Region: Aichach|Friedberg

Bayerische Landesausstellung: 300 Veranstaltungen im Wittelsbacher Land

Die silbergetriebene Ansicht der Stadt Deggendorf gehörte einst zum reichen Votivschatz der Deggendorfer Grabkirche. Die Stadt ist von Westen zu sehen, umschlossen von einem doppelten Mauerring. Auch der Stadtgraben und die einzelnen Stadttore sind gut erkennbar. Das Relief ist eine Besonderheit, kommt es doch selten in dieser Größe und als Stadtansicht vor. Die Ansicht wird nun im Friedberger Schloss ausgestellt.

Das Rahmenprogramm der Bayerischen Landesausstellung in Aichach-Friedberg wurde nun vorgestellt.

Am 29. April beginnt in Aichach und Friedberg die Bayerische Landesausstellung. Kürzlich wurde das Rahmenprogramm für das sechsmonatige Großereignis bekannt gegeben. Rund 300 Veranstaltungen stehen im Kalender, die direkt oder mittelbar mit „Stadt befreit“ zu tun haben.

Seit eineinhalb Jahren entwickelte ein Team von zehn Personen in den Stadtverwaltungen von Aichach und Friedberg sowie im Landratsamt die Ideen. Vereine und Privatpersonen aus den Gemeinden des Wittelsbacher Landes ergänzten mit eigenen Vorhaben. Alle Veranstaltungen wurden jetzt in einer 44-seitigen Broschüre zusammengetragen. 70 000 Exemplare gehen insgesamt auf den Markt. Sie sind auch in den Stadtverwaltungen und im Landratsamt kostenlos erhältlich.

Damit ist die lokale Marketingmaschinerie für die Landesausstellung angelaufen. Überregional wird schon seit Jahresbeginn die Werbetrommel gerührt: „Wir waren auf der Freizeitmesse Free in München und sind jetzt auf der Freizeitmesse in Nürnberg. Das Interesse an der Ausstellung und am Wittelsbacher Land ist groß, es gibt sehr konkrete Nachfragen“, sagt Wolfgang Müller, der Koordinator der Ausstellung im Landratsamt. Immerhin werden ab Mai mehr als 100.000 Besucher im Feuerhaus in Aichach und im Wittelsbacher Schloss in Friedberg erwartet. Viele der zusätzlichen Veranstaltungen wenden sich aber auch an die hiesige Bevölkerung. Sie kann an rund 1000 Stadtführungen oder den zahlreichen Vorträgen über die „Wittelsbacher Städtegründern“ teilnehmen.

Geschichte, Kultur und Unterhaltung

Der Festakt zur Eröffnung der Landesausstellung mit Ministerpräsident Markus Söder findet in der Max-Kreitmayr-Halle in Friedberg am 28. April statt. Ein Eröffnungswochenende in Aichach mit Mitmachaktionen in der gesamten Innenstadt folgt am 1. und 2. Mai.

Vom 29. April bis 8. November täglich außer Sonntag und Feiertag sind die Menschen eingeladen zu einer Viertelstunde Musik, Lesung, Gebet und Stille in der Aichacher Spitalkirche. Die mittägliche Besinnung beginnt um 12.12 Uhr.

Kinder zwischen acht und 15 Jahren können in den Ferien ihre eigene mittelalterliche Stadt gründen. Sie schlüpfen für in die Rolle von Bürgermeister oder Handwerker, produzieren Verkaufbares und handeln mit eigenem Geld (8. bis 13. Juni in Aichach, 27. Juli bis 1. August in Dasing, 2. bis 7. November in Friedberg).

Jeden ersten Freitag im Monat spielen in der Aichacher Innenstadt Musikanten unplugged vor dem Rathaus, Straßenkünstler treten auf, es gibt ein Kinderprogramm (18 bis 22 Uhr). Jeden dritten Sonntag im Monat gibt es auf dem Schlossplatz einen altbayerischen Frühschoppen mit Musik, Theateraufführungen oder einem Mittelalterprogramm.

Am 23. Mai kommen Abordnungen von Städten aus ganz Süddeutschland, die geschichtliche Feste veranstalten, nach Friedberg. Rund 2000 historisch Gewandete, Musik- und Tanzgruppen sind angemeldet. In Aichach werden Besucher aus dem ganzen Regierungsbezirk zum Schwabentag am 29. und 30. Mai erwartet. Kunstschaffende stellen in der Innenstadt aus, Graffitisprayer und Musiker treten auf. Zugleich startet das Pfälzer Weinfest.

Von 19. bis 21. Juni feiert Friedberg Sonnwende, unter anderem mit dem bekannten Töpfermarkt und „Moët für den Poet“. Dabei erzählen, rappen und dichten Slammer aus ganz Deutschland zum Thema „Stadt befreit“. Jeder kann mitmachen und eigene Texte vortragen. Das gilt auch für den History-Slam in Aichach am 8. August im Rahmen des Stereostrand-Festivals.

Das Theater Weiss führt am 20. und 21. Mai im Pfarrzentrum in Aichach und am 27. Juni in der Mittelschule Friedberg sein melancholisches Tanztheater „Sisi – Schwarz ist der Kronprinz meiner Farben“ auf. Textliche Grundlage sind Gedichte der österreichischen Kaiserin Elisabeth.

Zur BR-Radltour werden zudem 1100 Pedaleure am 29. Juli in Aichach erwartet, wo die Radltour des Bayerischen Fernsehens Station macht. Am Abend beim Showprogramm auf dem Volksfestplatz treten bekannte Künstler auf. Und selbst das Musikfestival Stereostrand trägt zur Landesausstellung bei, unter anderem mit einer exklusiven Führung hinter die Kulissen der Festival-Stadt.

Auch Volksmusik ist in vielen Facetten geboten, unter anderem am 16. Oktober. Da laden die leitenden oberbayerischen und schwäbischen Volksmusikpfleger Ernst Schusser, Elmar Walter und Christoph Lambertz zu einem Abend „Die Wittelsbacher und ihre Volksmusik“ ins Aichacher Kreisgut ein. Die Volkshochschule organisiert unter dem Titel „Die Wittelsbacher und ihre Patrona Bavariae“ zwei Konzerte mit heimischen Gruppen am 3. Mai in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg, am 24. Mai in Maria Birnbaum in Sielenbach.

Halbstundentakt zwischen Aichach und Friedberg

Friedberg und Aichach werden in den kommenden Monaten näher zusammenrücken. Die Bayerische Regiobahn richtet zur Landesausstellung einen Halbstundentakt auf der Schiene ein, der auch am Wochenende gilt. Besucher der Ausstellung können mit kostenlosen E-Bikes zwischen den beiden Städten pedalieren. Zur Ausstellung ausgewiesen ist zudem ein 55 Kilometer Radwanderweg, der die beiden Gastgeberstädte verbindet und auch Aindling, Kühbach, Pöttmes und Inchenhofen anfährt. All diese Orte sind von den Wittelsbachern gegründet. (Wolfgang Glas)

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