Tötungsdelikt in Affing: „Auf den Körper wurde massiv eingeschlagen“

„Er hat sich widerstandslos festnehmen lassen“, berichtete ein Polizeibeamter vor Gericht. Im Verfahren um das Tötungsdelikt in Affing kommen am zweiten Prozesstag Mediziner und Polizisten zu Wort (Symbolbild).

Daran, dass der Täter auf der Anklagebank sitzt, gibt es offenbar keine Zweifel. Die achte Strafkammer am Landgericht Augsburg unter Vorsitz von Susanne Riedel-Mitterwieser will vor allem klären, ob es sich um Mord handelt, wie es Staatsanwältin Yvonne Müller sieht, oder um Totschlag, wie es Verteidiger Werner Ruisinger gerne hätte.

Anfang August 2019 kam es zu einem Tötungsdelikt in der Affinger Flüchtlingsunterkunft. Mit einem 70 Zentimeter langen und 1,3 Kilo schweren Tischbein soll ein Eritreer seinen 48-jährigen Landsmann erschlagen haben. Am zweiten Verhandlungstag hörte das Gericht nun eine Reihe weiterer Zeugen.

60 Spuren, von den Fingernägeln bis zu Blutspritzern, hat eine Spezialistin von der Universität München ausgewertet. „Merkmale des Angeklagten waren immer dabei“, schilderte sie dem Gericht. Der Arzt, der den Angeklagten unmittelbar nach der Tat untersuchte, konnte dagegen „keine Auffälligkeiten bei den Tests“ bei ihm feststellen. „Das heißt, eine Auffälligkeit gab es doch“, ergänzte er. „Während der Untersuchung hat er heimlich eine kleine Lampe von mir, wie man sie zur Augenuntersuchung braucht, an sich genommen.“ Nach Aufforderung habe er sie allerdings anstandslos wieder zurückgegeben.

Von „schweren Verletzungen“ berichteten die Ärzte von der Augsburger Uniklinik, die die Erstversorgung des 48-jährigen Opfers im Schockraum vornahmen. Einen „enorm ausgeprägten Befund von Luft in den Venen und oberhalb des Herzens“, stellte ein Radiologe fest. Zudem sprach er von Rippenserienbrüchen; das Hirn sei „deutlich angeschwollen“ gewesen. Zu diesem Zeitpunkt sei der Verletzte schon nicht mehr ansprechbar gewesen. Von „zusammengefallenen Lungen“ und „massiven Schädel- Hirn-Verletzungen“ berichtete ein weiterer Arzt, eine Kollegin sprach neben „Blutungen im Hirn“ auch von einer „frakturierten Lendenwirbelsäule“. Noch im Schockraum sei der 48-Jährige verstorben.

„Auf den Körper des Mannes wurde massiv eingeschlagen“, sagte ein Kripobeamter, der die Spurensicherung an der Leiche durchführte. „Aus den Ohren ist Blut ausgetreten, und auf dem Rücken befanden sich große Striemen.“ Zudem wies das Opfer zahlreiche Platzwunden auf. Auffällig sei gewesen, dass an den Händen „keine Abwehrverletzungen zu sehen waren“.

Als die Polizei um 5.19 Uhr an der Asylunterkunft eintraf, waren die Rettungskräfte schon da, standen aber vor verschlossenen Türen. Der Angeklagte selbst öffnete die Tür und führte die Beamten in die Wohnung im ersten Stock, wo der 48-Jährige schwerstverletzt lag. „Er war sehr ruhig, wir hatten am Anfang den Eindruck, dass er mit der Tat nichts zu tun hat“, schilderte der Polizeibeamte, der als Erster am Tatort war, dem Gericht die Situation. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Susanne Riedel-Mitterwieser, bestätigte er noch einmal, dass die Tür zur Unterkunft verschlossen war.

Spontan habe der Angeklagte geäußert, dass er für den Zustand des 48-Jährigen verantwortlich sei. „Er hat uns die Tatwaffe gezeigt, sie stand in einer Nische“, betonte der Polizeibeamte. Über ein mögliches Motiv habe er keine Angaben gemacht. „Er hat sich widerstandslos festnehmen lassen“. Seither sitzt der 35-Jährige in Gablingen in U-Haft. (Alfred Haas)

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