Bald verstummt die letzte Lerche: Meringer Grüne befürchten Industrialisierung des Lechfelds

Gegen den Flächenverbrauch gab es Ende vergangenen Jahres eine Demonstration in Mering. Foto: Peter Stöbich


Im laufenden Verfahren für den Gewerbepark Mering-West haben die Grünen ihre Kritik an der Ansiedlung des Logistikunternehmens Honold nochmals bekräftigt. Bei einem gut besuchten Informationsabend erläuterte Petra von Thienen, die Fraktionsvorsitzende der Meringer Grünen, die Bedenken, dass fast neun Hektar wertvolles Land auf dem Lechfeld leichtfertig "verscherbelt" würden.

Wie berichtet, hat Roboter-Hersteller Kuka als Investor einen engen Zeitplan vorgegeben: Damit es mit der Niederlassung klappt, muss schon in wenigen Wochen Baubeginn sein. "Doch diesen Monat können noch alle Bürger im Rahmen der Bebauungsplan-Auslegung ihre Stellungnahme abgeben", sagte Thienen.

Sie kritisierte unter anderem, dass es im Vorjahr "Hinterzimmer-Verhandlungen ohne Transparenz" gegeben habe. Erst bei einer öffentlichen Demonstration hatte Bürgermeister Hans-Dieter Kandler den Namen Honold genannt.

Beim Info-Abend räumte Kandler auf Nachfrage ein, dass es bisher keine offizielle Kosten-Nutzen-Rechnung gebe; weil Honold aber die Erschließung innerhalb des Gewerbeparks selbst übernehme, spare sich die Marktgemeinde im Vergleich zu einem herkömmlichen Gewerbegebiet enorme Summen. Der geplante Park Mering-West sei im Flächennutzungsplan bereits seit 20 Jahren als Gewerbegebiet dargestellt.

Ausverkauf wertvoller Flächen

Vielen Teilnehmern an der Diskussion ging es jedoch weniger um finanzielle Vorteile als um den Ausverkauf wertvoller Flächen und die Lebensqualität künftiger Generationen. "Ihre Enkel werden im Lechfeld nie mehr eine Lerche hören!", sagte ein Zuhörer zu Kandler. Viele Naturschützer haben starke Bedenken, da das betroffene Gebiet das größte Vorkommen bedrohter Feldbrüter wie Kiebitz, Lerche und Rebhuhn im südlichen Landkreis ist.

In einem aufwendigen Planungsprozess zum integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) habe sich Mering unter großer Bürgerbeteiligung ganz andere Ziele gesetzt, so die Grünen-Sprecherin: Wachstum solle danach "mit Augenmaß" erfolgen und man wollte "leistungsstarke Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung anzusiedeln, die nur mit wenig Umweltbelastungen verbunden sind".

Auch wollte man Mering als attraktiven Standort zum Wohnen und Leben erhalten und ausbauen and dafür insbesondere die naturnahen Räume und Naherholungsgebiete erhalten und fördern. Ein großes Gewerbegebiet und einer der größten deutschen Logistiker passen laut Thienen nur schlecht in dieses vom Marktgemeinderat beschlossene Entwicklungskonzept.

Mehr Nach- als Vorteile?

Eine Verbindung zog sie zur geplanten Osttangente: Viele Kritiker sehen einen Zusammenhang und befürchten, dass das Lechfeld in den nächsten Jahren zu einem Industrie- und Gewerbepark entwickelt wird, ähnlich wie bei Graben und Derching, und damit letzte Reste an Natur und Naherholung verschwinden. Thienen: "Es sollen wertvolle Grundstücke für eine Branche bereitgestellt werden, die mehr Verkehr bringen wird, aber gemessen an der Fläche nur sehr geringe Steuereinnahmen und nur wenig Arbeitsplätze."

Gerade große Unternehmen seien ja sehr geschickt darin, ihre Steuern möglichst klein zu rechnen. Deshalb werde es unterm Strich für die Region deutlich mehr Nach- als Vorteile geben. Zudem treibe der vom Investor ausgeübte Zeitdruck die Kosten unnötig in die Höhe, kritisierte Thienen.

Sie kündigte an, die Grünen wollen die Preispolitik im Zusammenhang mit dem Ankauf von Artenschutzflächen nochmals überprüfen lassen: "Denn 30 Euro pro Quadratmeter sind das Vierfache des aktuellen Bodenrichtwerts für landwirtschaftliche Flächen in Mering!"

Honold möchte in Mering drei zusammenhängende Hallen mit einer Gesamtlänge von gut 235 Metern, einer Breite von etwa 151 Metern und einer Höhe von rund 15 Metern errichten. Das geplante Gewerbegebiet umfasst 90 000 Quadratmeter.

Zum Vergleich: Der Amazonstandort in Graben erstreckt sich über eine Fläche von 100 000 Quadratmetern. (Peter Stöbich )
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