Die Industrialisierung des Lechfeldes

Gudrun Richter dankt den Referenten für ihre interessanten und engagierten Vorträge mit einem kleinen Warenkorb aus biologischen Produkten der Region und bat alle Besucherinnen und Besuchern, sich auch weiterhin engagiert für ihre Heimat einzusetzen. Von Links nach rechts: Gudrun Richter, Martin Wölzmüller, Dr. med. Paul Flämig, Dr. Wolfhard von Thienen.
 
Protest im Lechfeld gegen die Osttangente

Wird das Lechfeld ein riesiger Logistikstandort?

Von Königsbrunn bis Pöttmes, aus der ganzen Region kamen ca. 120 Personen nach Mering, um sich über die fortschreitende Industrialisierung des Lechfeldes zu informieren. Eingeladen hatte das Aktionsbündnis Keine Osttangente (A-KO). Nach der Begrüßung durch dessen Sprecherin Gudrun Richter, gaben Wolfhard von Thienen aus Mering und Alwin Jung aus Königsbrunn einen Überblick über die Entwicklung im Lechfeld. Der Bogen reichte dabei von Graben und die sich dort ausbreitenden Logistikzentren über Mering mit der geplanten Ansiedlung des Großlogistikers HONOLD bis nach Derching und Dasing. „All dies wird verbunden durch große Straßen wie B17, A8 und in Zukunft durch die Osttangente und wird damit unsere Region in wenigen Jahren dramatisch verändern“, erläuterte von Thienen.

Bayerischer Heimatpfleger zeigt sich besorgt


„Wo bleibt da unserer Heimat“ fragte anschließend Martin Wölzmüller, Geschäftsführer des Bayerischen Vereins für Heimatpflege, einer der profiliertesten Kenner der Materie in Bayern, der in Prittriching aufwuchs und Mering gut kennt. Er machte deutlich, dass wir in einer Kulturlandschaft leben, die durch den Menschen gestaltet wurde und ganz wesentlich unsere Identität, unser Miteinander und unser Heimatgefühl prägt. Dabei hätte es immer ein gesundes Verhältnis gegeben, zwischen dem Nutzen, den der Mensch aus der Natur zieht und dem, was sie in der Lage ist zu geben. Etwa seit 60 Jahren drohe dieses Verhältnis nun zu kippen. Der Mensch nutzt die natürlichen Ressourcen in einem Ausmaß, dass vielfach nur noch als zerstörerisch bezeichnet werden kann. Die Folgen sind in Gestalt von verödeten Innenstädten, hässlichen Gewerbegebieten, landwirtschaftlichen Monokulturen und negativen ökologischen Auswirkungen überall zu erkennen. Wölzmüller machte deutlich, dass es einen verfassungsmäßigen Auftrag gibt, die Natur und die Kulturlandschaft zu bewahren und für einen vernünftigen Ausgleich zu sorgen. Er machte klar, dass kommunale Entscheidungsträger viel zu häufig den Gewerbesteuereinnahmen und Versprechen von Investoren hinterherlaufen. „Wenn im Rahmen einer kommunalen Planung, die ja unabhängig und unvoreingenommen sein sollte, die Investorenrethorik schon im Genehmigungsverfahren bereitwillig übernommen wird, dann sollten die Alarmglocken sofort anspringen.“ Und er ergänzt „Kommunale Planung heißt also nicht, mit tränennassen Augen kniefällig zu danken, wenn Investoren mit ihren Projekten aufwarten. Kommunale Planung heißt vielmehr: vorausschauend und bedürfnisorientiert festzulegen, was in den kommenden Jahren zum Wohl der Bürger vorgesehen werden muss und diese Planung dann möglichen Investoren als Angebot vorlegen!“ Für Wölzmüller ist Mering ein Paradebeispiel dafür, wie Ortsentwicklung nicht aussehen sollte. Viele Geschäfte hätten im Vergleich zu seiner Kindheit die Ortsmitte verlassen, dafür seien an der Peripherie hässliche Gewerbezentren entstanden. Er machte den Veranstaltern Mut: „Der Einsatz zugunsten rücksichtsvoller Planung, den Sie hier leisten, ist kein Störfaktor im Gang der Entwicklung. Sie ist Verantwortungsbereitschaft in der Auseinandersetzung, im Ringen um bessere Lösungen.“

Mediziner fordert Umdenken in der Verkehrspolitik

Passend zum Diesel- und Abgasskandal ging Dr. med. Paul Flämig darauf ein, wie stark der Autoverkehr unsere Gesundheit belastet. Er ist Umweltmediziner aus Augsburg, betreibt dort eine HNO-Praxis und ist Träger des Augsburger Umweltpreises. Dr. Flämig erläuterte, die drei Faktoren der gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch den Autoverkehr: Schall, Stickoxide und Feinstaub. Beim Schall begegnet er immer wieder dem Problem, dass die Menschen nicht verstehen, dass die Wahrnehmung von Schall und dessen schädigende Wirkung nicht linear verlaufen. Um eine deutliche Lautstärkeminderung um die Hälfte zu erreichen, muss man den Verkehr um 90%, reduzieren. Deshalb hätten die Menschen auch falsche Erwartungen, wenn es um Ortsumfahrungen geht. Diese würden erst dann zu einer wahrnehmbaren Lärmminderung führen, wenn der Verkehr auch konsequent aus den betroffenen Straßen herausgebracht wird. Leider geschehe dies meist nicht.
Zu den Stickoxiden führte Dr. Flämig aus, dass der Grenzwert von 40 μg/Kubikmeter aus medizinischer Sicht zu hoch sei und halbiert werden sollte. Jüngste Messungen zeigten, dass auch in Augsburg z.B. an der Karlstraße Werte von 67 μg gemessen werden und dies ein erhebliches gesundheitliches Risiko darstellt. Bei den Feinstäuben ergibt sich ein sehr komplexes Bild. Je nach Größe wirken sie an unterschiedlichen Stellen im Körper und rufen dort entzündliche Prozesse hervor und können starke Kreislaufprobleme verursachen, wenn sie ins Blut gelangen. Insgesamt beobachten die Ärzte eine deutliche Zunahme der Atemwegs- und Schleimhauterkrankungen. Auch sei der Anteil der Allergiker von 3% auf 30% angestiegen. Dr. Flämig betonte, dass wir allein aus medizinischer Sicht dringend eine Mobilitätswende brauchen und führt Beispiele wie Kopenhagen an, wo man durch eine intelligente Verkehrsgestaltung den Autoverkehr deutlich reduziert hat.

Viele Anfragen für Meringer Gewerbegebiet - braucht es da überhaupt noch HONOLD?

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass sich im Zusammenhang mit der Gewerbeansiedlung der Firma Honold viele Bürger nicht ausreichend gehört fühlen. Insbesondere wurde dem Bürgermeister und der Mehrheit im Gemeinderat vorgeworfen, sich viel zu früh auf den Großlogistiker Honold festgelegt zu haben und nach wie vor wichtige Informationen der Öffentlichkeit vorzuenthalten. So wurde inzwischen, trotz der Weigerung des Bürgermeisters diese Information herauszugeben, bekannt, dass es bereits lange im Vorfeld viele Bewerbungen von kleineren Gewerbebetrieben auch aus Mering für das neue Gewerbegebiet gab. Diese Anfragen sollen mindestens 4 Hektar umfassen, also etwa die Hälfte des Gewerbegebietes.
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