Aichacher Bahnhof ist nun (endlich) sicherer

Zwei Tote und 14 zum Teil schwer verletzte Passagiere forderte das Zugunglück im Mai 2018 am Aichacher Bahnhof.

Mechanisches Stellwerk wurde zwei Jahre nach dem Zugunglück nachgerüstet. An der Handhabung für die Fahrdienstleiter ändert sich dadurch wenig.

Mehr als zwei Jahre nach dem tragischen Zugunglück am Aichacher Bahnhof, bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren haben, hat die Deutsche Bahn (DB) nun ihr Versprechen wahr gemacht und das alte mechanische Stellwerk umgerüstet. Laut eines Sprechers der Bahn wurde die neue Technik zur Unterstützung der Fahrdienstleiter bereits Ende Mai in Betrieb genommen.

Bisher war es so, dass der zuständige Fahrdienstleiter mit einem Blick auf die Strecke überprüfte, ob ein Gleis frei ist oder nicht. Jetzt unterstützt laut Bernd Honerkamp von DB eine neue Technik den Mitarbeiter bei dieser Überprüfung. Sollte das Gleis durch einen Zug belegt sein, wie es bei dem Unglück im Mai 2018 der Fall war, blockiert die Technik die Einfahrt. „Wir sprechen dabei von einer Technischen Unterstützung Fahrweg (TüFa)“, erklärte der Bahnsprecher jetzt auf Nachfrage.

Anfang Mai hat die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) zudem ihren Abschlussbericht zum Aichacher Zugunglück veröffentlicht. Die BEU sprach sich in dem Bericht dafür aus, den Bahnhof in der Paarstadt mit einer selbsttätigen Gleisfreimeldeanlage nachzurüsten. Wie Bernd Honerkamp vom DB-Regionalbüro München auf Nachfrage mitteilt, handelt es sich beim jetzt nachgerüsteten TüFa-System jedoch nicht um eine Gleisfreimeldeanlage.

Wie der DB-Sprecher betont, erfülle die TüFa aber „selbstverständlich alle Anforderungen an einen sicheren Einsatz im Bahnbetrieb“. Die DB habe die Technik vor ihrem Einsatz umfassend geprüft und getestet. „Die Aufsichtsbehörde der Bahn, das Eisenbahn-Bundesamt, hat diesem Vorgehen ebenfalls zugestimmt“, sagte Honerkamp weiter. Warum man sich für diese Art der Nachrüstung entschieden habe? Der Einbau einer Gleisfreimeldeanlage am Bahnhof Aichach hätte einen langwierigeren und wohl auch teureren Bahnhofsumbau erfordert.

Bereits Ende 2019 begannen die Nachrüstungsarbeiten am Aichacher Stellwerk. Viel zu sehen war dabei allerdings nicht. Denn bei der Umrüstung handelte es sich vor allem um Arbeiten rund um die Elektronik. Dabei wurden beispielsweise Kabel eingezogen und Magnete angebracht.

Einzelschulungen unter Corona-Bedingungen

Die neue Technik hätte ursprünglich also bereits vor Monaten Einzug halten sollen. Doch wie der Pressesprecher der Bahn jetzt erklärt, mussten zunächst alle Fahrdienstleiter eingewiesen werden. „Dies erfolgte unter Corona-Bedingungen jeweils als Einzelschulungen in den jeweiligen Schichten. Dadurch hatte sich die Inbetriebnahme ein wenig verzögert“, sagte der Bahnsprecher auf Nachfrage.

Grundsätzlich verändert hat sich die Arbeitsweise der Fahrdienstleiter in Aichach dadurch aber nicht, sie arbeiten so, wie es seit vielen Jahrzehnten üblich ist. Bereits 1949 wurde das mechanische Stellwerk eingebaut, das bis heute den Bahnverkehr in der Paarstadt regelt. Wo andernorts ein Computer diese Aufgabe übernimmt, muss in Aichach noch immer erst geschaut, dann angepackt werden. Im Aichacher Bahnhof legt nach wie vor der Fahrdienstleiter mit Muskelkraft Hebel um, um die Signale und Weichen zu stellen. Jetzt allerdings mit dem Unterschied, dass die neue Technik verhindert, dass die Erlaubnis zur Einfahrt eines Zuges in einen belegten Gleisabschnitt gegeben wird. Konkret heißt das: Steht bereits ein Wagen auf dem Gleis, wird die Bedienung blockiert, der Fahrdienstleiter kann das Signal nicht auf Fahrt stellen.

Das soll ein Unglück wie im Mai 2018 in Aichach verhindern. Damals waren der 37-jährige Lokführer und eine 73-jährige Passagierin ums Leben gekommen. Der 24-jährige Fahrdienstleiter im Aichacher Bahnhof hatte irrtümlich einem Passagierzug der Bayerischen Regiobahn (BRB) die Einfahrt auf Gleis zwei gewährt, obwohl dort bereits ein Güterzug stand. Es kam zu einem schweren Zusammenstoß, bei dem neben den beiden Todesopfern auch 13 Verletzte zu beklagen waren.

Wie mehrfach berichtet, erhielt der Fahrdienstleiter im Januar 2019 eine zehnjährige Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Gefährdung des Bahnverkehrs. (Thomas Winter)

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