Eine 16-Jährige wurde in Neusäß vergewaltigt - wie sicher fühlt sich nun Frau in Neusäß?

Dieser Neusässer Wegabschnitt ist zwar bei Nacht beleuchtet aber einsam. An dieser Stelle wurde vor gut einer Woche ein 16-jähriges Mädchen nach dem Plärrerbesuch um 0.30 Uhr vergewaltigt. Sie war alleine auf dem Heimweg. Foto: Stefan Gruber


Gewaltverbrechen sind selten in Neusäß, aber am Donnerstag, 6. September, wurde eine 16-Jährige auf dem Heimweg vom Plärrer zwischen dem Bahnhof Neusäß und ihrer Heimatadresse vergewaltigt.

Wie die Polizei am Freitag vergangener Woche mitteilte, sei die 16-jährige Geschädigte nach dem Plärrerbesuch alleine mit dem Zug nach Neusäß gefahren. Vom Bahnhof Neusäß aus lief sie dann gegen 0.30 Uhr zu Fuß über die Hauptstraße und die Gartenstraße und anschließend weiter in südliche Richtung die Oskar-von-Miller-Straße entlang. Nach der kreuzenden Bahnstrecke wurde sie auf dem nach rechts abzweigenden Fuß-und Radweg nach circa 50 bis 60 Metern direkt hinter dem Anwesen Piechlerstraße 1a plötzlich von hinten zu Boden gestoßen und anschließend von einem bislang unbekannten Täter vergewaltigt.

Eine vierköpfige Ermittlungsgruppe kümmert sich momentan um das Gewaltverbrechen, geht in Neusäß von Haus zu Haus und befragt die Bewohner zum Fall, aber bisher sei die Hinweislage noch gering. Neue Erkenntnisse gebe es bisher keine, so Siegfried Hartmann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwabens.

Schon am 2. September 2016 wurde eine Studentin am Bahnhof Neusäß von einem Mann sexuell angegangen, aber zur Vergewaltigung kam es nicht, sie konnte den Mann durch Schreien verjagen. Eine Einbruchserie und zwei, wie sich dann bei den Ermittlungen herausstellte, fingierte Vergewaltigungen gab es ebenfalls.

"Unterdurchschnittliche Bedrohungslage"

Zur Sicherheitslage in Neusäß verweist Bürgermeister Richard Greiner auf den Sicherheitsbericht der Polizei, der im Mai im Stadtrat vorgestellt wurde und der Stadt Neusäß eine unterdurchschnittliche Bedrohungslage bescheinigte. "Man kann nie ausschließen, dass etwas passiert. Wir wollen natürlich die größtmögliche Sicherheit und ich habe den Eindruck, wir werden von der Polizeiinspektion Gersthofen gut betreut."

Die Beantwortung der Frage, ob eine eigene Polizeistation in Neusäß angebracht, ob sie einsatztaktisch sinnvoll wäre, weist Greiner von sich, da er in dieser Angelegenheit zu wenig sachkundig sei und verweist auf die Bayerische Politik und Polizeistruktur. "Früher gab es im Rathaus Neusäß ein Zimmer für die Polizei, aber eine eigene Inspektion gab es nicht. Jetzt werden wir erst die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten und dann diskutieren, ob und wie wir darauf reagieren", so Greiner, aber ganz wichtig ist, wir hoffen, dass die junge Frau diese schrecklichen Erfahrungen bald verarbeiten und überwinden kann. Solche Verbrechen dürfen nicht passieren."

Frauen in Neusäß haben zur momentanen Lage in Neusäß und ihr subjektives Sicherheitsgefühl unterschiedliche Ansichten. Eine gut 60-jährige Neusässerin in der Hauptstraße meint nur, von einer Vergewaltigung wisse sie nichts, da habe sie nichts damit zu tun, setzt sich ins Auto und fährt los.

Eine 22-jährige junge Frau, die ihren Namen nicht öffentlich nennen will, meint: "Ja, ich habe Angst. Ich traue mich jetzt kaum mehr auf die Straße. Ich bin abends aber nie alleine unterwegs, ich bin schon immer ängstlich. Mein Bruder oder mein Freund sind immer bei mir, oder manchmal Freundinnen. Das Mädchen tut mir leid. Ich bin immer mit dem Auto unterwegs, da fühle ich mich etwas sicherer. Mit dem Bus oder dem Zug fahre ich generell nicht. Das ist mir zu gefährlich."

Eine 17-jährige Jugendliche erklärt vielleicht etwas zu selbstbewusst: "Mir wäre das nicht passiert, ich weiß, wie ich mich wehren kann. Ein Pfefferspray habe ich auch."

Karin Adam, die einzige Befragte, die ihren Namen nennt, erklärt: "Das ist ganz schlimm, so etwas darf nicht passieren, egal wann, mit wem und wo. Aber es kann immer und überall wieder vorkommen, das hat nichts speziell mit Neusäß zu tun. Ich fühle mich in Neusäß sicher. Aber mein Vater hätte mir eine geschmiert, wenn ich als junges Mädchen nachts alleine heim gelaufen wäre. Wenn es spät wird, holt man seine Kinder ab oder sie gehen zu mehreren heim, werden gebracht, fahren mit dem Taxi, dann ist die Gefahr geringer."

Verstärktes Wachpersonal

Am Freitag begann das Neusässer Volksfest, dazu ließ nun die Stadt Neusäß das Sicherheitspersonal in Absprache mit Polizei und Veranstaltern aufstocken, das auf dem Festplatz und in der näheren Umgebung verstärkt kontrollieren soll. "Wir wollen ein fröhliches Fest", so Greiner.

Während des Volksfestes werde die Polizei natürlich anwesend sein, situationsbedingt reagieren und Präsenz zeigen, so der Pressesprecher der Polizei Siegfried Hartmann. (Stefan Gruber )
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