Asylbewerber in Neusäß

Silvia Daßler und Rebecca Binder vor dem Cafe Salam.
 
In den neu im Modulbausystem gebauten Asylbewerberunterkünften in der Siemensstraße sind die Flüchtlinge in Vierer-Zimmer pro Etage untergebracht und die Gemeinschaftsküche dient als Aufenthaltsraum.

In Neusäß und den Ortsteilen sind aktuell 163 Asylbewerber (Stand 6. November 2019) untergebracht. Wir beleuchten die aktuellen Zahlen und sprachen mit Silvia Daßler und Rebecca Binder über die Arbeit der Flüchtlingshilfe.

Im Zuge der Flüchtlingskrise (2015 bis 2017) wurden auch immer mehr Asylbewerber auf Neusäß verteilt. Der Höhepunkt in Neusäß war im Frühjahr 2017 mit 152 Asylsuchenden (Quelle Stadt Neusäß) erreicht, die in sieben Häusern in Alt-Neusäß, Steppach, Ottmarshausen, Hainhofen und Täfertingen untergebracht waren. Seitdem hat sich die Situation beruhigt, auch wenn aktuell mit 163 sogar mehr Asylbewerber in Neusäß untergebracht sind. In der Gemeinschaftsunterkunft (GU in der Siemensstraße), die zum 1. Oktober in die Verwaltung der Regierung von Schwaben überging, leben derzeit 61 Personen (50 männlich; elf weiblich). Elf Personen sind Kinder bzw. Heranwachsende unter 18. Die Bewohner stammen aus: Afghanistan (14), Armenien (1), Äthiopien (2), Eritrea (5), Gambia (6), Guinea (1), Irak (3), Iran (8), Kasachstan (1), Mali (1), Nigeria (7), Pakistan (4), Somalia (1), Syrien (3), Türkei (2), Ukraine (1), Ungeklärt (1), Unbekannt (1).
Hinter den nackten Zahlen stehen jedoch Menschen und Schicksale. Jeder Asylbewerber hat seine eigene Geschichte, die ihn nach Deutschland gebracht hat. Sie flohen vor Krieg, Katastrophen und Armut – immer auf der Suche nach Sicherheit und auch nach einem guten Leben. Viele von ihnen sind traumatisiert, krank und zerrissen von dem Zwiespalt auf der einen Seite Heimweh zu haben, aber auf der anderen Seite Angst davor zu haben zurückzukehren. Nicht jeder von ihnen wird bleiben dürfen. Aber jeder von ihnen hat es verdient wie ein Mensch behandelt zu werden. Für ein wenig menschliche Wärme und für Unterstützung in allen Bereichen des Lebens in Deutschland sorgen an den verschiedenen Standorten die Helferkreise.

Cafe Salam – Allerweltstreff

Das Cafe Salam (Salam = Frieden) gleich neben dem Rathaus von Neusäß ist eine wichtige Begegnungsstätte für die Flüchtlinge, Helfer und spontane Besucher. Hier treffen sie sich jeden Freitagnachmittag bei Getränken und Selbstgebackenen Speisen zum Plaudern, Diskutieren, Musik hören, Spielen, Lernen, Filme schauen und auch zum Feiern. Die Treffen stehen allen offen, die mal vorbeischauen möchten. Hier trafen wir uns auch zum Gespräch mit Silvia Daßler (Koordinatorin des Flüchtlingshelferkreises) und Rebecca Binder (Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie).
Die beiden koordinieren die Helferkreise und Unterstützer und helfen den Flüchtlingen in Deutschland anzukommen und sich zurechtzufinden. „In enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden bemühen wir uns zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern das Leben der Flüchtlinge so unbeschwert wie möglich zu gestalten und ihnen so die Integration zu erleichtern“, so Silvia Daßler. „Dazu ist es wichtig mit ihnen in Kontakt zu treten. Wir sind keine Behörde und nicht Teil des Staatsapparates. So fällt es vielen leichter Vertrauen zu fassen“, sagte Rebecca Binder. Dieses Vertrauen ist wichtig, um gegenseitiges Verständnis aufzubauen und kulturelle Hürden abzuschmelzen. „Als Vertrauenspersonen begleiten wir die Flüchtlinge bei Behördengängen, Arztbesuchen oder Elternabenden. Wir helfen beim Ausfüllen von Formularen, Anträgen und Versicherungen, der Suche nach einem Praktikum oder einem Job sowie einer eigenen Wohnung,“ erklären beide. Deutschkurse und Nachhilfeunterricht für Schüler ergänzen das Angebot.
Neben der Unterstützung bei den alltäglichen Dingen des Lebens in Deutschland versuchen die ehrenamtlichen Helfer den Menschen, die aus allen Teilen der Welt zu uns gekommen sind, eine menschliche Seite Deutschlands zu zeigen und sie so in unsere Mitte zu integrieren. Dazu zählen neben dem Begegnungstreff Cafe Salam gemeinsame Kochabende und Kochkurse, eine Fahrradwerkstatt, eine Kleiderkammer, verschiedene Ausflüge sowie Aktionen mit der Neusässer Zivilgesellschaft. So halfen Flüchtlinge beispielweise bei der Gestaltung des Maibaumes und lernten so unsere Bräuche und Sitten kennen. Einen großen Beitrag zur Integration leistet der Sport und insbesondere der überall beliebte Fußball.

Helfer sind willkommen

Damit die aktuellen Angebote aufrechterhalten werden oder sogar ausgebaut werden können, braucht der Unterstützerkreis in Neusäß weitere freiwillige Helfer. Wer helfen will, ist hier also jederzeit willkommen. Kontakt per E-Mail an asyl@neusaess.de oder über die Stadt Neusäß, Telefon 0821/4606-200.
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