7 Tage OHNE: Medienerziehung einmal anders!

Die Gruppe der beteiligten Schülerinnen und Schüler der Klasse 6ac vor der Stellwand (Foto: Elisabeth Dempf)

Am Justus-von-Liebig-Gymnasium verzichten Schüler eine Woche lange auf ihre Handys.

„Ich vermisse dich jetzt schon!“ seufzt Sinan, bevor er und seine Mitschüler aus der Klasse 6ac ihre Handys in den Schulsafe sperren lassen. Ob sie es schaffen, ganze 7 Tage lang ohne WhatsApp, Snapchat und Fortnite zu überleben, das wollen die Schüler und Schülerinnen der Französischklasse 6ac zusammen mit ihrer Lehrerin Elisabeth Dempf ausprobieren.
Nach Diskussionen mit den Eltern und intensiven Überlegungen, ob man das Abholen vom Fußballverein auch anders organisieren kann, ob man die gesamten 105 Snapchat-Flammen aufgeben und auf die Teilnahme an der Fortnite-Olympiade verzichten soll, sind schließlich 22 von 25 Schülerinnen und Schüler bereit, sich auf das Projekt einzulassen.
Bei der Abgabe der Handys am Montagmittag ist dann der Trennungsschmerz für viele groß. „Ich liebe dich, mein Handy!“ - „Mein Leben ist zu Ende!“ rufen Fiona und Arman.
In Tagebüchern halten die Schüler fest, wie es ihnen ergeht und was sie plötzlich tun können, um die freie Zeit zu füllen: Schwimmengehen, Fußballspielen, natürlich Serien schauen, mehr im Haushalt helfen – ja und sogar Lesen! Manche berichten erstaunt, wie anders sich Hausaufgabenmachen anfühlt, wenn man nicht ständig durch WhatsApp-Nachrichten unterbrochen wird.
Und Eltern und Geschwister? Wie erleben sie diese Zeit? Es gibt Geschwister, die sich lustig machen und andere, die sich freuen, dass mehr mit ihnen gespielt wird. Und eine Schülerin schreibt, „meine Eltern freuen sich ein bisschen, dass ich mein Handy wiederhabe, da ich dann nicht mehr nerve.“
Nach genau 7 Tagen, am Montagmittag, wieder im Sekretariat bei Frau Kempkens: Smartphones mit schwach geladenen Akkus werden feierlich an Jugendliche mit strahlenden Gesichtern übergeben. Das Mittagessen, Currywurst mit Pommes, das ihnen ihre Lehrerin Elisabeth Dempf als Anerkennung für ihr tapferes Durchhalten noch spendiert, ist dann gar nicht mehr so wichtig…

Ein paar pädagogische Gedanken seien noch hinzugefügt:

Während dieser Woche erfahren die Jugendlichen auch, wie Kinder für die Förderung von Kobalt, das für die Herstellung von Akkus wichtig ist, arbeiten müssen und ausgebeutet werden.

Auf die Frage, wie sie die Handynutzung ihrer eigenen Kinder einmal regeln werden, sind sich die 11 bis 12-jährigen „Experten“ einig, dass sie Handys erst ab der 5. Klasse, nur 1 - 2 Stunden pro Tag und erst nach den Hausaufgaben erlauben werden. Außerdem empfehlen sie, sich genau über die benutzen Apps zu informieren und keine kostenpflichtigen Spiele zu erlauben.
Und Nschan sagt tatsächlich, dass er auf jeden Fall das gleiche Experiment mit seinen Kindern auch machen wird!


Elisabeth Dempf
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