Glanzvolle Jubiläums-Gala

Turner und Tänzer boten ein abwechslungsreiches Programm. Fotos: Stöbich
  Mering: Mering | TV Mering feiert sein 110-jähriges Bestehen

Peter Stöbich
Mering. Früher wurde die sogenannte Leibeserziehung mit beinahe militärischer Disziplin durchgeführt und war für Frauen nur erlaubt, wenn sie dabei sittsam bekleidet waren. Daß sich das gründlich geändert hat, zeigte der große Showabend zum 110-jährigen Bestehen des Turnvereins (TV) Mering. Schwungvoll, selbstbewußt und sexy präsentierten sich verschiedene Sport- und Tanzgruppen den begeisterten Zuschauern; diese waren trotz Konkurrenzveranstaltungen wie Augsburger Partynacht und Fußball-Weltmeisterschaft recht zahlreich in die Ettensberger-Halle gekommen und erlebten ein zweistündiges Programm auf hohem Niveau: abwechslungs- und temporeich, unterhaltsam und begleitet von einer bunten Licht-Show.
Was so mühelos und manchmal fast spielerisch aussah, hatte monatelanges hartes Training erfordert. Denn nur wenige Minuten Rock`n`Roll zu tanzen, ist schweißtreibender Hochleistungssport; auch Figuren und Formationen auf dem Einrad sind eine Kunst, die geübt sein will. Artisten, Piraten und Zombies wirbelten über die Matten und brachten ihr Publikum zum Staunen, wie vielfältig Sport sein kann.
Das gemischte Programm aus Akrobatik und Ballett, Tanz und Turnen war in zwölf Szenen unterteilt, die von den Mitgliedern des SV, TV und TSC Mering sowie des TSV Friedberg und TSV Firnhaberau gestaltet wurden. Besonders eindrucksvoll wirkte das "Fluch der Karibik"-Motiv, weil zur Filmmusik in wenigen Minuten eine ganze Geschichte erzählt wurde, in der sich feindliche Piraten-Banden schließlich versöhnen. Nicht weniger faszinierend war die Darbietung der Friedberger "Jumpinos": In der abgedunkelten Halle waren nur ihre leuchtenden Sprungseile zu sehen und zauberten magische Lichtbögen und andere Figuren.
Dem zu gründenden Verein war im April 1908 zur Errichtung einer Turnhalle ein Teil des Grammelplatzes überlassen worden - vorbehaltlich der Entrichtung einer jährlichen Anerkenntnisgebühr von 50 Pfennig. Einen Monat später gab der Meringer Anzeiger bekannt, dass der junge Verein schon 90 Mitglieder habe und bereits beim Turngau Augsburg angemeldet sei.
Am 12. Juli wurden das Gründungsfest und die Einweihung der neuen Turnhalle, ein schlichter Holzbau, gefeiert. Daß Anfang des vorigen Jahrhundert der Begriff Emanzipation noch ein Fremdwort war, zeigt ein Blick in die Vereinsgeschichte. Die "Turnschwestern" durften zwar auf einem geschmückten Wagen als Festjungfrauen durch Mering fahren, wurden aberals Bedrohung für Anstand, Sitte und Moral gesehen und durften kein Fleckchen nackte Haut zeigen. Erst in einer Turnratssitzung im Februar 1921 wurde die Grüdung einer Damenriege für gut befunden. Sie musste laut Vorsitzendem Thomas Postenrieder allerdings so gehandhabt werden, "daß durch böser Leute Geschwätz der Verein nicht in den Schmutz gezogen wird".
Zwei Jahre später wurde ein "obligatorisches Turnen für volksschulpflichtige Mädchen" eingeführt, obwohl die Schicklichkeit der weiblichen Turnkleidung immer noch heftig umstritten war. Immerhin gab es ab 1949 Musikbegleitung durch einen Pianisten in der Turnstunde der Frauenriege.
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