Nach Rede auf Aichacher „Querdenken"-Demo: Awo distanziert sich von Heimleiter

Während sich das Publikum der Demonstration „Querdenken-Augsburg“ auf dem Aichacher Volksfestplatz am Samstag weitgehend moderat zeigte, waren auf der Bühne auch andere Töne zu hören. Zu den Rednern gehörten nicht nur der Leiter des Aichacher Awo-Heims, Dieter Geßler, sondern auch zwei inzwischen überregional bekannte Corona-Maßnahmen-Kritiker: der Rechtsanwalt Edgar Krein und der Kinderarzt, Homöpath und Impfkritiker Rolf Kron aus Kaufering. Auch demonstrierten rund 30 junge Leute gegen die Veranstaltung und machten durch Pfiffe und Hupen auf sich aufmerksam.

Der Leiter des Aichacher Awo-Heims, Dieter Geßler, der seit dem Corona-Ausbruch in der Einrichtung nicht mehr im Dienst ist, spricht auf „Querdenken"-Demo von einer „Plan-demie“. Awo-Schwaben distanziert sich.

Einer der Redner auf der Corona-Demo in Aichach am Samstag war der Leiter des Aichacher Awo-Heims, Dieter Geßler. Er stellte klar, dass er als Privatperson auftrete, nicht in seiner beruflichen Funktion. Diese Trennung ist allerdings nicht ganz einfach, zumal das Heim in die Schlagzeilen geriet, weil dort 17 Bewohner an oder mit Covid-19 gestorben sind. Der damalige Gesundheitsamtsleiter Friedrich Pürner hatte dem Heim deutliche Vorwürfe im Umgang mit dem Coronavirus gemacht. Später hat ein Angehöriger wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge Anzeige erstattet. Die Kriminalpolizei hatte daraufhin das Heim nach Unterlagen durchsucht.

Geßler sprach auf dem Podium nicht nur mehrfach vom Mund-Nasen-Schutz als „Merkel-Söder-Pampers“, sondern legte auch seine Gedanken zur Pandemie dar. Einen Vergleich zog er zu Reaktorunglücken wie Tschernobyl. Zwar seien dort viele Menschen kontaminiert worden, aber viele eben auch nicht. Nachdem er sich von den „Mainstream-Medien“ nicht ausreichend über Corona informiert gefühlt hätte, habe er sich Informationen im Internet besorgt. Dabei sei er auf einen Haushaltsentwurf der bayerischen Staatsregierung für das Jahr 2020 gestoßen, der aus dem Jahr 2019 stamme. Dass vor über einem Jahr Gelder für Corona-Maßnahmen veranschlagt worden seien, zeige für ihn: „Das ist eine Plan-demie.“ Demo-Organisatorin Michaela Königsberger stellte nach Geßlers Auftritt klar, dass zwar der erste Haushaltsentwurf aus dem Jahr 2019 datiere, der aber über die Monate hinweg geändert wurde. Diese Änderungen seien im Plan auch ersichtlich.

Noch am Wochenende nahm auch die Arbeiterwohlfahrt zu Dieter Geßlers Auftritt Stellung und distanzierte sich. Der Vorsitzende des Präsidiums der Awo-Schwaben, Heinz Münzenrieder, habe laut einer Presseerklärung „überrascht Kenntnis vom Auftreten des Herrn Dieter Geßler“ genommen. Er wollte klarstellen, dass der Heimleiter lediglich „seine private Meinung vorgetragen“ habe. Die stimme in keiner Weise mit den Überzeugungen der Awo in der Corona-Lage überein. Dieter Geßler ist seit dem Covid-19-Ausbruch im Aichacher Awo-Heim laut Münzenrieder zudem nicht mehr im Dienst. (cal/bb)

Weitere Bilder

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X