Unfalltod auf der A8: 19-Jähriger durch Handy abgelenkt - nun stand er vor Gericht

Der Mann war einmal zu viel vom Handy abgelenkt (Symbolbild). (Foto: dolgachov, 123RF.com)

Für das Gericht war erwiesen, der 19-Jährige hat zwei Mal grob fahrlässig im Straßenverkehr gehandelt und den Unfalltod eines Mannes verursacht. Er wurde zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf drei Jahre Bewährung verurteilt.

Der junge Mann war Anfang März von der Ukraine zu seinem Onkel in Rastatt bei Stuttgart unterwegs. Zwischen Neusäß und Adelsried staute sich der Verkehr nach einem Unfall. Ein Stauwarnschild war 1,5 Kilometer vor dem Stauende aufgestellt und warnte in Deutsch und Englisch, der Ukrainer meinte, er habe die Warnung nicht ernst genommen - sein erstes grobfahrlässiges Vergehen. Einige Zeit vor dem Unfall, hatte er Mitteilungen aufs Handy bekommen und auch telefoniert, direkt vor dem Unfall, erklärte er, habe er am Navi etwas verstellt, aber er erinnere sich nicht mehr genau daran. Er gab vor Gericht aber zu, abgelenkt gewesen zu sein - sein zweites grob fahrlässiges Vergehen.

So abgelenkt sei der Ukrainer mit einer Geschwindigkeit von 136 bis 154 Stundenkilometern, so ein Unfallgutachten, mit seinem VW Caddy ungebremst auf der linken Fahrspur auf das letzte schon stehende Auto im Stau, einen Passat, aufgefahren. Der Passat habe die betonierte Trennwand der Fahrspuren touchiert, habe sich gedreht und sei quer über die drei Fahrbahnen geschleudert und etwa 80 Meter nach dem Aufprall zum Stehen gekommen. Dem Ukrainer sei bei dem Aufprall kaum etwas passiert, sein Auto habe noch gut ausgesehen, so Zeugenaussagen.

 Anderes Auto nur noch halb so lang

Ein Zeuge schilderte: "Der Passat war nur noch halb so lang, bis zur B-Säule war er hinten eingedrückt." Ein anderer Zeuge sagte: "Der Passat-Fahrer war nicht ansprechbar, wir haben den Gurt gelöst und gesehen, er war schwer verletzt." Der Mann starb noch an der Unfallstelle.

Der Unfallverursacher wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt. Das Gericht war überzeugt, dass der nicht vorbestrafte Angeklagte durch die sechsmonatige Untersuchungshaft ausreichend beeindruckt gewesen sei und entschied daher auf Strafaussetzung der Vollstreckung zur Bewährung.

"Die Untersuchungshaft wird ihm ein Fingerzeig sein", war Richter Günther Baumann am Augsburger Amtsgericht überzeugt. Die Jugendgerichtshilfe bescheinigte dem jungen Mann eine positive Sozialprognose. Er sei in ordentlichen Verhältnissen aufgewachsen, sei nie auffällig geworden und studiere. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte 1000 Euro in monatlichen Raten zu je 100 Euro an den Sohn des Getöteten bezahlen.

Gerne würde der junge Mann die Zeit zurück drehen und alles ungeschehen machen, so seine letzten Worte vor Gericht. Er entschuldigte sich bei der Familie. (Stefan Gruber )
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