Fünf Jahre Städtefreundschaft Mering-Karmiel

Günter Wurm (links) und seine Frau Annemarie (rechts) knüpften im Jahr 2014 die wichtigen Kontakte für eine Städtefreundschaft mit Karmiel, ihr Sohn Benedikt kümmerte sich bei der Jugendbegegnung in Israel im Sommer 2019 spontan um abendliche Aktivitäten mit den Jugendlichen. (Foto: Jürgen Kern)
Mering: Gemeinde | Günter und Annemarie Wurm organisierten 2010 die erste Reise nach Karmiel für Meringer Fußballerinnen. Im August 2014 knüpften sie wichtige Kontakte für eine Städefreundschaft zwischen der Marktgemeinde und der israelischen Stadt.

Im Oktober werden es fünf Jahre, dass die Marktgemeinderäte der offiziellen Städtefreundschaft zwischen Mering und der Stadt Karmiel in Israel zustimmten. Im Juni 2018 fand die erste offizielle Jugendbegegnung mit 15 Jugendlichen und mehreren Betreuern in Mering statt. Auch der damalige Bürgermeister Adi Eldar war mit seiner Frau, der zweiten Bürgermeisterin und noch weiteren Kontaktpersonen aus der Freundschaftsstadt angereist. Einige von den Jugendlichen aus Mering und Umgebung, die den Gästen aus Israel ein Quartier geboten hatten und noch weitere reisten vom 29. Juli bis 7. August für sieben Tage in die Freundschaftsstadt. Karmiel ist mit 50.000 Einwohnern und ständigem Wachstum um einiges größer als Mering und hat auch mehrere Städtepartnerschaften, unter anderem mit Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf. Im Anschluss an die Tage in Karmiel besichtigten die Jugendlichen Jerusalem, die Wüste Negev und Tel Aviv. Es war die erste offizielle und finanziell geförderte Reise von Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren aus Mering und Umgebung ins Heilige Land. Zuschüsse kamen aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes, bereitgestellt über das Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch und des Bayerischen Jugendrings. Voller Eindrücke kehrte die Gruppe von ihrem zehntägigen Gegenbesuch in Israel mit vier Betreuern zurück. Anfangs waren manche Teilnehmer noch skeptisch oder ein wenig ängstlich, was sie in Israel erwarten würde. Dann übertraf die Reise aber alle Erwartungen und wird für immer in Erinnerung bleiben. Für das nächste Jahr ist geplant, dass erneut eine Gruppe Jugendlicher aus Karmiel nach Mering kommt.

Das Programm für die Tage in der Freundschaftsstadt hatten Annemarie und Günter Wurm in Zusammenarbeit mit Andrea Gisberg aus Karmiel ausgearbeitet. Als Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Mering-Karmiel betreuten sie mit Hobbyfotograf Peter Holthaus und ihrem 21-jährigen Sohn Benedikt, die beide auch der ARGE angehören, die Gruppe. Benedikt, der bereits im Alter von 11 Jahren seine erste Reise nach Israel machte und für den es schon der vierte Aufenthalt war, übernahm ganz spontan abendliche Aktivitäten wie einen Strandspaziergang, eine Wanderung in der Wüste oder Spiele am Lagerfeuer. Bürgermeister Moshe Koninsky empfing die Reisegruppe in seinem Rathaus und betonte, wie wichtig ihm die Beziehungen zu Mering seien. Ein Austausch zwischen Jugendlichen verändere die Beziehungen beider Länder und verhindere, dass sich so ein trauriges Kapitel wie die Judenvernichtung im Dritten Reich wiederholen könnte, sagte er in seiner Ansprache. Die jungen Meringer besuchten eine kleine Schokoladenfabrik, die der neuseeländische Jude John Colat seit 25 Jahren betreibt und Pralinen aus rein natürlichen Zutaten herstellt. Ein Kinderdorf mit 300 Kindern, ein Projekt für autistische Kinder mit einem kleinen Zoo, der Besuch beim Künstler Daniel Hasbani, eines der ältesten Kibbuze und eine Olivenöl- und Seifenfabrik standen ebenfalls auf dem Reiseprogramm. Für die letzten vier Tage in Jerusalem, der Negev Wüste und in Tel Aviv war die Reiseleiterin Naomi Ehrlich-Kuperman aus Jerusalem mit ihrem Bruder Yoram, der ein Reisebüro in Saarbrücken betreibt, das auf Reisen in Israel spezialisiert ist, zuständig. Unterwegs sahen die Jugendlichen auch die imposanten König David Wasserfälle und durften auf Kamelen in der Wüste reiten. Da die Eltern und Großeltern der Ehrlichs Deutsche sind, erhielt die Gruppe die Führung in deutscher Sprache.

Der 53-jährige Günter Wurm aus Unterbergen war über fünf Jahre im Gemeinderat und gleichzeitig auch der Jugendbeauftragte in Schmiechen. In seiner Funktion führte er das Ferienprogramm mit der weiteren Gemeinderätin Sabin Stegelmann ein. „Zum Abschluss gab es immer ein großes Fest für die teilnehmenden Kinder, zu dem weitere aus dem Dorf dazukommen konnten“, erzählt Wurm. Einmal wünschten sie sich zu seiner Überraschung ein Fest zum Thema „Israel“, fügte er hinzu. Das war für ihn ein Anlass, den ersten Kontakt zur Israelitischen Kultusgemeinde in München aufzunehmen. Sie half ihm, das Fest vorzubereiten, im Verlauf der Jahre lernte er immer mehr jüdische Menschen kennen, woraus echte Freundschaften entstanden sind. Während es anfangs rein private Israelfeste in seinem Garten waren, gab es im Jahr 2014 den ersten öffentlichen Israeltag im Meringer Lippgarten. Ein Höhepunkt in diesem Jahr war der Auftritt der Tanztruppe Karmiel Flowers, die in immer wieder neuen und sehr farbenprächtigen Kostümen ihre Tänze zeigten und die Zuschauer begeisterten. Auch die Opernsängerin Pnina Goshen aus Karmiel tritt jedes Jahr mit mehreren Liedern auf Hebräisch und Englisch auf. Günter Wurm verrät zum Schluss des Interviews, dass er sich bald schon eine Reise für interessierte Bürger aus Mering nach Israel vorstellen könnte.
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