Gelebte Demokratie am Justus – ein hitziger politischer Diskurs

Der Bürgermeister von Energetingen mit seinen Mitstreiterinnen (Foto: Barbara Swerev)
 
Zwei Delegierte der Internationalen Umweltschutzorganisation (Foto: Barbara Swerev)


… geführt von SchülerInnen für SchülerInnen! Ganz im Sinne einer Professionalisierung der Diskussions- und Debattenkultur. Junge Menschen müssen im Rahmen dieser ERASMUS-Großinitiative, die von der TU München entwickelt wurde, Interessenskonflikte simulationsspielerisch kennen-, aushalten und diskutieren lernen.


Federführende Lehrkräfte in Leidenschaft der Projektleitung, der Organisation und Partizipation an der hitzigen aber auch sachlich geführten Debatte sind Virginia Götze, diesmal in fotografierendem Auftrag Barbara Swerev, Philipp Denk und Sebastian Kirscher, die alle mit Herzblut, nahe am Jugendlichen, den Gesprächsverlauf begleiten und gestalten. Das Additum Kunst der Q12 sitzt im „Plenarsaal“ des Justus, gleich Gerichtszeichnern die Wortfechter kritisch studierend und zeichnend, an der Wand.
Alle SpielerInnen, die sich aus verschiedenen Klassen der 9. und 10. Jahrgangsstufen speisen, übernehmen je eine Rolle innerhalb einer Gemeinde: Am Justus waren es ein Bürgermeister, Kraftwerksbetreiber, technischer Experte, Vertreter der Agentur für Arbeit, einige Anrainer, Vertreter der Jugend sowie des Jagd- und Fischereivereins, einer internationalen Umweltorganisation, diverse Gemeinderäte, Heimatpfleger und ein moderierender Vertreter des Landrats, Herr Sebastian Kirscher in Krawatte und Anzug. Man siezt sich.

Wie hält man nun Dissens aus und findet konstruktiv zu einer Lösung?

Im fiktiven Landkreis Energetingen wird das Kernkraftwerk in Kürze abgeschaltet. Die Gemeinde Schönbrunn und weitere Gemeinden machen sich Gedanken über die zukünftige Stromversorgung der Region. Vor Ort bietet sich auf Grund der topo- und geografischen Lage ein Pumpspeicherkraftwerk an. Dieses könnte die Schwankungen aus Wind- und Solarenergie ausgleichen. Historischer Hintergrund ist die energiepolitische Entscheidung Angela Merkels im Angesicht der Katastrophe in vier japanischen Reaktorblöcken in Fukushima im Jahr 2011, die den baldigen Atomausstieg dringlich machte.

Nun treffen sich alle Justus-Beteiligten, um eine fiktive Gemeindekonferenz abzuhalten und die unterschiedlichen Sichtweisen zu diskutieren. Jeder Redeanteil ist von großer Sachkenntnis in Breite und Tiefe geprägt.

Ziel des Spiels ist es, den SchülerInnen das komplexe Dilemma von Ökonomie vs Ökologie, von Umweltverschmutzung sowie Sicherheit (z.B. Endlagerung der radioaktiven Materialien bei Weiterbetrieb) und der Bedrohung der eigenen Existenz (z.B. finanziell: Abwertung der Immobilie/Tourismus… oder gesundheitlich: Gefahr bei Hochspannungsleitungen…) aber auch Umweltschutz vor Ort (großer Eingriff in die Natur) vor Augen zu führen.

Natürlich möchten alle Beteiligten auch ein persönliches Meinungsbild der Runde mitnehmen.

Nach intensivem vielperspektivischem Austausch werden Abstimmungen vor und nach der Gemeindekonferenz eingeholt. Der Leiter des Wahllokals, Philipp Denk, stellt am Ende der Sitzung eine deutliche Zunahme in Richtung „Bau des Pumpspeicherkraftwerks“ fest (83%).


Noch eine „kleine“ Fußnote zum Erasmus-Projekt:

Zusammen mit der Schule in Arad (Rumänien), Zagreb (Kroatien) und Plymouth (GB) arbeiten die Schülerteams am Thema 'The magic of Water'. In unterschiedlichen Abschnitten der zweijährigen Projektphase sollen vier verschiedene Hauptthemen im Fokus stehen: Im ersten Abschnitt sollten die Schüler verstärkt mit dem Thema 'water and energy' in Kontakt treten. Es folgen Diskussionspakete, wie water in nature, as a trade route and water analysis. Auch hier gilt: Der wesentliche pädagogische Effekt besteht darin, die Komplexität dieser Sachverhalte diskutierend und immer in der Sache streitend sichtbar zu machen, um Demokratie erleb- und erfahrbar zu machen.

Wir freuen uns auf weitere hitzige Debatten am Justus!

Sebastian Kirscher und Alexander Holzapfel
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