Eine echt aktive Einsatzwehr

Zu 285 Einsätzen sind die Mitglieder der FF Neusäß 2018 ausgerückt. (Foto: FF Neusäß)
 
Wenn’s brennt kommt die FF Neusäß. (Foto: FF Neusäß)
 
(Foto: FF Neusäß)

Der Einsatz, den die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der FF Neusäß für ihre Stadt und den Landkreis leisten, ist unbezahlbar. Wir können diesen Einsatz jedoch mit Respekt und Aufmerksamkeit zurückzahlen. Dies ist ein Bericht über die Arbeit der Männer und Frauen der FF Neusäß und die aktuelle Lage der Einsatzwehr.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr zu sein ist etwas anderes als im Fußballverein zu sein. Es ist ein freiwilliges und ehrenamtliches Opfer, das oft natürlich auch mit Freude und Spaß verbunden ist, das einen hohen zeitlichen und persönlichen, ja manchmal sogar lebensgefährlichen, Einsatz von jedem Feuerwehrmann und natürlich auch -frau erfordert. Es ist ein Dienst an unserer Gemeinschaft – denn was wäre wenn es brennt und niemand käme? Brandschutz ist zu 99 Prozent ehrenamtliche Arbeit, denn es gibt in Bayern nur sieben Berufsfeuerwehren, 170 Werkfeuerwehren und circa 80 freiwillige Betriebsfeuerwehren. Aber 7700 Freiwillige Feuerwehren mit etwa 320.000 ehrenamtlichen Feuerwehrmännern und -frauen sind für die Allgemeinheit im Einsatz. 285 Einsätze absolvierten die Floriansjünger der Freiwilligen Feuerwehr Neusäß 2018. Dazu kommen noch wöchentliche Übungen sowie Spezialtrainings in verschiedenen Fachbereichen sowie Lehrgänge. Zusammengerechnet summiert sich das Ganze auf 13595 Stunden – aufgeteilt in: 5046 Einsatzstunden, 5033 Ausbildungsstunden, 2504 Stunden für die Instandhaltung und weitere 1012 Stunden wurden von der Jugendfeuerwehr beigetragen. Ohne die Kameradschaft, welche die rund 100 Aktiven bei der FF Neusäß zusammenschweißt, die Begeisterung für Fahrzeuge und Technik sowie Bereitschaft, anderen zu helfen, wäre dieses Opfer kaum möglich.

Als Stützpunktwehr der Stadt Neusäß und seiner Ortsteile hat die Freiwillige Feuerwehr Neusäß von der Stadt und dem Landkreis zahlreiche Aufgaben übertragen bekommen. Dazu gehören Brandschutz und Brandbekämpfung, Unterstützung für andere Rettungsdienste beispielsweise wenn beim Krankentransport eine Drehleiter benötigt wird, Verkehrsunfälle, der Schwerpunkt liegt hier im Bereich des Autobahnsektors auf der A8 zwischen Adelsried und Augsburg West und die Beseitigung von Ölspuren. Zusätzlich ist die FF Neusäß im gesamten Landkreis für die Messung von Luftschadstoffen, als ABC-Schutzzug und das Warnen der Bevölkerung zuständig. So war es die Neusässer Feuerwehr, die vor kurzem ausrückte, um die Bevölkerung in Gersthofen über den Bakterienfund im Trinkwasser zu informieren. Die Sektion verfügt auch über eine Absturzsicherungsgruppe zur Rettung von Personen aus großen Höhen oder Tiefen. Da bleibt für stv. Kommandant Andreas Golling und seiner Truppe wenig Zeit für Jubeltage mit anderen Feuerwehren. So wird auch das 145-jährige Jubiläum im kommenden Jahr im eher kleinen Rahmen gefeiert. Im Vordergrund stehen die Einsatzbereitschaft ning beziehungsweise Lehrgänge.

Investitionen in Millionenhöhe

Die Kommune ist dafür verantwortlich, die Feuerwehr in die Lage zu versetzen, alle an sie gestellten Aufgaben erfüllen zu können. Das betrifft sowohl die technische Ausstattung als auch die räumliche Situation. Technisch gesehen ist die Feuerwehr gut ausgerüstet, so kamen beispielsweise 2018 und 2019 mit dem Gerätewagen Technische Hilfe und Umweltschutz (GW-THU) und einem neuen Mannschaftstransportwagen (MTW) zwei neue Fahrzeuge hinzu. Das 1986 errichtete und 1999 erweiterte Feuerwehrhaus genügt hingegen nicht mehr den aktuellen Anforderungen – es fehlt vor allem an Platz. Dieser Bedarf wurde auch von einem unabhängigen Experten erkannt. Nach dessen Expertise wurde 2013 vom Stadtrat ein Bedarfsplan für die Feuerwehren in Neusäß erstellt, der auch umgesetzt wird. Der Plan sieht unter anderem einen weiteren Anbau und eigene Parkplätze auf der Rückseite des Feuerwehrhauses vor. Dieser soll laut einer Machbarkeitsstudie die Raumsituation entschärfen. Aktuell befindet sich das Projekt noch in der Planungsphase und soll 2022/2023 in Dienst gestellt werden. Sicher ist bisher vor allem eines, die Baumaßnahmen werden einen hohen Millionenbetrag kosten.
Auch wenn die Modernisierung der Feuerwache viel Geld kostet, ist stv. Kommandant Andreas Golling von der Notwendigkeit absolut überzeugt. Das größte Problem ist verfügbare Fläche. Die aktuellen Räumlichkeiten sind zu klein für unsere internen Fortbildungen, Übungen und Seminare. Es können derzeit immer nur Teile der Truppe teilnehmen oder die Gruppe muss sich auf mehrere Räume aufteilen. Hier wünscht sich Golling zusätzliche Seminarräume, die technisch auf dem aktuellen Stand sind. Außerdem gibt es derzeit für die Führungskräfte, die Gerätewarte oder die Datenerfassung keine eigenen Büroräume, das wäre jedoch nötig, damit diese den Einsatzdokumentationspflichten sowie der allgemeinen Datenerfassung nachgehen können.

Noch gravierender ist, dass es keine separaten Räume zum Anlegen der Schutzkleidung gibt. Die Spinde befinden sich direkt hinter den Einsatzfahrzeugen in der großen Fahrzeughalle. Im Zuge des Ausbaus sollen nun von der Fahrzeughalle separierte Umkleiden entstehen.

Im Laufe der Jahre wuchsen die Aufgaben der FF Neusäß, dementsprechend umfangreicher wurde auch das Equipment für die unterschiedlichen Einsätze, beispielsweise zur Messung der Luftqualität oder zum Schutz vor atomaren, biologischen oder chemischen Gefahren. Diese Ausrüstung muss so gelagert werden, dass sie jederzeit schnell verfügbar ist. Eine weitere Mammutaufgabe ist die Wartung und Pflege der Einsatzfahrzeuge und Ausrüstung. Um den Anforderungen auch in Zukunft gerecht zu werden, soll die Fahrzeughalle um weitere Logistikflächen erweitert werden. Außerdem ist die Einrichtung einer eigenen Fahrzeug-Wasch- und -Instandhaltungshalle geplant. Auch die Räume zur Wartung und Pflege der Ausrüstung sollen vergrößert und modernisiert werden.

Das schwere Unwetter 2013 hat gezeigt, dass die FF Neusäß für derart große Lagen räumlich schlecht gerüstet ist. Die Koordinierungsstelle (KST) von großen Ereignissen mit vier Arbeitsplätzen ist in einem kleinen Raum untergebracht. Hier mussten während des Unwetters 2013 hunderte Einsätze für das Neusässer Stadtgebiet bearbeitet werden. Im Büro des Kommandanten ist die Abschnittsführungsstelle untergebracht. An diesem einen Rechner mit seinen drei Bildschirmen findet die Verteilung der Einsätze der Städte Neusäß, Stadtbergen und für die Gemeinde Aystetten statt, für deren Planung die FF Neusäß bei Großlagen ebenfalls mitverantwortlich ist. Gemeldet wurden die Einsatzanfragen von der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Augsburg.

Das Lagezentrum und die Räume der KST und AFS müssen dringend erweitert und vollständig digitalisiert werden. Auch personell braucht die FF Neusäß professionellere Strukturen. Damit sind vor allem hauptamtliche Mitarbeiter gemeint. Aktuell gibt es mit dem Geräte und Maschinenwart nur einen hauptamtlichen Mitarbeiter und ein paar Kräfte, die auf 450 Euro Basis tätig sind. Für die Zukunft fordert der Kommandant mehr hauptamtliche Kräfte für die weitreichenden Prüfungs- und Instandhaltungsarbeiten. Außerdem muss langfristig die Tagesalarmsicherheit dadurch unterstützt werden.

Im Bereich der Einsätze ist die FF Neusäß dagegen hervorragend aufgestellt. Dies ist der hohen Einsatzbereitschaft der rund 100 aktiven Feuerwehrmänner und -frauen zu verdanken. Unterstützt wird die FF Neusäß dabei auch kräftig von der Stadt Neusäß. So unterstützen speziell geschulte Mitarbeiter der Kommune und des städtischen Bauhofs die Einsätze, die dann hierfür freigestellt werden, das Personal der FF Neusäß.
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