Mordversuch vor dem Spectrum-Club? Angeklagter gibt Prügelattacke am ersten Prozesstag zu

Der 36-jährige Angeklagte mit seinen Verteidigern im Landgericht Augsburg.

Nach einem besonders brutalen Angriff im Augsburger Nachtleben hat nun der Prozess begonnen.

Ein heute 51-Jähriger wollte im Dezember vergangenen Jahres nach Hause fahren, nachdem er mit einem Bekannten in der Augsburger Diskothek "Spectrum" gefeiert hatte. Es war etwa 2 Uhr, im Club lief noch Musik der Neuen Deutschen Welle. Es sei ihm aber alles etwas zu viel geworden in dem Club, erzählte er gestern vor Gericht. Doch tatsächlich kam er nach diesem Abend längere Zeit nicht mehr nach Hause, sondern stattdessen in die Uniklinik.

Denn ein Gast, dem kurz zuvor der Eintritt zum Club verwehrt worden war, griff den 51-Jährigen nach einer kurzen Diskussion von hinten an, schlug mehrmals auf ihn ein und verletzte ihn dadurch lebensgefährlich am Kopf - so lautet zumindest die Anklage gegen den 36-Jährigen, der sich seit Donnerstag vor dem Augsburger Landgericht wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung verantworten muss.

Opfer leidet weiterhin unter den Folgen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, dass dieser den 51-jährigen Maler und Lackierer angriff, nachdem dieser versucht hatte, ihm die Entscheidung des Türstehers zu erklären. Zum Zeitpunkt des ersten Schlages hatte das Opfer laut eigener Aussage seinem Gegenüber aber bereits den Rücken zugewandt und war auf dem Weg zur nächsten Straße, wo er ein Taxi nehmen wollte. Auf diesem Weg schlug der 36-Jährige seinem Opfer laut Anklageschrift zunächst unvermittelt von hinten auf den Kopf, sodass der 51-Jährige gegen einen Laternenpfahl prallte und dann zu Boden ging. Dort soll der Angeklagte ihm noch "mindestens zwei mit voller Wucht ausgeführte Faustschläge" gegen den Kopf versetzt haben, so der Staatsanwalt. Das Opfer erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und Hirnblutungen.

Heute kann sich der 51-Jährige nur noch erinnern, dass er einen Schlag auf den Hinterkopf spürte. "Und dann war ich weg", erzählte er der vorsetzenden Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser. Auch seine Erinnerungen an die Zeit danach, bis etwa Februar, seien nach wie vor eingeschränkt. Zu dieser Zeit sei auch sein Kurzzeitgedächtnis stark beeinträchtigt gewesen, sagte seine Frau vor Gericht aus. Auch heute habe ihr Mann weiterhin Probleme. Er sei aufbrausender als früher, nehme inzwischen auch Antidepressiva.

Angeklagter war alkoholabhängig

Im Jahr 2020 habe er eigentlich nach einer längeren Verletzungspause einen selbstständigen Malerbetrieb eröffnen wollen. Daraus sei nun nichts geworden. Womöglich könne er nie wieder in seinem Beruf arbeiten, meinte der 51-Jährige. Wegen regelmäßiger Schwindelattacken traue er sich nicht mehr, auf die Leiter zu steigen. Weiterhin habe er oft Kopfschmerzen und auch er spricht von einer "Wesensveränderung". Seit dem Angriff habe er das Haus kaum mehr verlassen, "und ich war eigentlich ein Kerl, der für alles offen war", sagte er. "Ich würde nie wieder jemandem den Rücken zudrehen."

Der Angeklagte, der wohl seit längerem alkoholabhängig ist, entschuldigte sich vor Gericht bei dem 51-Jährigen, der die Entschuldigung letztendlich auch annahm. Man merke, dass der Angeklagte es ehrlich meine, sagte er. Dass die Tat nicht wiedergutzumachen sei, sei ihm bewusst, so der Angeklagte, ein Gärtner und Landschaftsbauer. Er habe aber nicht vorgehabt, sein Opfer zu töten. Die Tat selbst gab er über seine Verteidiger zu. Er habe sich von dem 51-Jährigen in diesem Moment "lehrermäßig" zurechtgewiesen gefühlt, hieß es in der Erklärung des Angeklagten, und sei dann aufgrund seiner starken Alkoholisierung in eine Art Rage geraten. Laut Aussage des Angeklagten habe der Geschädigte sich vor dem ersten Schlag nochmals zu ihm umgedreht. Das verneint des Opfer allerdings.

Verhandlung geht weiter

Ein Bekannter des Angeklagten sagte zunächst aus, der Geschädigte habe dem 36-Jährigen den Mittelfinger gezeigt und es sei dann zunächst zu einer gegenseitigen Rangelei gekommen. Da sich diese Aussage weder mit der des Opfers noch mit der des Angeklagten deckte, fragte der Staatsanwalt nochmal genauer nach. Letztendlich gab der Zeuge an, sich doch nicht mehr so genau an den Abend erinnern zu können. Eine Schlagbewegung des Geschädigten habe er wahrscheinlich doch nicht gesehen, den Mittelfinger "nicht zu hundert Prozent".

Ob es sich bei der Tat tatsächlich um einen Mordversuch handelte, werden noch einige Verhandlungstage mit weiteren Zeugen klären. Fortsetzungstermine sind bis Oktober angesetzt.

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