Ankerzentrum: Bürger äußern Sorgen und Fragen zur geplanten Dependance in Mering

Großes Interesse an der Bürgerversammlung zur geplanten Dependance des Ankerzentrums Donauwörth in Mering zeigten viele Bürger, die Fragen und Sorgen an die Fachleute äußerten.
 
Vertreter aus Politik, der Regierung und der Polizei begrüßter Erster Bürgermeister Hans-Dieter Kandler zur zweiten Bürgerversammlung des Jahres 2019.
Mering: Mehrzweckhalle | Im August könnten die ersten 50 Personen in Mering eintreffen. Es werden türkische Familien mit jüngeren Kindern sein.

Erster Bürgermeister Hans-Dieter Kandler setzte eine außerplanmäßige Bürgerversammlung an, in der nur Bürger von Mering ihre Fragen und Sorgen zur geplanten Außenstelle des Ankerzentrums Donauwörth in Mering an Vertreter der Politik, der Regierung und der Polizei stellen konnten. Es werden gut ausgebildete Menschen sein, die maximal drei bis vier Monate in Mering bleiben und keine Plätze in Schulen und Kindergärten brauchen, beruhigte er die erhitzten Gemüter. Ein großes Interesse an der Veranstaltung war allein schon daran ersichtlich, dass die Mehrzweckhalle bis auf den letzten Platz gefüllt war und noch einige an den Wänden standen.

Regierungspräsident Erwin Lohner erklärte die Notwendigkeit der Einrichtung in Mering. Die Erstaufnahmeeinrichtung in Donauwörth, in der sich die sogenannten „Dublin-Fälle“ bis zur Klärung aufhalten, sei mit 830 Personen so vollgelaufen, dass neue Außenstellen (Dependancen) eingerichtet werden müssen. In Augsburg am Kobelweg und in Inningen gebe es schon welche, in Neu-Ulm werde eine weitere seit Ende 2018 eingerichtet und jetzt wäre die in Mering zusätzlich erforderlich, die ab August besetzt werde. In Donauwörth gebe es die Nationalitäten Türkei, Gambia und Nigeria. Da aufgrund der Flucht vor Erdogan die Zahl türkischer Flüchtlinge rapide zunehme, wären diese für Mering vorgesehen. Genehmigt sei die Einrichtung für 176 Personen, besetzt werde sie aber nur zu 80 Prozent. Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko berichtete vom Gespräch bei Innenminister Joachim Herrmann und sagte, dass es mit türkischen Familien ein Personenkreis ohne große Probleme sei, deren Verfahren sehr schnell abgeschlossen werden könne. Ein Sicherheitsdienst rund um die Uhr und ein versetzter Eingang seien zugesagt, ebenso die Überlassung von 90 Wohnplätzen an der Hartwaldstraße für den sozialen Wohnungsbau.

Eine Bürgerin interessierte sich dafür, ob und wann die Baugenehmigung für die Gemeinschaftsunterkunft erteilt worden sei. Das Landratsamt Aichach-Friedberg hatte sie am 27. April 2016 gegeben. Der Mietvertrag wurde bis 31. Januar 2027 geschlossen mit der Option einer Verlängerung. Christian Nemetz äußerte seine Ängste bezüglich seiner Tochter und wandte sich an den Leiter der Polizei Friedberg. Alexander Wagenpfeil erläuterte, dass die Anfahrt 10 bis 15 Minuten dauere, die Polizei sei nicht stationär in Mering, sondern fahre Streife. Er bekäme nicht mehr Personal, sondern müsse im Bedarfsfall Kräfte aus Augsburg anfordern. Er verwies auf die gute Sicherheitslage und dass es keinen Zuwachs an Kriminalität mit den beiden neuen Dependancen in Augsburg gab.

Die für die Flüchtlinge zuständige Simone Losinger bestätigte seine Aussage damit, dass es im Landkreis bisher gut laufe und es dieselben Menschen seien, die nun nach Mering kämen. Als fehlende Demokratie bezeichnete ein Bürger den Vorgang, ohne Befragung der Bevölkerung die Einrichtung in Mering zu eröffnen. Ein anderer sagte: „Denken die Politiker bei solchen Entscheidungen überhaupt an den Wertverlust unserer Immobilien?“ Johanna Riedler wollte wissen, wie die Menschen leben werden. Frank Kurtenbach, Leiter des Ankerzentrums Donauwörth und der Dependancen erklärte dazu: „Es handelt sich um Familien mit jüngeren Kindern, die in der Einrichtung selbst betreut werden. Es gibt einen Sicherheitsdienst mit 10 Kräften bei Tag und 8 bei Nacht. Außerdem werden vor Ort drei Verwaltungsmitarbeiter zur Flüchtlings- und Integrationsberatung und für Beschäftigungsmöglichkeiten auf geringfügiger Basis (80-Cent-Jobs) sein.

Die Menschen bekommen Deutsch- und Orientierungskurse. Auch wenn Essen als Sachleistung vorgesehen sei, soll trotzdem eine Küche eingebaut werden. Eine Mitarbeiterin aus Donauwörth, die mit türkischen Familien betreut ist, bekräftigte, dass sie bis jetzt keine Probleme habe und ihr die Arbeit viel Freude bereite. Ob es nur bei türkischen Familien bleiben werde oder später doch Nigerianer und Gambier dazukommen könnten, wurde auch gefragt. Frank Kurtenbach antwortete, Zielgruppe der 150 Personen für Mering sei „türkische Familien“.

Ob der Zustrom aber so anhalte, könne er nicht vorhersagen. Da Asylbewerber keine Haftpflichtversicherung hätten, gäbe es keinen Ersatz für eventuelle Schäden und Konzepte für die Polizei lägen bis jetzt nicht vor, erfuhren die Zuhörer. Um eine Verstärkung der Polizei möchte sich Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr kümmern, versprach sie nach der Versammlung. Andreas Mayer interessierte sich, ob auch für die Sicherheit und Spielmöglichkeiten der Kinder in der Unterkunft gesorgt sei. Das Gelände werde eingezäunt, es werden im Außen- und Innenbereich Spielmöglichkeiten geschaffen.

Was eine psychologische Prüfung, um Gewalttäter zu erkennen oder bei Problemen helfen zu können, betrifft, findet während der ersten drei Tage eine Erstuntersuchung der Menschen statt. Bei der Bürgerversammlung war auch der örtliche Fernsehsender a.tv anwesend. Die Identitäre Bewegung störte die Versammlung mit ihrem Aufruf „Perspektiven in den Heimatländern schaffen!“
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