Videodreh mit Schreckschusswaffe in Hochzoll: Jugendliche Rapper vor Gericht

Ein 17- und ein 19-Jähriger mussten sich am Dienstag vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten.

Es war, wie der Angeklagte einräumt, eine "Schnapsidee". Er sagt: "Ich war einfach dumm." Sein Freund gesteht: "Ich hatte wohl zu viel Freizeit. Keine Ahnung." Und dann noch die Drogen. Seine Mutter im Zuschauerraum weint. Die beiden Burschen wirken nun relativ eingeschüchtert, wie sie so auf der Anklagebank hocken und ihre Finger kneten. Damals, an einem Sonntagabend Mitte Mai dieses Jahres, war das anders, da kamen sie sich wohl recht cool vor, als sie für gehörig Aufregung in Hochzoll-Nord sorgten. Der 19- und der 17-Jährige trafen sich, um ein Rap-Video zu drehen. Und dabei fuchtelten sie mit einer Waffe herum.
"Ich hatte den Revolver etwa eine Woche vorher gefunden", behauptete der ältere der beiden gegenüber Jugendrichter Bernhard Kugler. Er und sein Kumpel hatten sich am Dienstag am Amtsgericht wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu verantworten, der jüngere zudem noch wegen des Erwerbs von 2,5 bis fünf Gramm Marihuana in 21 Fällen zwischen Sommer 2018 und April 2019.

Der 19-Jährige filmte für das Video seinen Freund, der auf einem Auto posierte. Dann drückte er diesem die Waffe, einen Schreckschussrevolver "Python", in die Hand. Bis zur Verschärfung des Gesetzes vor einigen Jahren durfte man Schreckschusswaffen nicht nur zu Hause haben, sondern, sofern man über 18 Jahre alt war, auch mitführen. "Ich hatte sie im Handschuhfach meines Autos eingesperrt und dachte, das sei in Ordnung", sagte der 19-Jährige. Eben nicht, erfuhr er. Dafür hätte er den sogenannten kleinen Waffenschein benötigt.

Besonders belastend fand Staatsanwältin Kathrin Schmid, dass die Waffe mit sechs Patronen geladen war, weitere 39 lagerten im Auto. Der 19-Jährige erklärte jedoch, er habe die Waffe für den Dreh entladen und dann wieder befüllt, bevor er sie ins Fahrzeug zurücklegte - und genau in diesem Moment sei die Polizei gekommen.

Dem schenkte die Anklagevertreterin keinen Glauben. "Wahnsinnig gefährlich" sei es gewesen, mit der geladenen Waffe auf offener Straße zu hantieren, befand sie. Sie forderte für den 19-Jährigen, der demnächst seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker abschließt, eine Geldauflage in Höhe eines halben Nettogehalts sowie Gespräche zum Thema Umgang mit Finanzen. Er hat nach eigenen Angaben 6000 Euro Schulden, auch, weil er seiner Familie geholfen habe, und einen Eintrag im Erziehungsregister von 2015 wegen Körperverletzung. Damals wurde er verwarnt und musste soziale Arbeit leisten. Jetzt wurde er gefragt, was ihm lieber wäre, Arbeit oder Geldstrafe? Er schwieg.

Für den jüngeren Angeklagten beantragte Kathrin Schmid eine Geldauflage in Höhe eines ganzen Nettogehalts sowie Drogenberatung und Drogenkontrollen.

Richter Bernhard Kugler folgte diesen Vorschlägen. Der 19-Jährige muss 450 Euro in Raten an eine gemeinnützige Einrichtung abstottern, sein Freund 600. Er hielt beiden Burschen zugute, dass sie auf einem guten Weg sind. Auch der Jüngere hat im September eine Ausbildung begonnen, er wird Anlagenmechaniker.

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