Meringer Gewerbepark und Augsburger Gewerbegebiet südlich der Derchinger Straße im Vergleich

Das neue Meringer Gewerbegebiet im Lechfeld - noch weit von der Erschließung entfernt
 
Bürgerprotest statt Konsens in Mering

Streit statt Konsens um das Meringer Gewerbegebiet

Nach wie vor ist das ca. 10 ha große Gewerbegebiet im Westen von Mering St. Afra ein heftiger Streitpunkt in der Marktgemeinde. Dort, wo nach dem Willen von Bürgermeister Hans-Dieter Kandler und vieler Mitglieder im Marktgemeinderat eigentlich die grünen Hallen des Großlogistikers HONOLD stehen sollten, sieht man nur riesige Erdhügel, zwischen denen Mäuse herumwuseln und Falken auf die Jagd gehen. Viele Bürgerinnen und Bürger wehrten sich dagegen, dass ausgerechnet ein großer Logistikbetrieb mit seinen Hallen das Ortsbild verschandeln und die Straßen mit seinen Lastwagen zusätzlich belasten sollte, sammelten mehr als 1.000 Unterschriften gegen das Projekt und mobilisierten die Öffentlichkeit. Der Naturschutz wies daraufhin, dass das Gebiet mitnichten ausgeräumte Landschaft ist, wie es der Bürgermeister gerne darstellte, sondern Teil eines wichtigen Naturraumes im Lechfeld ist. So musste die Gemeinde ein paar Millionen in die Hand nehmen, um für Ausgleichsflächen zu sorgen. Für besonderen Unmut sorgte die intransparente Vergabepraxis an die Firma HONOLD, denn dieser Investor sollte möglichst lange geheim gehalten werden. Nachdem HONOLD dann das Feld geräumt hatte, entschloss sich die Gemeinde den Forderungen vieler Bürger nachzugeben und einen Projektentwickler zur Entwicklung und Vermarktung des Gewerbegebietes einzusetzen. Weiterhin wurde ein sechsköpfiger Vergabeausschuss gebildet mit drei Mitgliedern der CSU-, zwei der SPD- und einem der Grünen Fraktion, Vorsitz Bürgermeister Kandler. Der Marktgemeinderat beschloss in seiner letzten, nichtöffentlichen Sitzung, dass dieses Gremium weitreichende Kompetenzen erhält und über die Vergabe der Grundstücke entscheiden soll. Dabei wird der gleiche Fehler wie zuvor gemacht, denn der Ausschuss soll nach Wunsch der Gemeinderatsmehrheit in Gänze nicht-öffentlich tagen. Damit soll die Öffentlichkeit, die großes Interesse an der Entwicklung dieses wertvollen Gebietes hat, wiederum ausgeschlossen werden und die Grundstücke sollen ohne Information der Öffentlichkeit an potentielle Interessenten verkauft werden. Grundstücksgeschäfte und deren Inhalt sind selbstverständlich vertraulich und nicht-öffentlich zu behandeln. Die Öffentlichkeit und insbesondere die Mitglieder des Marktgemeinderates haben aber ein Recht darauf, rechtzeitig und nicht erst bei Vorlage des Notarvertrages zu erfahren, wer die Grundstücke erhalten soll und es muss öffentlich gemacht werden, nach welchen Kriterien die Grundstücke vergeben werden und wie das Konzept für den Gewerbepark aussehen soll. Offenbar hat der Vergabeausschuss auch bisher versäumt, Kriterien festzulegen, nach denen das Gebiet entwickelt werden soll und nach denen die Grundstücke vergeben werden sollen, und das soll wohl auch so bleiben. Das führt dazu, dass die Firma HONOLD immer noch nicht aus dem Rennen ist und weitere große Logistikunternehmen in der Diskussion sind. Gleichzeitig warten über 30 Meringer Betriebe darauf, eine Zusage für Grundstücke zu erhalten und gehen möglicherweise leer aus, wenn das Gebiet an einen Großinvestor vergeben wird.

Augsburg entwickelt sein Gewerbegebiet professionell und transparent

Man vergleiche die Situation mit der Entwicklung des ca. 100 ha großen Augsburger Gewerbegebietes südlich der Derchinger Straße. Wie das Meringer Gewerbegebiet liegt es im Osten der Stadt Augsburg und ist verkehrstechnisch im Einzugsbereich von B2  und A8 gelegen. Es wurde ein Rahmenplan festgelegt, der in einem intensiven Analyse und Entwicklungsprozess städtebauliche Struktur und Leitlinien detailliert festlegt. Man fokussiert dabei auf klein- und mittelständische Unternehmen unter größtmöglicher Beachtung umweltrelevanter Aspekte. Es wurden dabei fünf verschiedene Varianten untersucht, die in den folgenden Planungsschritten näher betrachtet wurden und aus denen der letztendliche Planungsentwurf für Grundstücksstruktur, Straßen, ÖPNV, Fahrradwege und großzügige Grünflächen erfolgte. Die Stadt legte damit einen detaillierten Planungsentwurf vor, nach dem das Gewerbegebiet städtebaulich entwickelt werden könnte, sofern der Stadrat den Auftrag dafür erteilt. Erst danach können sich Unternehmen um Grundstücke bewerben. Aktuell sind keine Entscheidungen zu diesem Gebiet gefallen und es wird von verschiedenen Stellen angestrebt, die Entwicklung der Gewerbeflächen und des Flächenverbrauchs in Augsburg insgesamt zu betrachten. Man kann natürlich, trotz der professionellen Planung und Vorgehensweise, auch dieses Gewerbegebiet kritisch sehen, denn es würden wertvolle Flächen überbaut und noch mehr Autoverkehr im Osten Augsburgs generiert werden und bedrohte Vogelarten wie der Kiebitz verlören ein weiteres Brutgebiet. Damit wäre es eine weitere Fortsetzung der Industrialisierung des Lechfeldes, mit der immer mehr Menschen in der Region nicht einverstanden sind. Hier sind sicher noch viele Diskussionen erforderlich. Aber zumindest wurde, im Vergleich zur Vorgehensweise in Mering, eine detaillierte und professionelle Planung vorgelegt, die es dem Stadtrat und der Öffentlichkeit erlaubt, dazu Stellung zu beziehen, bevor die Grundstücke letztendlich vergeben werden.
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