GRÜNE nehmen Stellung zu Neubau von Bahnstrecken und Bahnhöfen

Neusäß: Stadthalle | Der Grüne Ortsverband Neusäß hat gemeinsam mit der GRÜNEN Kreistagsfraktion und dem Kreisverband Augsburg-Land zu einer Informationsveranstaltung zum Aus- bzw. Neubau der Bahnstrecke zwischen Ulm und Augsburg in die Stadthalle Neusäß eingeladen. Die gut 100 Gäste wurden von der Ortsvorsitzenden Beatrice Faßnacht begrüßt, die zusammen mit Kreisrat Hannes Grönninger die geladenen Gäste vorstellte und durch die Veranstaltung führte.
Vertreten waren Markus Baumann, Projektleiter der Bahn, Silvia Daßler, Stadträtin aus Neusäß und Kreistagsfraktionsvorsitzende, sowie die GRÜNEN Landtagsabgeordneten Dr. Markus Büchler, Sprecher für Mobilität und Stephanie Schuhknecht, als Vertreterin der Region Augsburg.

Markus Baumann erläuterte dem Publikum, dass es sein Auftrag ist, den Fernverkehr auf der völlig überlasteten Strecke zwischen Augsburg und Ulm zu beschleunigen, genauer, die Fahrzeit auf 27 Minuten zu reduzieren. Er betonte in seinem Vortrag mehrmals, dass es bis dato keine präferierte Streckenführung gäbe und dass die Planungen nach wie vor ergebnisoffen seien, aber dass er explizit nicht für das 3. Gleis und nicht für den Nahverkehr zuständig sei. „Alle Bahnhöfe an der Strecke werden zwar auf eine zukünftige Barrierefreiheit überprüft, aber umgebaut werden dann im Rahmen des Projektes nur die Bahnhöfe, die an der Neu- bzw. Ausbaustrecke liegen. Welche das sein werden, entscheidet sich dann erst bei einem Beschluss über die endgültige Ausbauvariante“, so Baumann. Ob Neusäß darunter sein wird, könne man daher derzeit noch nicht sagen. Auch wurde deutlich, dass man sich erst ganz am Anfang eines sehr lang dauernden Prozess befinde, der mehrere Phasen durchläuft. Es sei damit zu rechnen, dass sich der Bundestag frühestens im Jahr 2025 mit der Steckenführung befassen wird.

Stephanie Schuhknecht wies ebenfalls auf die Überlastung des Schienennetzes und auf die „durch die aktuellen Klimaproteste günstige Situation endlich etwas zu verändern“ hin. „Wir planen jetzt für die nächsten 50 Jahre und dafür reichen in Zukunft lediglich 3 Gleise auf der Strecke Ulm Augsburg nicht“, so Schuhknecht, die sich für einen 10-Minuten-Takt, also einen S-Bahn-Takt im Raum Augsburg, einsetzt und „das große Ganze für eine echte Verkehrswende“ im Blick hat.

Dr. Markus Büchler, der sich schon seit langem mit Verkehrspolitik auseinandersetzt mahnte an, dass die Staatsregierung schon seit vielen Jahren zum großen Teil in den Straßenbau investiert und die Schiene sträflich vernachlässigt hat. „Es werden jährlich 2 Mrd. € in den Straßenausbau investiert, wohingegen die Investitionssummen ins Schienennetz verschwindend gering sind“, so Büchler. „Das Resultat erleben wir täglich: überfüllte Züge, mangelhafte Schieneninfrastruktur, ein unzureichender ÖPNV, hohe Preise. Auf Grund der schlechten Infrastruktur stagniert der Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene bei ca. 17% im Vergleich zu 83 % Straßenanteil. „Wir GRÜNE wollen natürlich, dass der Güterverkehr vermehrt auf die Schiene verlagert wird, dass das Zugfahren eine Alternative zum Fliegen wird und dass die Pendler*innen ebenfalls ein attraktives Angebot vorfinden um auf das Auto für die Fahrt zur Arbeit und zurück verzichten können. Das geht nur mit einer konsequenten Umsteuerung - auch der Finanzmittel“, so Büchler weiter.

Silvia Daßler, wies auf das Dilemma hin, das nun für die Region offensichtlich werde. „Nah- und Fernverkehr stehen nicht gleichwertig nebeneinander. Aus Herrn Baumanns Vortrag folgt eindeutig: sein Auftrag ist, den Deutschlandtakt von 27 Minuten auf der Strecke Ulm-Augsburg hinzubekommen. Was mit dem Schienenpersonennahverkehr auf dieser Strecke passiert scheint zweitrangig zu sein,“ so Daßler. Seit den 90er Jahren kämpft die Region parteiübergreifend für das dritte Gleis zwischen Augsburg und Dinkelscherben um Verbesserungen im Verkehrsablauf und einen vertakteten Regio-Schienen-Verkehr hinzubekommen. „Wir alle dachten, dass es nun endlich geschafft sei, als es im Dezember 2016 hieß, dass das 3. Gleis zwischen Dinkelscherben und Augsburg als ein Teil der Aus- und Neubaustrecke Ulm- Augsburg endlich mit vordringlichem Bedarf im Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden war und mit den Planungen begonnen werden sollte. Es scheint, als hätten wir uns zu früh gefreut,“ so Daßler weiter. „2025 sollen Planungsvarianten dem Bundestag vorgelegt werden, nach dessen Entscheidung muss Geld zur Verfügung gestellt und ein Planverfahren durchgeführt werden. Wann Baureife vorliegen wird, kann niemand sagen“. Daßler betont: „in dieser Situation fordern wir nochmals nachdrücklich, den Bau des 3. Gleises zwischen Dinkelscherben und Augsburg vorzuziehen, damit der Nahverkehr in den nächsten 10-20 Jahren nicht wegen des zunehmenden Fernverkehrs nach der Fertigstellung von Stuttgart-Ulm im Jahr 2021 unter die Räder kommt. Und selbst wenn dann eine Entscheidung für den Neubau der Strecke an der A 8 fallen sollte, schadet das dritte Gleis nicht, denn wir wollen perspektivisch einen 10-Minuten-Takt und viel mehr Güterverkehr auf die Schiene. Wir brauchen hier schnelle Klarstellungen und Entscheidungen. Ich hoffe sehr, dass nun nicht wieder ein Pingpong-Spiel zwischen Freistaat und Bund losgeht über die Zuständigkeiten.“
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.