Wie geht es mit der Volksbühne Mering weiter?

Helmut Schuierer, der hier den Esel für das neue Stück "Die Bremer Stadtmusikanten" zeigt, sieht bei einem Abriss der Volksbühne im Rahmen der Vision 2025 das Weiterbestehen der erfolgreichen Kulturstätte von Mering in Gefahr.
Mering: Volksbühne |

Mit der Vision 2025 könnte die Marionettenbühne abgerissen werden. Die Mitglieder brauchen das ganze Jahr über ein Gebäude für ihre Arbeit.

Im Frühjahr 2017 entwickelte der katholische Pfarrer Thomas Schwartz die „Vision 2025“ für Mering. Sie sieht den Bau eines gemeinsamen Gebäudes mit je einem Veranstaltungssaal für Kirche und Gemeinde und einer Tiefgarage vor. Dabei sind zwei Varianten möglich: ein zweistöckiges Gebäude mit Pfarrsaal im zweiten Stock und Gemeindesaal im Erdgeschoss, bei dem die Volksbühne stehenbleiben könnte oder ein größeres Gebäude, bei dem beide Säle im Erdgeschoss untergebracht sind.

Das würde aber einen Abriss der Volksbühne bedeuten. Die katholische Kirche hat sich gegen die Unterbringung der Veranstaltungssäle auf zwei Stockwerken ausgesprochen, aber das letzte Wort müssen die Meringer bei einem Bürgerentscheid fällen. Wie die Vision 2025 im Detail finanziert wird und ob jeder Einwohner einen Beitrag leisten muss, ist auch noch offen.

Sollte das Gebäude der Volksbühne abgerissen werden, müsste der Verein eine neue Bleibe bekommen. Ein Umzug wäre mit hohen Kosten und einem großen Arbeitsaufwand verbunden. Zwei Umzüge könnte der Verein nicht aus eigenen Mitteln bewerkstelligen. Fünf Jahre Pause würde sicherlich das Verschwinden der erfolgreichen Marionettenbühne, einer wichtigen Kulturstätte der Marktgemeinde, bedeuten.

Marktgemeinderäten klar machen, dass die Volksbühne nicht nur vier Wochen im Jahr einen Raum braucht

Bei einem Gespräch mit Mitgliedern der Volksbühne verrieten sie, dass sie bereits eine Lösung wüssten und den Ersten Bürgermeister Hans-Dieter Kandler darüber informiert hätten. Noch vor der Premiere des neuen Stückes „Die Bremer Stadtmusikanten“ wollen sie eine Sondervorstellung für die Marktgemeinderäte geben, damit diesen klar wird, dass die Volksbühne nicht nur für vier Wochen im Jahr einen Raum braucht.

Das hatte nämlich ein Gemeinderat bei einer öffentlichen Sitzung geäußert. Nach den Aufführungen müssen die Puppen und die Kulissen verstaut, Fäden an Marionetten erneuert und neue Puppen und Kulissen gefertigt werden. Die Tätigkeiten erstrecken sich über das ganze Jahr. Ab Mai nimmt Ellinor Danzfuß das neue Tonbild nach einem gemeinsam erstellten Manuskript in den Räumen der Volksbühne auf. Bereits ab Mitte September laufen die vier Proben pro Woche für die neue Saison. Premiere ist am ersten Samstag im November.

Helmut Schuierer ist seit 2008 Mitglied der Volksbühne und war lange für die Technik und die Homepage zuständig. Er informierte sich bei allen öffentlichen Veranstaltungen zur Vision 2025. Auch bei einer öffentlichen Gemeinderatssitzung war er anwesend, durfte aber keine Stellungnahme zu Aussagen, die den zeitlichen Raumnutzungsbedarf falsch darstellten, machen. Bei der Veranstaltung für die Meringer Bürger am 11. Juli trug er seine Präsentation „Quo vadis Volksbühne?“ am Rednerpult vor. Diese hatte er im März für die Jahreshauptversammlung vorbereitet.

Marionettentheater wurde 1994 gegründet und lockt jährlich 2000 Besucher an

Die Volksbühne Mering wurde im Jahr 1974 gegründet und war zuerst in der Mehrzweckhalle untergebracht. 1984 konnte sie in das jetzige Gebäude, die frühere Knabenschule einziehen. Zehn Jahre später wurde das ursprüngliche Volkstheater durch das Marionettentheater abgelöst. Dabei wurde mit viel Aufwand durch die Mitglieder die einmalige, fest verankerte Doppelbühne und die gesamte Licht- und Toninstallation eingebaut. Vor drei Jahren erneuerten die Mitglieder für 16000 Euro aus eigenen Mitteln in ehrenamtlichem Engagement die Technik. Das Marionettentheater gründete Martin Schallermeir im Jahr 1994, um das Volksgut „Märchen“ mit Marionetten darzustellen.

In 22 Spieljahren mit jährlich etwa 35 Vorstellungen und über 2000 Besuchern konnte die Marionettenbühne inzwischen 40000 Zuschauer erfreuen. 14 verschiedene Märchen -13 Grimm’sche und eines von Hans-Christian Andersen –wurden aufgeführt. Kindergärten und Schulen im Einzugsgebiet von 30 km kamen bei einem Preis von nur 3 Euro jährlich mit Bussen nach Mering. Durch das Märchen „Sterntaler“ im Jahr 2015 konnte die Bühne der Meringer Tafel eine größere Spende überreichen. Der Fernsehsender a.tv besuchte die Bühne für eine Filmaufnahme und die Augsburger Puppenkiste lobte im Rahmen der Sonderausstellung „Märchenhafte Mühle“ die Hobbybühne von Mering für ihre hervorragende Arbeit. Außerdem bietet sie jährlich einen Workshop für Marionettenbau an.

„Falls die Bürger sich für die Vision 2025 entscheiden, würde unsere Bühne Mitte oder Ende 2019 abgerissen und ein Neuanfang wäre frühestens 2027 möglich“, schätzt Schuierer. Aber wohin könnte die Bühne mit ihrem großen Inventar umziehen? Stehen im neuen Bürgerzentrum überhaupt genügend Räume – die Volksbühne braucht nicht nur einen Aufführungsraum, sondern auch Lager- und Arbeitsräume, eine Werkstatt und einen Aufenthaltsraum mit Küche - zur Verfügung und wie hoch wird die Pacht sein?

Das Alte Kloster als neue Volksbühne?

Im April hatte sich die Vorstandschaft der Volksbühne das Alte Kloster angesehen und festgestellt, dass die großen und hohen Räume gut geeignet wären und ein Umzug im Jahr 2019 möglich wäre. In einem Brief bat sie den Bürgermeister zu prüfen, ob das Gebäude der Volksbühne gegeben werden könnte. Da das Gebäude renovierungsbedürftig sei und Zuschüsse nur möglich wären, wenn dort das Heimatmuseum unterkäme, lehnte er den Vorschlag ab.

In einer Stellungnahme sagt er jetzt: „Bei mehreren Gesprächen habe ich den Verantwortlichen der Volksbühne zugesichert, dass für diese wichtige Einrichtung eine Nachfolge gefunden wird. Der gesamte Gemeinderat kennt das Problem und wird Abhilfe schaffen. Schwierig ist es, eine konkrete Aussage über die Zukunft zu machen, wenn noch nicht einmal feststeht, dass es zum Abriss der Volksbühne kommt. Mir ist bewusst, dass bis spätestens zum Bürgerentscheid eine belastbare Aussage vorliegen muss.“

Helmut Schuierer ist der Meinung, dass der Gemeinderat über die Zukunft des Alten Klosters entscheiden müsse. Er schlägt vor, ggf. eine Flugblattaktion am Marktplatz zu veranstalten oder das Fernsehen einzuschalten, um für den Erhalt der Volksbühne zu kämpfen.

„Es geht keinesfalls, dass mit der Vision 2025 dem Verein die Grundlage für ein Weiterbestehen entzogen wird. Grundsätzlich ist die Volksbühne nicht gegen die Vision 2025, wenn ihr zeitnah eine dauerhafte Heimstätte geboten wird. Ein mehrmaliger Umzug oder ein längerer Zeitraum ohne Spielzeiten würde eventuell das Ende der Marionettenbühne und damit den Verlust einer kulturell wertvollen Aktivität vor allem für Kinder bedeuten. Am besten wäre es, wenn die Vision nicht käme, aber das entscheiden die Bürger“, sagt er.
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