Neusässer Stadtteilgeschichten: Ein Zeichen gegen Kindesmissbrauch gesetzt

Leon und Eliah als teuflische Engel. (Foto: Thomas Etzensberger)
 
David und Adam (Foto: Thomas Etzensberger)

Im Februar fand zum 16. Mal der internationale Tag der Roten Hand („Red Hand Day“) statt. Auch die Grund- und Mittelschule Neusäß als offizielle „Schule ohne Rassismus und mit Courage“ beteiligte sich mit einer künstlerischen Aktion daran.

Die rote Hand ist das internationale Symbol gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten und – wenn man weiterdenkt – ein allgemeines Symbol gegen Krieg und Gewalt an Kindern. Die Klasse 3b der Grund- und Mittelschule Neusäß veranstaltete im Februar im neuen Musiksaal stellvertretend für die ganze Schule eine Rote-Hand-Aktion. Schirmherrin war die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr.

Licht und Schatten

Der Lehrer und Künstler Tomé Thomas Etzensperger, der die Klasse beim Schwimmunterricht begleitete, hat alle Kinder überlebensgroß auf einer Länge von fast 14 Metern als Engelchen und Teufelchen gezeichnet: „In jedem Menschen steckt ja etwas von beiden Seiten. Dies ist also symbolisch gemeint. Die Zeichnungen sind auch als meine persönliche Wertschätzung den Kindern gegenüber zu verstehen.“ Die Bilder wurden im Musiksaal und dann in der Aula ausgestellt, zusammen mit Informationen über Kinder im Krieg. Viele Kinder an der Schule kommen ja aus Kriegs-Ländern wie dem Irak, Afghanistan oder Syrien, wo auch Kindersoldaten eingesetzt werden. Die Ausstellung ist aktuell noch zu sehen.

Zeichen für Frieden

Das Thema Kinderrechte hatten die Drittklässler zuvor mit ihrer Lehrerin Martina Hillenbrand durchgenommen. Jedes Kind trug vor seinem Porträt das Kinderrecht vor, das ihm am wichtigsten ist und druckte danach seine rote Hand auf ein Plakat und unterschrieb diese mit seinem Namen. Die Plakate wurden gesammelt an Ulrike Bahr überreicht. Die Kinder setzen damit ein Zeichen für eine Beendigung von Kriegen, die auch mit deutschen Waffen geführt werden. Die Kinder bitten die Bundeskanzlerin darum, dass Deutschland keine Waffen mehr an andere Länder verkauft und dass keine Kinder mehr in Kriegen kämpfen müssen. Weltweit gibt es in mindestens 20 Ländern rund 250000 Kindersoldaten. Ulrike Bahr bringt die Plakate der roten Kinderhände an die Kinderkommission in Berlin und leitet diese dann weiter an die Sonderbeauftragte des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Kinder und bewaffnete Konflikte, Leila Zerrougui. So soll Druck auf Regierungen ausgeübt werden, die Kindersoldaten zulassen.


Der Künstler und Lehrer Tomé sagte dazu: „Die Eichenwaldschule war immer sehr offen solchen Aktionen gegenüber, und ich finde, dass gerade die kleineren Kinder, viel unvoreingenommene Empathie und Mitgefühl anderen Menschen gegenüber zeigen können und auch sonst viel aufgeschlossener und natürlicher mit diesen Themen umgehen als die Erwachsenen. Wenn ich meine Schüler zeichne, sehe ich es auch immer als eine Würdigung des gezeichneten Kindes. Die Aktion hat manche der anwesenden Eltern auch sehr berührt und ein Elternpaar meinte sogar, dass ihre Tochter dabei richtig ’gewachsen’ sei.“ Zum Abschluss gab es noch mit roter Glasur angemalte Plätzle in Form einer Hand, welche Tomés Frau Rosi gebacken hatte.

Die Zeichnungen und Plakate der Schüler hängen noch in der Aula, zusammen mit einer kleinen Ausstellung über die „Rote Hand“. Am Dienstag, 12. Juni, dem internationalen Tag der Kinderarbeit, veranstaltet der Künstler eine Ausstellung über Kinderarbeit.

Das Kinderporträtmuseum

Tomé Thomas Etzensperger hat in den letzten Jahren über 4000 Kinder gezeichnet und engagiert sich mit seinem 2011 eröffneten Kinderporträtmuseum für Kinderrechte. Weitere Informationen unter Kinderportraitmuseum
(Thomas Etzensberger)
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