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Hermann-Schmid-Akademie schließt zum Ende des Schuljahres: 560 Schüler sind betroffen

Die Tochter des Geschäftsführers und Prokuristin der Hermann-Schmid-Akademie, Nicole Schmid, informierte am Freitag auf einer Pressekonferenz über die Einstellung des Schulbetriebs zum Schuljahresende. Rechts im Bild ist Jürgen Marks, früherer stellvertretender Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, jetzt Pressesprecher im Bayerischen Wirtschaftsministerium und nebenberuflicher Kommunikationsberater.

560 Schüler befinden sich derzeit an den Einrichtungen der Hermann-Schmid-Akademie. Im vergangenen November geriet die Privatschule ins Visier der Staatsanwaltschaft.

Die Augsburger Privatschule Hermann-Schmid-Akademie (HSA) wird nach Ende des aktuellen Schuljahres den Betrieb einstellen. Betroffen von der Schließung sind 560 Schüler in der Rudolf-Diesel-Realschule, der Wirtschaftsschule, zwei Berufsfachschulen und der Technikerschule. Vergangenes Jahr geriet die Akademie ins Visier der Staatsanwaltschaft.

Von „ungerechtfertigten Vorwürfen“ sprach am Freitag HSA-Prokuristin Nicole Schmid. Dadurch sei „der Ruf der Akademie beschädigt worden“. Es gelinge der HSA daher nicht, auf dem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt ausreichend Lehrkräfte für einen qualitativ hochwertigen Schulbetrieb zu rekrutieren.

Gegen Ende vergangenen Jahres hatten Beamte der Kriminalpolizei und der Vertreter der Staatsanwaltschaft Augsburg wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug die Büros der HSA und die Wohnungen des Geschäftsführers und seiner Tochter untersucht. „Entgegen einzelner Berichte haben wir alle Lehrkräfte stets angemessen honoriert“, versicherte Schmid am Freitag. Die korrekte Bezahlung sei gegenüber der Regierung von Schwaben nachgewiesen worden. „Zudem sind alle Schulspenden ausnahmslos ordnungsgemäß verwendet worden“, so die Prokuristin. Diesbezüglich waren Ende vergangenen Jahres zudem Zweifel aufgekommen, denn die Eltern der Schüler können monatlich zusätzlich zum Schulgeld freiwillig einen Beitrag spenden.

Wenn Fehler bei der Beantragung von Fördergeldern für den Schulbetrieb gemacht worden seien, dann wäre dies ohne jeden Vorsatz geschehen. Eine Klärung dieser Vorwürfe stehe noch aus. „Wir bedauern diese Entwicklung sehr. Vor allem der weitere schulische und berufliche Weg unserer Schüler liegt uns sehr am Herzen“, verkündete Schmid.

Es sei daher das Ziel, den annähernd 200 Schülern der fünf Schulen, die im Sommer ihren Abschluss machen, die Abschlussprüfung in einem geordneten Verfahren zu gewährleisten. Die Regierung von Schwaben werde die Prüfungen begleiten. Alle Schüler, deren Ausbildung nicht im Sommer endet, sollen bis zum Schuljahresende „in gewohnter Qualität unterrichtet“ werden. Dies sind 180 Schüler in den beruflichen Schulen und rund 180 in der Realschule. Schmid sagte zu, dass alle für dieses Schuljahr geschlossenen Verträge eingehalten würden.

„Mit Unterstützung der Stadt Augsburg und der Regierung von Schwaben setzen wir uns dafür ein, anschließend einen geordneten Übergang auf andere Schulen in der Region Augsburg zu gewährleisten“, versprach die HSA-Prokuristin. Alle Schüler sollten demnach an öffentliche oder andere private beziehungsweise kirchliche Schulen wechseln können. Die Organisation werde mit den Schulträgern abgestimmt. Die Schüler müssten daher nicht selbst mit neuen Schulen in Kontakt treten. Bildungsreferent Hermann Köhler sicherte den Wirtschaftsschülern an der HSA zu, dass die Reischlesche Wirtschaftsschule für sie zur Verfügung stehe.

Gegründet wurde die HSA im Jahr 1988. Vor fünf Jahren bezog sie einen Neubau in Augsburg-Kriegshaber, in den 22 Millionen Euro investiert wurden. Hierfür habe die Akademie laut Schmid bis heute keine staatlichen Zuschüsse erhalten.

Kauft die Stadt Augsburg die Schulgebäude?

Unklar ist, wie es mit den Schulgebäuden nun weitergehen soll. „Ein Erwerb des Schulgebäudes und der dazugehörenden Schulgrundstücke könnte maßgeblich dazu beitragen, dringend benötigten zusätzlichen Schulraum in der Stadt unverzüglich anbieten zu können“, teilte die Stadtverwaltung im Nachgang der Pressekonferenz schriftlich mit. So soll über Erweiterungsflächen für das Peutinger Gymnasium nachgedacht werden.

Die Augsburger CSU sprach sich bereits positiv für den Erwerb der Liegenschaften aus. SPD-Landtagsabgeordneter Harald Güller warnte hingegen vor „überstürzten Angeboten, die Schulgebäude vonseiten der Stadt zu kaufen.“ Priorität habe nach Ansicht der Sozialdemokraten nun die Zukunft der Schüler. Die Stadt will am Montag Perspektiven vorstellen, der Stadtrat diskutiert über einen möglichen Kauf der Grundstücke am 19. März.

70 Lehrer von Schließung betroffen

Von der Schließung der Hermann-Schmid-Akademie sind circa 70 Lehrkräfte betroffen. Für Montagabend laden die Verantwortlichen zu einem Informationsabend ein und unterrichten die Betroffenen über das weitere Vorgehen. Die Eltern der Schüler haben bis 18. März Zeit, sich eine neue schulische Heimat für ihre Sprösslinge auszusuchen und ihre Wünsche dem Ministerialbeaufragten mitzuteilen.

Kommentare

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Beitrag von LeserReporter: Felix Späth
06. März 2020 - 23:53

Es ist schon sehr seltsam, um nicht zu sagen, verdächtig, was sich hier abspielt. Auf der einen Seite möchte ich gar nicht in Frage stellen, dass der Ruf der HSA geschädigt wurde, aufgrund von Vorwürfen. Ob gerechtfertigt oder nicht, ist momentan noch unklar und das wird es wohl auch zukünftig bleiben. Denn da die Schule nun geschlossen wird, frage ich mich, ob das Verfahren dann überhaupt weiterhin läuft. Es erscheint mir auch sehr suspekt, dass die Schule so schnell geschlossen wird, man könnte beinahe zu der Erkenntnis kommen, es ist sogar was dran, an den Vorwürfen und man rettet sich nur noch sehr schnell aus der Bredouille. Wie gesagt, es war noch nicht klar, was an den Behauptungen der Geldveruntreuung dran ist. Auch ist zu sagen, dass es schwierig ist, zu sagen, es liege am Lehrermangel. In der HSA unterrichten viele Dozenten und Lehrer, deren Fähigkeiten ihresgleichen suchen. Doch gerade in den Holztechniker-Klassen wurde der Hauptdozent gekündigt, aufgrund der Tatsache, dass er "unersetzbar" sei. Falls der Fall eintreten möge, dass er krank wird, wäre niemand in der Lage ihn zu vertreten. Aus diesem Grund, erscheint es mir nicht schlüssig, Lehrermangel als Grund anzugeben, vor Allem, wenn ich bedenke, dass man noch weitere hervorragende Dozenten kündigen wollte.
Des Weiteren hat Hermann Schmid, Gründer der HSA, heute gesagt, er wüsste nichts von irgendwelchen Käufen oder Angeboten bezüglich des Gebäudes von Seiten der Stadt oder Ähnlichem und doch machte die CSU Augsburg noch am Freitag Vormittag die Ankündigung, dass bereits Gespräche am Laufen sind, dass die Stadt Augsburg das Gebäude kauft, um dort andere Schulen unterzubringen.
Hinzuzufügen ist ebenfalls, dass Hr. Schmid mehrmals erwähnte, dass die Entscheidung, die Akademie zu schließen, erst am Donnerstag Abend gefallen sei, dennoch ist die CSU Augsburg in der Lage, nur Stunden später, ein solches Statement herauszubringen und fügte anschließend noch hinzu, dass die Hermann-Schmid-Akademie den Verkauf von sich aus angeboten hat. Höchst fragwürdig das Ganze. Man könnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass Eva Weber nicht schnell gehandelt hat, sondern die gesamte Übernahme des Gebäudes zusammen mit der Geschäftsführung (den Schmids) vor längerer Zeit bereits geregelt worden ist. Allein der Fakt, dass das Peutinger-Gymnasium sehr "kurzfristig" in das HSA-Gebäude umziehen kann, erweckt nicht unbedingt mehr Vertrauen in die ganze Sache. Das könnte dem Einen oder Anderen ein "kurzfristig" zu viel sein.

Doch es gäbe auch die Möglichkeit, das Ganze weiterzuführen, sei es unter anderer Geschäftsführung oder unter staatlicher Hand, wenn man nur wollen würde, doch scheint es, dass weder Staat, noch die Geschäftsleitung der HSA an solch einer Möglichkeit interessiert ist. Dies ist zwar eine harte Aussage, aber als Schüler könnte man durchaus diesen Eindruck erlangen. Viele Schüler sind auch der Meinung, dass das Problem nicht die Anschuldigungen an die Geschäftsführung waren, sondern vielmehr deren skrupellose Reaktion, alle zu kündigen.

Ein weiteres interessantes Detail ist, dass die CSU zwar von einem enormen Erfolg spricht, aber dass dies auf einer Entlassung von 80 Lehrern/Dozenten und 600 Schülern basiert, wird nicht darauf eingegangen. Auf dieses kleine, unbequeme Detail wird verzichtet.
Vorwürfe wegen ungerechter Bezahlung seitens der Lehrer waren schon länger bekannt, wurde das Kultusministerium nicht bis 2018 von der CSU geführt? Seitens der Regierung kam keine Reaktion, die Regierung von Schwaben hätte jederzeit eingreifen können, doch nichts geschah.
Somit wäre es unfair, zu behaupten, dass die Schmids die gesamte Verantwortung zu übernehmen haben, nein, mitverantwortlich ist ebenfalls die Regierung von Schwaben, die trotz mehrfacher Beschwerden nichts unternommen hat. Und die CSU kann nicht sagen, sie träfe keine Mitschuld.

Dennoch finde ich es überaus positiv, dass sich die Regierung Schwaben wenigstens jetzt darum kümmern möchte, dass die Schüler auf eine neue Schule kommen, um dort ihr zweites und letztes Jahr zu absolvieren.

Doch im Großen und Ganzen muss man sagen, es ist und bleibt eine Frechheit, dass die CSU Augsburg auf dem Rücker der Schüler und Lehrer der HSA Werbung für ihre OB-Kandidatin Eva Weber macht und dabei von "klugen und umsichtigen Handeln" spricht, ohne auf die massenweißen Entlassungen einzugehen, oder diese zu erwähnen. Es wird kein Rettungsversuch gestartet, um zu retten, was noch zu retten ist, sondern es wird lediglich Beileid ausgesprochen und Anteilnahme, wie es momentan im Trend ist.

Nur hilft das vor Allem den Lehrern und Dozenten, die kurz vor dem Rentenalter stehen und somit wenig bis keine Aussichten auf eine neue Stelle haben, nichts helfen.
Dennoch hat die CSU es geschafft, auf diese Weise großartig für sich zu werben, ohne diese hunderte verzweifelte Menschen zu erwähnen, sogar zu beachten, nur um Stimmen so kurz vor der Kommunalwahl zu erschleichen. Es ist, so muss ich leider sagen, geschmacklos.

Es würde mich nicht wundern, wenn das von Vornherein ein abgekartetes Spiel war, dass die CSU mitgespielt hat, mit dem Wissen, dass hunderte Menschen dabei untergehen.

Aufgrund dessen wundern es mich nicht, dass die CSU immer mehr in den Umfragen absackt, aber dieser Versuch, Stimmen zu gewinnen, ist einer solchen Partei, die ein "C" im Namen hat, unwürdig!

Mit freundlichen Grüßen,

ein Schüler der HSA

 


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