine kleine Variante der berühmten Seven Summits Tour.

Angefangen hat seine Leidenschaft an den Bergen vor etwa zehn Jahren. „Ich wollte immer einmal zu Fuß auf Deutschlands höchsten Berg“, erzählt Florian A. Mayer von seinen Anfängen. Ich war damals über zwei Wochen im Zugspitzdorf Grainau auf Seminar. „Als es am 26. Juli 2009 dann einen traumhaften Sonntag hatte, bin ich einfach drauf losgelaufen.“ Weil sich damals aber keiner seiner Freunde für diese Tour begeistern ließ, wäre es fast nicht dazu gekommen. Heute ist der Meringer froh, dass er damals auch alleine aufgebrochen ist, denn dadurch kam er erst so richtig zum Bergsteigen. „In den Bergen lernst Du immer jemanden kennen, fast jeder ist hilfsbereit und freundlich.“ Noch heute sporadisch Kontakt hat Florian A. Mayer zu den beiden Freunden, die er damals bei dieser Tour kennenlernte. Die Tour auf die Zugspitze (2.962 Meter) wiederholte Mayer zwischenzeitlich zehn mal, probierte verschiedene Routen aus und stieg einmal sogar an einem Tag auf und auch wieder ab. Mit 2.200 Höhenmetern ist das Höllental seine favorisierte Route, weil es nahezu alle alpinen Higlights in einer Tour vereint: eine rauschende Klamm, zwei Klettersteige, ein schönes Tal und einen Gletscher. Auch Konditionell fordert die Route den ganzen Mann, deshalb versucht Mayer sie mindestens einmal im Jahr zu gehen. Von den fünf bekannten Routen auf das Dach Deutschlands ist Mayer schon vier gegangen. Nur der Jubiläumsgrat zwischen Zugspitze und Alpspitze ist nach wie vor ein noch unerfüllter Traum.

2013 bestieg Florian A. Mayer mit Franz Schwarzenberger und Thomas Zuber, zwei Freunden aus Bobingen, die beide Anfang 2015 auch mit ihm auf dem Kilimandscharo waren, den 3.798 Meter hohen Großglockner in Österreich. Der sonst so überlaufene Berg in den Hohen Tauern wartete mit einer seltenen Einsamkeit auf die drei Bergsteiger, die über die Normalroute von Kals über die Erzherzog-Johann-Hütte auf den Gipfel stiegen. Mittlerweile hat Mayer gelernt, dass man in den Bergen nicht nur auf Erzählungen oder Bilder hören darf. Die eigene Perspektive am Fels ist entscheidend. Oft stellt sich die Route am Berg nämlich ganz anders dar als in der Literatur.

Bei eisigem Sturm 15 Stunden am Mont Blanc unterwegs

Anfang August 2016 war dann das Dach der Alpen dran. Mit 4.810 Meter über dem Meeresspiegel ist der Mont Blanc zumindest der höchste Berg der Alpen. Ob er auch der höchste Berg Europas ist hängt davon ab, wo man die Grenze zieht. Einige betrachten daher den über 5.000 Meter hohen Elbrus im Kaukasus als höchsten Berg Europas. Mit drei Freunden vom Meringer Alpenverein ging es drei Tage nach Frankreich und nach der Anreise abends noch auf das Refuge de la Tête Rousse. Von dort starteten die drei Meringer Walter, Monika sowie Markus Berchthold mit Florian A. Mayer kurz nach 2 Uhr morgens zum Gipfelsturm. Bei einem arktischem Sturm erreichte die Gruppe dann gegen 10 Uhr den höchsten Punkt der Alpen. Aufgrund schlechter Wetterprognosen musste die Seilschaft dann am gleichen Tag auch noch bis zur Zahnradbahn absteigen. Gegen 17.30 Uhr erreichten die Meringer dann die bewirtschaftete Hütte Nid d'Aigle auf 2.372 Metern, um anstatt auf der Gouter Hütte dort zu nächtigen. Diese Tour war für Mayer deshalb besonders hart, weil er in der Vorwoche beim Blutspenden war und sich in der Höhe die Leistungsfähigkeit dadurch dramatisch reduziert. Umso glücklicher war der Meringer über diesen Erfolg.

Im August 2017 erfüllte der Meringer Alpenverein Florian A. Mayer den Wunsch und steuerte im Rahmen der Sektions-Eistour den Gran Paradiso Nationalpark an. Die rund 30-köpfige Gruppe schlug nach einem Hüttenaufstieg bei strömendem Regen drei Nächste ihr Lager auf dem Rifugio Vittorio Emanuele II. auf und bestieg am Vortag zur besseren Akklimatisation über ein heikles Schuttfeld den 3.609 Meter hohen Tresenta. Am 1. August 2017 schaffte es praktisch die ganze Gruppe bei beißendem Wind auf den Gipfelgrat und die meisten Teilnehmer über eine kurze Kletterstelle auch zum Gipfelkreuz (4.061m). Dabei musste die Seilschaft um Florian A. Mayer etwa eine halbe Stunde kurz vor dem Gipfel bei eisigem Wind verharren, da am eigentlichen Gipfel zu wenig Platz ist, um alle Gipfelstürmer auf einmal aufzunehmen. „In solchen Situationen kann man sich gut vorstellen, welche Kraft Stürme im Himalaya entwickeln können und welche Gefahren den Bergsteigern durch Unterkühlung drohen, wenn der eigene Körper im Stau mangels Bewegung auskühlt“, erzählt Florian A. Mayer.

Bereits knapp zwei Wochen später schaffte Florian A. Mayer dann seinen fünften Ländergipfel. Am 14. August 2017 brach er erneut alleine in Richtung Slowenien auf, um im Triglav-Nationalpark auf den gleichnamigen Gipfel zu steigen. Nach einer Übernachtung im Triglav-Haus stand der Meringer am 15. August 2018 bei besten Wetterbedingungen an dem berühmten Turm des Triglav (2.864m), der anstelle eines Kreuzes den Gipfel des höchsten Berges von Slowenien markiert.

In diesem Jahr, am 16. August 2018, bestieg der Meringer dann mit der unbekannten Vorderen Grauspitze (2,599m) auch den höchsten Berg des Fürstenturms Liechtenstein, der aber insgesamt kleinste der Seven Summits. Widrigkeiten dabei waren die Wegfindung, da weder Markierungen noch viele andere Bergsteiger den Weg weisen. Nur geringe Steigspuren fordern Erfahrung und letztlich am ausgesetzten Gipfelgrat auch einfache Kletterkünste.

Schweizer Dufourspitze als letzte große Hürde zu den Seven Summits der Alpen

Nun, sechs von sieben Gipfeln später, möchte Florian A. Mayer die Serie in den nächsten Jahren komplettieren. Dabei ist nur noch die höchste Erhebung in der Schweiz noch eine besondere Herausforderung. An der relativ unbekannten Dufourspitze (4.634 m) fand vorletztes Jahr auf dem Normalweg ein großer Felssturz statt. Daher muss eine schwierigere Route her oder abgewartet werden bis sich das Gestein am Silbersattel beruhigt. Erhöhte Risiken eingehen will Mayer deshalb nicht, lieber wartet er eine Saison länger. Um den höchsten Schweizer zu besteigen muss jeder Bergsteiger aber einen langen Fußmarsch in Kauf nehmen und einige technische Schwierigkeiten in gemischtem Gelände mit abwechselnd Eis und Fels überwinden. Genau das scheint aber weniger das Problem zu sein, denn in diesem Jahr hat Mayer zusammen mit seinen drei Montblancfreunden bereits 3.100 Höhenmeter bis zum Dom (4.545m) zurückgelegt. Das ist der höchste Berg, der vollständig auf Schweizer Territorium steht und über keine technische Unterstützung wie eine Seilbahn verfügt.

Das was Profibergsteiger also auf der Welt mit den sieben höchsten Bergen der sieben Kontinente anstreben, kann man sich im kleinen auch in den Alpen als Herausforderung suchen, schildert Florian A. Mayer über seine Motivation. Wenn auch nicht ganz so schwierig sind das alles lohnende Ziele, deren Gipfel bis auf die Zugspitze alle nur zu Fuß erreichbar sind. Aufmerksam geworden ist Mayer auf diese lohnende Idee bei einer Tourensuche im Internet, wo er durch Zufall auf die Seite „Seven Summits der Alpen“ stieß. Jedem Gleichgesinnten rät er deshalb sich vorher dort zu informieren. Einen eigenen Blog zu dem Thema und seinen eigenen Besteigungen schließt der Zweite Bürgermeister seiner Heimatgemeinde aber selbst nicht aus.

Der Weg ist das Ziel - Teamgeist und Abstand vom Alltag gibt es in den Bergen

Auf ein bestimmtes Highlight in den Bergen festlegen will sich Mayer nicht, aber natürlich steht die Tour auf den Montblanc ganz weit oben auf der Liste, weil der Respekt vor dem Berg einfach im Vorfeld sehr groß war und Mayer diese Herausforderung liebt. Außerdem geht auf den höchsten Berg der Alpen - ganz im Gegensatz zum Dach Deutschlands - keine Seilbahn. Man muss es also aus eigener Kraft schaffen und das im Team, wenn man sich nicht der Gefahr aussetzen will alleine in einer Gletscherspalte verloren zu gehen. Mayer bereitet sich auf solche Touren nicht nur körperlich, sondern vor allem auch mental sehr gut vor. "Da lese ich oft wochenlang Besteigungsberichte und versuche mir daraus für mich selbst ein möglichst gutes Bild von den Schwierigkeiten zu machen, die ja letztlich jeder Mensch anders wahrnimmt", so der begeisterte Alpinist. Dass es kein Spaziergang auf das Dach der Alpen ist weiß der Meringer spätestens seit einer Pause auf 4.362 Metern im Bivouc Vallot. Dort nämlich seien den Meringern Koreaner begegnet, die nicht nur übernachtet haben, sondern sogar mit Sauerstoffflaschen unterwegs waren. Eigentlich ist dies erst in den hohen Bergen des Himalaya üblich. Aber nicht nur die Herausforderung an sich, sondern der Teamgeist in einer Seilschaft und der Abstand vom Alltag weit draußen in der freien Natur und die damit verbundene Freiheit sind nur einige Gründe, warum es Florian A. Mayer immer wieder in die Berge zieht. Dabei ist der Gipfelerfolg für Mayer nur das Mittel zum Zweck. "Ich will immer den ganzen Weg zurücklegen, weil hinter der nächsten Ecke immer noch etwas interessantes zu entdecken sein könnte."
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