Regionalbündnis "Betonflut eindämmen Aichach-Friedberg" gegründet

Skultpur "Der Landfresser" von Stephan Kreppold, z.Zt. am Ortseingang Kissing zu sehen.
 
Wird es bald so im Lechfeld bei Mering aussehen? Der Großlogistiker HONOLD plant nach Mering zu kommen. (Foto: Hans Schneider und Bernd Meyer)

Flächenverbrauch in Bayern ist zu hoch

Bayern ist Spitze - mit seinem Flächenverbrauch steht der Freistaat an der Spitze der Bundesländer bei Verbrauch und Versiegelung von wertvollem Boden. Je nach Berechnungsmethode werden täglich zwischen 10 und 13 Hektar verbraucht. Damit wird landauf, landab Boden der Landwirtschaft und der Natur entzogen und durch Straßen, Industrie- und Gewerbeflächen versiegelt. Viele Menschen befürchten, dass sich dadurch das Gesicht Bayerns dramatisch verändert und dass dort, wo einmal Wiesen und Felder waren, immer mehr Logistikhallen, Autobahnen und Schnellstraßen entstehen

Volksbegehren „Betonflut eindämmen“ steht auf breiter, gesellschaftlicher Basis

Um diesen Trend umzukehren wurde das Volksbegehren „Betonflut eindämmen – Damit Bayern Heimat bleibt!“ gestartet. Ziel des Volksbegehrens ist es, den Flächenverbrauch in Bayern auf 5 Hektar pro Tag zu begrenzen. Initiatoren des Volksbegehrens sind Bündnis 90/Die Grünen, ÖDP und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL). Den Initiatoren haben sich inzwischen viele weitere namhafte Organisationen wie der Landesbund für Vogelschutz, der Bund Naturschutz und die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) angeschlossen. Damit wird das Volksbegehren von einem breiten, parteiübergreifenden gesellschaftlichen Bündnis getragen. „Uns ist die Parteineutralität besonders wichtig“, betont Ernst Haile, Kreisvorsitzender Aichach/Friedberg des Bund Naturschutz und ergänzt, dass der Bund Naturschutz das Volksbegehren unbedingt zum Erfolg führen will. „Wir können damit rechnen, dass die mehr als 200.000 Mitglieder des Bund Naturschutz in Bayern, ihre Familien und ihre Freunde das Volksbegehren unterstützen werden.“
Christina Haubrich, Kreissprecherin von Bündnis 90/Die Grünen und Landtagskandidatin erklärt, in welcher Phase sich das Volksbegehren befindet, nachdem die erste Hürde im März genommen und mehr als 48 Tausend Unterschriften eingereicht wurden: „Im Moment liegt unser Volksbegehren noch zur Prüfung beim Verfassungsgericht, aber wir müssen uns schon jetzt gut auf das eigentliche Volksbegehren vorbereiten. Dann gilt es nämlich im Herbst, voraussichtlich nach der Landtagswahl, innerhalb von 14 Tagen 1 Mio. Menschen für ihre Unterschriften in die Rathäuser zu bringen.“

Volksbegehren nimmt im Landkreis Aichach-Friedberg Fahrt auf

In ganz Bayern bilden sich zur Zeit regionale Unterstützergruppen, um die entscheidende Phase vorzubereiten und die Menschen vor Ort über das Volksbegehren zu informieren. Das Aktionsbündnis Keine Osttangente (AKO) hatte zu diesem Zweck alle am Volksbegehren beteiligten Parteien und Verbände aus dem Landkreis eingeladen, um ein „Regionalbündnis Betonflut eindämmen Aichach-Friedberg“ zu gründen.
„Es freut mich, dass fast alle am Volksbegehren beteiligten Gruppierungen aus dem Landkreis gekommen sind“, begrüßte Wolfhard von Thienen, Sprecher von AKO die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Auch bei uns und in den Nachbarlandkreisen ist das Thema brandaktuell. Wir haben die Industrialisierung des Lechfeldes mit der geplanten Lechfeldautobahn und den sich daran anschließenden Industrie- und Logistikansiedlungen zum Thema gemacht. Den Menschen hier wird immer klarer, wie katastrophal sich diese Entwicklung auf ihre Heimat und den Naturhaushalt auswirkt - darum brauchen wir das Volksbegehren. Wir wissen, dass das staatliche Bauamt Flächen für mehrere Millionen Euro in der Region als Ausgleichsflächen für die Osttangente erwirbt, zu Preisen, die kein Landwirt mehr zahlen kann. Auch das Beispiel Honold in Mering oder die Entwicklungen in Graben, Derching und Stätzling zeigen, dass Industrie und Logistik mit Hochdruck dabei sind, sich lukrative Standorte an der Osttangente zu sichern. Darum brauchen wir das Volksbegehren.“
Michael Dudella von der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) sicherte ebenfalls volle Unterstützung zu und bezieht sich auf Papst Franziskus der sagt, dass dieses Systems so nicht mehr hinzunehmen ist. „Meiner Meinung nach müssen wir deshalb auch mit der Natur bei unserer Wirtschaftsweise so umgehen, dass nachfolgende Generationen eine lebenswerte und intakte Umwelt vorfinden. Deswegen engagieren wir uns als KAB gegen den Flächenfraß und sind im Bündnis vertreten."
Stephan Kreppold, Biolandwirt und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) betonte, dass es ihm besonders wichtig sei, seine Kollegen aus der Landwirtschaft zu motivieren mitzumachen. „Überall geht wertvollster Ackerboden verloren, der über viele Generationen bewirtschaftet und erhalten wurde. Die Landwirte sind die leidtragenden einer verfehlten Politik und viele verlieren in Konkurrenz mit Straßen, Gewerbe- und Industrie ihre Flächen und werden an den Rand gedrückt.“
Auch Maria Posch, Landtagskandidatin der ÖDP Aichach/Friedberg positioniert sich klar gegen den enormen Flächenverbrauch: „Um eine enkeltaugliche Zukunft sicher zu stellen ist ein funktionierendes Ökosystem Voraussetzung. Wertvolle Flächen für Landwirtschaft und Naherholungsgebiete müssen erhalten werden. Die ÖDP als wachstumskritische Partei steht für eine Neugestaltung des jetzigen Verkehrskonzepts: Der Güterverkehr muss so weit wie möglich auf die Schienen verlagert werden. Pendlern muss es ermöglicht bzw. erleichtert werden, ihren täglichen Arbeitsweg mit Fahrrad und ÖPNV zurückzulegen.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschlossen daher ein Regionalbündnis zur Unterstützung des Volksbegehrens zu gründen. Ziel ist es, die Aktivitäten der einzelnen Gruppierungen im Landkreis aufeinander abzustimmen und zu koordinieren und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Zum Schluss ging der Dank an das Restaurant „Angus-Club“ in Friedberg, das für das Treffen einen schönen und ruhigen Raum zur Verfügung stellte.
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