Sanierung oder Abriss: Wie geht es weiter mit dem Gymnasium Neusäß?

Justus-von-Liebig-Gymnasium Neusäß. Foto: Alexander Holzapfel


Es sind enorme Summen, die der Landkreis für die Generalsanierung des Justus-von-Liebig-Gymnasiums in Neusäß veranschlagt. 39 Millionen Euro waren bisher vorgesehen. Doch wie sich nun zeigte, könnte das Vorhaben noch viel teurerer werden. Insbesondere die Sanierung der Zweifachturnhalle und der Mensa ist wohl nicht mehr wirtschaftlich darstellbar. Also ein Neubau? Darüber muss am Montag der Bauausschuss des Kreistags befinden.

Das Justus-von-Liebig-Gymnasium hat in seiner bald 55-jährigen Geschichte einiges an Lokalprominenz hervorgebracht. Der amtierende Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl etwa zählt zu den Absolventen, ebenso der künftige Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Schwaben Marc Lucassen. Doch die vergangenen Jahrzehnte haben vor allem ihre Spuren an den Schulgebäuden hinterlassen. Zuletzt "Ende Mai gab es in Folge eines Starkregenereignisses einen erheblichen Wassereintritt in die Turnhalle", steht in der Beschlussvorlage für den Bauausschuss nachzulesen. Das Problem waren eine durch einwachsende Wurzeln beschädigte Abwasserleitung sowie verstopfte Gullys auf dem Dach. Erst nach dem Austausch der vollkommen durchnässten Dämmung im Bereich der abgehängten Decken und der Überprüfung der Holzdachbinder konnte die Halle wieder in Betrieb gehen.

Aber der Sanierungsbedarf ist deutlich größer: die Größe der Spielfelder entspricht nicht der Standardgröße, die Dachkonstruktion hält möglicherweise kommenden Schneelasten nicht mehr Stand und auch die Haustechnik muss erneuert werden, um nur wenige Beispiele aus einer langen Mängelliste herauszugreifen.

Das Fazit in der Beschlussvorlage liest sich dementsprechend: "Die großen Defizite an Turnhallen- und Mensagebäude mit einem erheblichen Sanierungsbedarf an allen Bauteilen mit notwendiger konstruktiver Ertüchtigung wesentlicher Teile der Dach-Tragkonstruktion führen dazu, dass dieser Gebäudetrakt nicht wirtschaftlich saniert werden kann."

Und noch ein anderes Problem haben die Kreisräte zu bewältigen: das Geld. In einer Grobkostenschätzung aus dem Jahr 2017 beliefen sich die Kosten für die Gesamtsanierung auf 39 Millionen Euro.

Nun hat sich aber gezeigt, dass die einbezogene Baukostensteigerung mit 2,5 Prozent pro Jahr viel zu niedrig angesetzt war. Realistischer sind laut Beschlussvorlage eher 4,8 bis 5,0 Prozent. Damit erhöhen sich aber die Kosten auf 45,5 Millionen Euro. Wenn dann noch zusätzlich eine Einfachturnhalle errichtet würde, um den Bedarf zu decken, beliefen sich die Kosten auf mehr als 60 Millionen Euro.

Dem gegenüber stehen ebenfalls 60,3 Millionen Euro für die Generalsanierung zuzüglich des Neubaus einer Dreifachturnhalle und der Mensa. Von den Kosten müsste der Landkreis 38,3 Millionen Euro selbst tragen, 22 Millionen Euro kämen aus Fördermitteln.

Der Beschlussvorschlag ist demnach folgerichtig: Die alte Turnhalle und die Mensa sollen abgerissen und ersetzt werden. Geplanter Sanierungsbeginn ist im Jahr 2022. 
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