Damit Utopie Wirklichkeit wird

Hannes Grönninger setzt sich aktiv für den Umwelt- und Artenschutz ein.
 
Während im Krautgarten Biodiversität, Fruchtfolge und Kreislaufwirtschaft optimiert werden, die ersten Salate, Rettiche und Gewürze reifen, wird draußen auf der Wiese der erste Schnitt gemacht. Und am nächsten Tag wurden wieder Gülle oder Gärreste ausgebracht, damit in vier Wochen wieder gemäht werden kann bevor eine der Blumen die Gelegenheit zur Aussaat hatte.
 
Man muss sich nur trauen, eine Blumenwiese mitten in der Stadt. Aufgeräumt und kurz geschoren und lebensfeindlich die Nachbarparzelle. Es lohnt sich einen eigenen Beitrag zum Artenschutz zu leisten!
   
Im Hintergrund ist das Umweltzentrum Diedorf zu sehen, wo die Jugend geschult und der Naturschutz gelehrt wird. Im Vordergrund vor dem 20. Juni abgemähte Wiesen. Das kurze Gras in der keine Blume geblüht hat wurde zur Abholung in Schlauen bereitgelegt.

Hannes Grönninger kämpft für die Verwirklichung der Ziele, die in den späten 60er Jahren vom Club of Rome formuliert wurden und heute noch vor allem eines sind – eine Utopie. Denn nur dann könne er seinen beiden Kindern und fünf Enkelkindern eine lebenswerte Welt hinterlassen.

Bereits in dem 1972 veröffentlichten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, der von führenden Wissenschaftlern der damaligen Zeit im Auftrag des Club of Rome erstellt wurde, werden die Schattenseiten der stetigen Bevölkerungszunahme, des Streben nach immer mehr Wirtschaftswachstum und der damit einhergehenden Umweltverschmutzung und den Ressourcenverbrauch beleuchtet. Für die Wissenschaftler damals war eine Abkehr vom Modell des ewigen Wirtschaftswachstums hin zu einem nachhaltigen und einem auf den Schutz der Ökosysteme basierenden Wirtschaftsmodell unabdingbar dafür, damit auch künftige Generationen noch einen „guten materiellen Lebensstandard“ haben. Seit der Veröffentlichung des Berichts 1972 ist die Weltbevölkerung von 3,848 Milliarden auf 7,597 Milliarden Menschen angewachsen, Ressourcenraubbau und Umweltverschmutzung erreichen immer neue Rekorde und der Klimawandel ist mittlerweile keine wissenschaftliche Theorie mehr, sondern Realität. Noch immer leugnen viele Menschen den Klimawandel, weil es für sie unbequem ist, Verzicht bedeuten würde und eine Änderung der eigenen Lebensgewohnheiten erforderlich macht.
Das Volksbegehren zum Artenschutz und zur Rettung der Bienen und die „Fridays for Future“-Bewegung zeigen, dass immer mehr Menschen den Umweltschutz für das zentrale Zukunftsthema halten. Einer von ihnen ist der 68-jährige Hannes Grönninger. Sein Interesse für Umweltschutz und nachhaltige Ökologie erwachte während der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Auf einmal waren er und seine Frau als junge Eltern ebenso wie die Bauern in der Region von den Folgen der von Menschen verursachten Umweltkatastrophen betroffen. Und das, obwohl sich die eigentliche Katastrophe in dem mehr als 1800 Kilometer entfernten Tschernobyl in der heutigen Ukraine abspielte.

Umweltschutz als Lebensaufgabe

Er engagiert sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht nur, weil er selbst ein Naturfreund ist, sondern vor allem, weil er sich der Verantwortung für die Schöpfung gegenüber seinen Kindern und Enkeln und deren Generation bewusst ist. Der ehemalige Dialysetechniker hat den Schutz der Umwelt und den Erhalt der Arten zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Er kritisiert, dass Forderungen nach sauberer Luft, unbelastetem Wasser, nachhaltiger Lebensmittelproduktion, ressourcenschonenden und energieneutralen Produktionsabläufen bereits 1960 laut wurden, die Umsetzung aber immer noch unmöglich scheint. Weil vor allem eins fehlt: die Bereitschaft, sich nicht nur der Dringlichkeit des Umweltschutzes bewusst zu sein, sondern diesen auch tatsächlich umzusetzen. Hier sieht er sowohl Institutionen als auch jeden Einzelnen in der Verantwortung.
Grönninger achtet nicht nur im Privaten auf Umweltschutz, indem er gegen Atomkraft demonstrierte oder sein altes Haus nach ökologischen Gesichtspunkten erneuert, sondern er wurde auch politisch aktiv. Von 1990 bis 2008 engagierte er sich im Stadtrat für Bündnis 90/Die Grünen und seit 2008 im Kreisrat unter anderem mit den Themenschwerpunkten Stadtentwicklung, Energieversorgung und Ökologie.

Der Versuch von ökologischer Landwirtschaft

Das Gebiet von Neusäß bis in die Stauden ist als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) und somit als ein spezielles europäisches Schutzgebiet ausgewiesen, das dem Schutz von Pflanzen, Tieren und Habitaten dienen soll. Um dem Naturschutz in dieser Region trotz der landwirtschaftlichen Nutzung gerecht zu werden, werden die Flächen nach naturschutzrechtlichen Kriterien bewirtschaftet. Eine der Vorgaben innerhalb dieser FFH-Gebiete ist das Verbot von Mähen vor dem 20. Juni. So hat das Gras Zeit, hoch zu wachsen. Denn hohe Wiesen sind nicht nur für die Bienen wichtig, sondern auch für Rehkitze, von denen 30 Prozent aufgrund von starken Unwettern und intensiver Landwirtschaft das Frühjahr nicht überleben. Oft fallen die von ihren Müttern „abgelegten“ Rehkitze den Kreiselmähwerken zum Opfer. Und auch Hasen und in Wiesen brütende Vogelarten sind dadurch gefährdet. In seltenen Fällen wird zwar versucht, vor dem Mähen mit Drohnen die Rehkitze zu entdecken und in Sicherheit zu bringen, jedoch zeigt sich für Grönninger hier die Absurdität und Skrupellosigkeit der Landwirtschaft, getrieben vom Konsumwahn der Verbraucher. So beobachtete Grönninger, wie bereits Mitte Mai im Schutzgebiet Schmuttertal der erste Grünschnitt gemacht und anschließend das Gras angetrocknet und siliert wurde. Er fordert angesichts der „Fridays-for-future“-Demonstrationen und einer nie dagewesenen Einigkeit für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, die Einhaltung der Naturschutz-Vorgaben, sowohl von Landwirtschaft als auch von jedem Einzelnen. Dafür braucht es eine echte Agrarwende.
Jeder Gartenbesitzer der den Rasen bis zum 20. Juni wachsen lässt, stellt Insekten wie Käfern und Bienen einen Lebensraum und Nahrung zur Verfügung. Besonders schädlich sind Mähroboter, da diese insbesondere für Tiere eine Gefahr darstellen. Wenn beispielsweise kleine Igel unter den Mähroboter geraten, ziehen sie sich schwere Verletzungen zu, da sie sich bei Gefahr einrollen statt zu fliehen. Auch Spinnen, Blindschleichen, Eidechsen oder Raupen werden von den automatisierten Killern verletzt oder getötet und ihr Lebensraum wird zerstört. „Es fehlt also nicht nur die Akzeptanz und die Bereitschaft in der Bevölkerung selbst aktiv zu werden, sondern es fehlt auch das Einschreiten von Biotopverbünden und Behörden bei Verstößen gegen Umweltschutzauflagen“, kritisiert Grönninger.

Kein „Weiter-So“

Der Umweltschützer hofft, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, das es eine „Weiter-so“-Mentalität in der Landwirtschaft und im Verbrauch nicht mehr geben kann, wenn die kommenden Generationen eine Zukunft in einer lebenswerten Umwelt haben sollen. Es ist eine Utopie, die bisherigen Lebensstandards durch rein technische Lösungen mit nachhaltigem Schutz der Lebensräume für Mensch und Tier in Einklang zu bringen. Der Rückhalt in der Bevölkerung, Wirtschaft und somit auch in der Politik schwindet, sobald der eigene Komfort eingeschränkt und Umweltschutz einen etwas kostet.
Dabei kann der Einzelne viel bewirken und muss nicht darauf warten, dass die Politik es für einen regelt, um sich dann im Anschluss wieder über die Gängelung durch die Politiker aufzuregen. Ein einfacher erster Schritt wäre beispielsweise den eigenen Rasen vor dem 20. Juni nicht zu Mähen oder auf dem eigenen Balkon/Garten ein Bienenhotel aufzuhängen. Dieses wird von Waldbienen genutzt. Einer Unterart der Biene die sehr menschenscheu ist und an unserem Essen keinerlei Interesse haben. Daher stören die Tiere uns Menschen auch nicht, sondern sorgen im Gegenteil dafür, dass die Blumen und Bäume weiter blühen und uns mit ihrer Schönheit erfreuen.

Der CO2 Abdruck

Wer der Umwelt wirklich helfen will, abseits von Lippenbekenntnissen muss anfangen seinen eigenen CO2-Abdruck so klein wie möglich zu halten. Das beginnt beim Einkauf von regionalen und nachhaltig produzierten Lebensmitteln, die nicht um die halbe Welt transportiert werden müssen. Wer Unterwegs ist, sollte wo immer das möglich ist auf sein Auto verzichten und öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad nutzen. Oftmals ist es pure Bequemlichkeit die 500 Meter zum Bäcker oder zum Essen gehen mit dem Auto zurücklegen zu wollen.
Zu großen Umweltsündern werden wir während der Urlaubszeit. Statt in der Region Urlaub zu machen oder mit der Bahn zu verreisen, fliegen Millionen von Deutschen jedes Jahr mit dem Flugzeug in ferne Länder. Dabei wissen heute die meisten, dass eine Flugreise sehr viel CO2 verursacht. So viel CO2 wie man ansonsten in einem ganzen Jahr mit dem Auto verursacht. Da kann man sich noch so als Radfahrer und Umweltschützer fühlen, eine Flugreise beispielsweise in die USA macht alle sonstigen Bemühungen wieder zunichte. Viele beruhigen mittlerweile ihre Gewissen mit einer Art Ablasshandel wenn sie in den Urlaub fliegen. Sie gleichen ihre verursachten Emissionen aus, indem sie Geld an ausgewählte Klimaschutzprojekte bezahlen, die das CO2 an anderer Stelle wieder einsparen. Durch die Gelder werden Wälder zu nichtkommerziellen Zwecken aufgeforstet, Solaranlagen oder Windräder in ärmeren Ländern gefördert und vieles mehr. Dieser freiwillige Aufpreis wird mittlerweile oft bei der Buchung von Flug- oder Busreisen angeboten. Auch immer mehr Unternehmen setzen auf diese Art der Klimaneutralität. So verkauft beispielsweise die Augsburger Firma Ilzhöfer klimaneutrales Heizöl und die „Augsburger Immobilientage und Immobilienmesse“ in diesem Jahr war die erste CO2-neutrale Messe in Augsburg. So wird zwar weiterhin CO2 ausgestoßen, aber der Effekt wird neutralisiert. Noch besser wäre es jedoch, den Urlaub in der Heimat zu verbringen. Es gibt auch hier viel Schönes und Unbekanntes zu Entdecken. „Es sind viele kleine Beiträge die ein jeder tun kann. Sie erfordern in vielen Fällen eine Umstellung, wenn man sich jedoch daran gewöhnt hat, vermisst man das alte nicht mehr. Unser aller Verhalten muss sich zum Wohle unserer Kinder und Enkel ändern, denn wenn wir darin versagen die Wende herbeizuführen, wird sich das Leben unserer Nachkommen dramatisch im negativen Sinne von unserem Unterscheiden,“ appeliert Grönninger an jeden einzelnen von uns.

Umweltzentrum Schmuttertal

Das ehemalige landwirtschaftliche Anwesen mit Mahlmühle aus dem 17. Jahrhundert liegt in Kreppen direkt neben der Schmutter, an der B10 in Richtung Biburg. Früher diente es als nahegelegene Einkaufsmöglichkeit für Getreideerzeugnisse und als Abgabestelle für gedroschenes Korn. In den Gebäuden auf dem Anwesen wohnten nicht nur die Gutsherren, sondern hier waren auch die Knechte untergebracht und das Getreide wurde zur Lagerung aufbewahrt. Die Wasserkraftanlage funktioniert seit den 1920er Jahren und kann den Hof so mit Strom versorgen. Das ehemalige Gehöft wurde in den 90ern von dem Besitzer aufgegeben und 2013 wurde es von der Kommune Diedorf als Umweltzentrum eingerichtet. Ein Arbeitskreis des Gemeinderats kümmert sich um Ausbauplanung, Sanierung Nutzungskonzepte und Programminhalte. Es gibt für ein Ganzjahresprogramm für Kinder und Erwachsene zu den Themen Naturschutz, Gewässerökologie, Landwirtschaft, Klima, Energie als auch zu Archäologie. Zum Programm des Umweltzentrum Schmuttertal zählen unter anderem eine Saatgutbörse, Führungen zum Biber am Anhauser Bach, eine Lesung zur Plastikvermeidung, eine Fledermausführung oder Bastelaktionen aus nachhaltigen Materialien geboten. Ein ehemaliger Gemüsegarten dient als Schaugarten für frühgeschichtliche Pflanzen und Pflanzen aus der Römerzeit. Das Umweltzentrum hat auch einen mit einer Kamera ausgestatteten Brutkasten für Turmfalken, die über einen Bildschirm bei der Brut und der Aufzucht des Nachwuchses beobachtet werden können. Das ausführliche Programm ist auf der Internetseite des Marktes Diedorf zu finden. Auch der Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte sowie die Naturhelden treffen sich regelmäßig in der ehemaligen Mahlmühle.

Bootstour auf der Schmutter

Hannes Grönninger ist auch Mitglied im Bund Naturschutz Neusäß und bietet für Kinder eine Bootstour mit Schlauchboot und Kanu an, um ihnen die Faszination der heimischen Natur zu zeigen.
Die nächste Fahrt startet am Samstag, 27. Juli, um 13.30 Uhr beim Diedorfer Umweltzentrum und endet gegen 16 Uhr am Wehr in Hainhofen. Die Kinder müssen schwimmen können, wettergerechte Kleidung und einen Mückenschutz mitbringen. Eine Anmeldung zur Bootstour unter Telefon 0821/6503081 ist erforderlich.

Club of Rome

Der Club of Rome ist ein Zusammenschluss von Experten verschiedener Disziplinen aus mehr als 30 Ländern und wurde 1968 gegründet. Die gemeinnützige Organisation setzt sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Mit dem 1972 veröffentlichten Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ erlangte er große weltweite Beachtung. Seitdem kämpft der Club of Rome für nachhaltige Entwicklung und setzt sich für den Schutz von Ökosystemen ein. Seit 2008 hat die Organisation ihren Sitz in Winterthur, in der Schweiz.
Die zentralen Botschaften des Berichtes „Grenzen des Wachstums“ waren: „Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.“ Das Erreichen der Wachstumsgrenzen könnte zu einem ziemlich raschen und nicht aufhaltbaren Absinken der Bevölkerungszahl und der industriellen Kapazität führen, wenn dadurch die Umwelt irreparabel zerstört oder die Rohstoffe weitgehend verbraucht würden. Ein Ändern der Wachstumsvoraussetzungen, um einen ökologischen und wirtschaftlichen Gleichgewichtszustand herbeizuführen, der auch in weiterer Zukunft aufrechtzuerhalten sei, erschien jedoch möglich. Je eher sich die Menschheit entschließe, diesen Gleichgewichtszustand herzustellen, und je rascher sie damit beginne, desto größer wären die Chancen, ihn auch zu erreichen. Hinsichtlich möglicher Lösungsstrategien heißt es:
„Unsere gegenwärtige Situation ist so verwickelt und so sehr Ergebnis vielfältiger menschlicher Bestrebungen, dass keine Kombination rein technischer, wirtschaftlicher oder gesetzlicher Maßnahmen eine wesentliche Besserung bewirken kann. Ganz neue Vorgehensweisen sind erforderlich, um die Menschheit auf Ziele auszurichten, die anstelle weiteren Wachstums auf Gleichgewichtszustände führen. Sie erfordern ein außergewöhnliches Maß von Verständnis, Vorstellungskraft und politischem und moralischem Mut. Wir glauben aber, dass diese Anstrengungen geleistet werden können, und hoffen, dass diese Veröffentlichung dazu beiträgt, die hierfür notwendigen Kräfte zu mobilisieren.“ Weltweite Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sei hierzu unbedingt nötig. Auf die Schwierigkeiten „kopernikanischen Ausmaßes“ wird klar hingewiesen. Jedoch drücken die Autoren auch ihre Hoffnung aus, dass sich die Menschheit noch zu diesen Entschlüssen durchringen könne, um ihr Überleben und einen „guten materiellen Lebensstandard“ in Form eines Gleichgewichtszustandes zu sichern. Wikipedia
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