Region: Augsburg Stadt

Nach Debatte über NS-Bezug: Neuer Name für Langemarckstraße gefunden

Die Langemarckstraße ist 1939 nach dem belgischen Ort Langemark benannt worden, der im Ersten Weltkrieg heftig umkämpft war. Die Nationalsozialisten griffen den "Langemarck-Mythos" auf und nutzten ihn für ihre Propaganda. Nun soll sie Familie-Einstein-Straße heißen.

Die Langemarckstraße im Augsburger Stadtteil Kriegshaber heißt künftig Familie-Einstein-Straße. Das hat der Bauausschuss am Donnerstag beschlossen.

Bereits im November 2019 fiel die einstimmige Entscheidung im Kulturausschuss, dass die Straße wegen Bezug zum Nationalsozialismus umbenannt werden soll. Voraus ging der Vorschlag einer von der Stadt eingesetzten Kommission für Erinnerungskultur, bestehend aus Stadträten, Verwaltungsmitarbeitern, Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die mehrere Straßennamen mit Bezug zur NS-Zeit untersucht hatte und zu dem Ergebnis kam, dass unter anderem der Name der Langemarckstraße geändert werden sollte. Den Beschluss, die Langemarckstraße umzubenennen, fasste der Stadtrat dann im April vergangenen Jahres. Damals hatte man sich auch für die Umbenennung der Dr.-Mack-Straße entschieden, die ebenfalls einen Bezug zur NS-Zeit aufweist.

Die Langemarckstraße hieß ursprünglich Habsburger Straße. Die Umbenennung erfolgte 1939 auf Initiative der NSDAP. Der Name geht auf den Langenmarck-Mythos zurück, der eine verheerende Schlacht propagandistisch verklärt, die nahe der belgischen Ortschaft Langemark 1914 zahlreiche Menschenleben forderte. Der neue Straßenname soll demgegenüber nun an die bedeutende jüdische Geschichte von Kriegshaber erinnern. Die „Familie Einstein“, nach der die Straße künftig benannt sein wird, lebte seit dem 19. Jahrhundert in Augsburg, war wirtschaftlich erfolgreich, religiös aktiv und sozial engagiert.

„Die beschlossene Umbenennung der Langemarckstraße in Familie-Einstein-Straße zeigt, dass es sich immer wieder lohnt, genau hinzuschauen und kritische Fragen zu stellen, auch 75 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus", sagt Verena von Mutius-Bartholy, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Der Prozess zur Debatte dieser Straße sei zwar langwierig gewesen, habe aber gezeigt, wie sinnvoll die Einbeziehung der Bevölkerung ist. Denn schon im Jahr 2013 setzten sich die Grünen für eine Prüfung kritischer Straßennamen ein.

„Die Umbenennung der Langemarckstraße war längst notwendig", merkt CSU-Fraktionsvorsitzender Leo Dietz an, verweist aber auch darauf, dass den Anwohnern ein gewisser organisatorischer Aufwand zugemutet werde. "Wir haben allerdings sichergestellt, dass die betroffenen Bürgerinnen und Bürger bei den Ummeldevorgängen von der Stadtverwaltung unterstützt werden und ihnen keine städtischen Kosten entstehen", ergänzt Dietz.

Nach Einbindung der Anwohner in der Dr. Mack-Straße soll in absehbarer Zeit auch für diese Straße eine neue Bezeichnung beschlossen werden. (pb)

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