Tanzen ist unser Hobby, unser Sport und unsere Passion

Johanna und Adrian Gutschon als Prinzenpaar der Faschingsgesellschaft Narrneusia. (Foto: Privat)
 
(Foto: Privat)
 
Stolz präsentiert das Ehepaar Johanna und Adrian Gutschon ihren Siegerpokal und die Bronzemedaille. (Foto: Privat)

Ein Gespräch mit den frischgebackenen Bayerischen Meistern in der Hauptgruppe II D Latein Johanna und Adrian Gutschon vom Tanzsport-Zentrum Augsburg (TSZA), die nicht nur auf dem Tanzparkett, sondern auch privat ein Paar sind.

Der Bayerische Meistertitel in der Hauptgruppe II D Latein und der damit verbundene Aufstieg in die C-Klasse ist für Johanna und Adrian Gutschon die Krönung eines überaus erfolgreichen Jahres. Wir sprachen mit den beiden, die mit ihren 28 Jahren gerade den größten Erfolg ihrer Turniertanzkarriere errungen haben.

Herba Verlag: Herzlichen Glückwunsch zum Bayerischen Meistertitel und dem Aufstieg in die C-Klasse. Wie kam es dazu, dass Sie gemeinsam über das Parkett wirbeln und seit wann tun Sie das?
Johanna Gutschon: Adrian und ich haben beide erst relativ spät mit dem Tanzen angefangen. Beide haben wir während der Schulzeit in einer Tanzschule den 1. Tanzkurs gemacht. Mit 18 haben Adrian und ich uns dann im Tropicana kennengelernt und uns anschließend zum Tanzen gehen verabredet.
Adrian Gutschon: Johanna ist sehr musikalisch und spielt mehrere Instrumente. Ich spiele auch Klavier. Tanzen ist Bewegung zur Musik“! Ohne Musik wären wir keine Tänzer. Musik und das Bewegen zur Musik verbindet uns. Ein halbes Jahr nach unserem Kennenlernen haben wir uns bei einem Tanzkreis in der vhs Augsburg angemeldet, um gemeinsam unsere Leidenschaft ausüben zu können.
Johanna Gutschon: Als Adrian und ich unsere Liebe zum Tanzen entdeckten, haben meine Eltern ihre Liebe zum Tanzsport wiederentdeckt und sich im Tanzsport-Zentrum Augsburg (TSZA) in Neusäß angemeldet. Wenig später sind wir ihnen gefolgt.

Herba Verlag: Inwiefern unterscheiden sich Tanzschule, Tanzkreis und Tanzverein?
Johanna Gutschon: In einer Tanzschule lernt man die Grund schritte, wie wir während unseres Tanzkurses zur Schulzeit oder beispielsweise als Vorbereitung auf eine Hochzeit. Im Tanzkreis wird dann zusätzlich auch Tanztechnik wichtiger und es finden sich viele Tanzbegeisterte in verschiedenen Altersgruppen.
Adrian Gutschon: Im Tanzverein spielt zusätzlich die Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Man trifft sich mit Gleichgesinnten beim regelmäßigen Training oder zu geselligen Runden abseits der Tanzfläche..
Johanna Gutschon: Bevor wir im Tanzsportzentrum Augsburg mit dem Vereinstanzen angefangen haben, haben wir vor allem für uns selbst getanzt. Im Verein genießen wir jetzt das Miteinander und das hochwertige Training als Vorbereitung für Tanzturniere.

Herba Verlag: Wodurch wurde dieser Einstellungswandel bei Ihnen ausgelöst?
Johanna Gutschon: In der Faschingssaison 2015/2016 wurden Adrian und ich über das TSZA zum Prinzenpaar der Narrneusia berufen. Die Faschingsshows auf der Bühne und das Auftreten vor Publikum haben uns so gut gefallen, dass wir beschlossen haben, ein Turniertanzpaar zu werden.

Herba Verlag: Ein großer Sprung vom Hobby- zum Turniertanzen. Was hat sich geändert?
Adrian Gutschon: Was sich nicht geändert hat, wäre leichter zu beantworten – nämlich wenig. Die Übungsleiter unserer Tanzkreisgruppe haben uns im Juni 2016 den Turniertrainern im Verein – Michael Sörensen und Miriam Blume (Ehemaliges Profiturnierpaar / Standard) sowie Christian Fahn und Monika Schiller (Latein) vorgestellt. Im Turniertraining wurde die Technikschulung intensiviert und die Körperhaltung vom Fuß bis zum Scheitel verändert und optimiert, die Ernährung umgestellt und die Bewegungen weich und fließend gemacht. Das fängt bei der Art der Bewegung in den Grundschritten an – man gleitet fortan sozusagen über die Fläche. Die Choreographie wird von unseren erfahrenen Trainern auf uns abgestimmt

Herba Verlag: Das erfordert viel Fleiß. Wie viel Zeit muss man investieren, um so weit oben mitzutanzen? Wie viel Training steckt dahinter, damit es so federleicht aussieht?
Beide: Die Entscheidung, Turniertänzer zu werden, hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Wir trainieren jeden Tag mindestens zwei Stunden vor dem großen Spiegel im Tanzsportzentrum, in der Endphase vor einem großen Turnier auch mehr. Dazu kommen die privaten Trainingsstunden mit den Turniertrainern, das Endrundentraining und dazu natürlich auch allgemeines Fitness- und Gymnastiktraining. Im Endrundentraining wird am Stück durchgetanzt, nur unterbrochen durch neues Aufstellen nach einem Lied. Pro Disziplin, bei uns sind es mit Latein und Standard zwei Disziplinen, sind es jeweils fünf Tänze, die perfektioniert werden müssen.

Herba Verlag: Bleibt einem da noch Zeit für andere Hobbys? Was ist mit dem Beruf und dem Privatleben?
Adrian Gutschon: Tanzen ist unser Hobby, unser Sport und unsere Passion. Für weitere Hobbys bleibt da wenig Zeit. Was aber auch kein Problem ist, da wir bei de das Hobby miteinander teilen. Es ist sogar ein Vorteil, weil wir uns gegenseitig motivieren können. Ein gemütlicher Fernsehabend auf der Couch kommt eher selten vor.
Johanna Gutschon: Adrian arbeitet in der IT-Branche und ich arbeite seit kurzem am neuen Uniklinikum in Augsburg. Damit wir unseren Beruf, die Arbeit im Verein – Adrian macht die Mitgliederverwaltung und ich bin Sportwart beim TSZA – und den Sport sowie das Leben als Paar unter einen Hut bringen können, müssen wir gut planen.

Herba Verlag: Turniertanzen ist ein kostspieliger Sport…
Johanna Gutschon: Ja, anders als Profifußballer können selbst nur sehr wenige Profitänzer von ihrem Sport leben. Im Gegenteil, er kostet uns eine Menge. Die Privatstunden mit den Trainern, die spezielle maßgeschneiderte Turnierkleidung sowie jährlich zahlreiche Paar Tanzschuhe, wovon jedes etwa 100 bis 150 Euro kostet, werden von uns privat finanziert. Dazu kommen noch die Startgebühren bei den Turnieren, die Anfahrts- und Übernachtungskosten. Das ist uns unser Sport aber wert.

Herba Verlag: Ende Oktober dann Ihr bisher größter Erfolg bei der Bayerischen Meisterschaft. Wie muss sich ein Laie so einen Turniertag vorstellen?
Adrian Gutschon: Zuerst einmal sind wir ja an zwei Tagen angetreten. Am Samstag in der D-Klasse der Hauptgruppe, der Altersgruppe der 19 bis 27-Jährigen. Dort verpassten wir den Einzug in das Sechser-Finale mit dem 7. Platz nur knapp. Diese Altersgruppe ist traditionell die leistungsstärkste. Am Sonntag starteten wir in unserer eigentlichen Altersgruppe, 28 bis 35 Jahre, und sicherten uns mit dem Bayerischen Meistertitel in der Hauptgruppe II Latein den Aufstieg in die C-Klasse. Frisch aufgestiegen, traten wir noch am Sonntag in dieser Klasse ebenfalls an und schafften auf Anhieb Platz 3.
Johanna Gutschon: Los ging es am Samstagmorgen um 5.30 Uhr. Nach dem Kaffee – ohne den geht’s gar nicht – stehe ich erstmal bis zu 1,5 Stunden im Bad und mache mir die Haare und schminke mich. Bei den Haaren hilft mir Adrian und kann danach erstmal beim Frühstück entspannen. Vor der Abfahrt werden nochmal die Taschen überprüft, ob auch alles drin ist – die Turnierkleidung, Schuhe und Ersatzpaare etc.. Später haben uns meine Eltern abgeholt und nach München zum Turnier gefahren. Um 11.30 Uhr startete das Turnier. Doch vorher mussten wir uns noch anmelden und die Startnummer abholen. Vor dem Umziehen testen wir in der Regel den Boden auf der Tanzfläche – je nachdem wie der Boden beschaffen ist, werden die Schuhe präpariert. Bei stumpfem Boden wird mit Babypuder nachgeholfen, bei glattem Boden werden die Ledersohlen mit einer Stahlbürste aufgeraut. Vor dem Umziehen ist der Gang zur Toilette wichtig, denn die Turnierkleidung auszuziehen ist aufwendig. In den Mixed-Umkleiden hilft mir Adrian in mein Kleid, das ich alleine gar nicht anziehen könnte.
Adrian Gutschon: Etwa eine Stunde vor Turnierbeginn haben wir uns zum Eintanzen und Warmmachen einen Raum mit Spiegel als Rückzugsort gesucht. Als es dann auf der Tanzfläche losging, tanzten die Paare auf einer Fläche von circa 18 x 12m tanzten gleichzeitig um die Bayerische Meisterschaft. Die Wertungsrichter beurteilen die Leistung der Paare. In der D-Klasse werden Cha-Cha-Cha, Rumba und Jive getanzt. Von Runde zu Runde wurden es weniger Paare, bis am Ende nur noch sechs Paare übrigblieben. Im Finale werden dann erstmals Noten vergeben, wie die Schulnoten von 1 bis 6 – diese bestimmen am Ende über Sieg oder Niederlage. Uns haben die guten Noten dann am Ende zum Meistertitel und dem Aufstieg verholfen.

Mehr Infos...

... zum Tanzen als Vereinssport und dem Tanzsport-Zentrum Augsburg unter www.tsza.de.
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