Wie die VHS Augsburg-Land mit der Corona-Krise umgeht

Digitale Angebote waren für die VHS in der Krise zumindest eine teilweise Rettung. Langjährig erprobte Lehr-/Lernsettings seien nun sinnvoll um digitale Instrumente zu ergänzen, so dass Lernende besser lernen können. Dies bedeute nicht die Abschaffung des Präsenzunterrichts. Es beinhalte aber sehr wohl das Aufzeigen neuer Lernwege. (Symbolbild)

Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass Präsenzveranstaltungen, wie sie vor der Pandemie stattfanden, nicht mehr möglich sind. Die VHS Augsburg-Land hat sich als Anbieter zahlreicher Bildungsangebote an die neue und erschwerende Situation angepasst. Vier Fragen an die VHS Augsburg-Land.

Was waren die größten Herausforderungen während der Corona-Krise?

Am 13. März musste die VHS Augsburg-Land auf behördliche Anweisung hin alle ihre Kurse absagen, 1.400 Kurse an 34 örtlichen Volkshochschulen im Landkreis mit 15.000 Teilnehmenden. Alle – Teilnehmende, Kursleitungen und örtliche VHS-Leitungen – mussten von jetzt auf gleich informiert werden. Der komplette Kursbetrieb wurde eingestellt, Präsenzangebote waren verboten. Weiter weg von unserer eigentlichen Aufgabe könnten wir nicht sein. Die VHS Augsburger Land ist gewohnt, mit Herausforderungen umzugehen, aber organisatorisch wie finanziell handelt es sich hier um eine beispiellose Dimension. Für das erste Halbjahr rechnen wir mit Einbußen in Höhe von 450.000 Euro. Das Herbst-/Wintersemester können wir nur stark eingeschränkt durchführen.

Finanziell schwer getroffen hat es auch die Kursleiter der VHS: Als freie Mitarbeiter haben Kursleiter keinerlei Anspruch auf Honorar, wenn der Kurs entfällt. Die gebündelten Anstrengungen der bayerischen Volkshochschulen haben schließlich den Rettungsschirm für die Erwachsenenbildung erreicht, der auch den Kursleitern zugutekommen wird. Die Corona-Soforthilfen greifen für unsere Kursleiter nicht. Für unsere Teilnehmenden bedeutete die Krise, dass von heute auf morgen ihr zuverlässiges Bildungsangebot weggebrochen ist. Bildungsarbeit bedeutet aber mehr als Wissensvermittlung: Die physischen Bildungsorte sind Orte gelebter Demokratie und Integration. Durch die Coronakrise und die gebotene „soziale Distanzierung“ ist die Erwachsenenbildung in ihrem Innersten getroffen – und herausgefordert.

Stellt sich die Situation inzwischen besser dar?

Von der größten Herausforderung sind wir immer noch betroffen: Seit 30. Mai dürfen Volkshochschulen wieder unterrichten. Gerne würden wir alle Türen öffnen und die Kurse einfach wieder anlaufen lassen. Das können wir aber leider nicht. Das Angebot der VHS Augsburger Land findet fast ausschließlich in Schulen und öffentlichen kommunalen Räumen statt. Die Nutzung dieser Räume muss mit den Verantwortlichen noch geklärt werden. Die Wiederaufnahme des Präsenzkursbetriebs ist nur unter strengen Hygieneauflagen erlaubt. Die Umsetzung unseres Hygienekonzepts muss für jeden Raum, in dem eine VHS-Veranstaltung stattfindet, gewährleistet sein. Nur dann können wir diese Räume wieder nutzen. Wir sind dabei zu klären, wie dies gelingen kann, und das ist zeitaufwändig. Aus diesem Grund wird die VHS Augsburger Land den Präsenzbetrieb erst jetzt im September wiederaufnehmen, mit Ausnahme des Integrationsbereichs, der anderen Regeln unterliegt.

Wie haben Sie auf all diese Herausforderungen reagiert?

Uns war schnell klar: Wir pausieren zwar mit dem Präsenzbetrieb, verschwinden aber nicht von der Bildfläche. Denn bereits vor Corona hatten wir begonnen, ein Konzept für Online-Angebote für die VHS und online-gestützte Kurse zu entwickeln – über die Plattform vhs.cloud (www.vhs.cloud).

Was nehmen Sie aus der Corona-Krise mit, das zukünftig weiterverfolgt werden soll?

Tatsächlich sind wir dem Auftrag der Volkshochschulen in der digitalen Welt durch die Corona-Krise einen großen Schritt nähergekommen. Im 21. Jahrhundert stehen Volkshochschulen vor zwei wichtigen neuen Aufgaben: Die Auseinandersetzung mit den Folgen der Digitalisierung für Gesellschaft und Umwelt und die Integration digitaler Instrumente und Ressourcen in die Weiterbildung. „Erweiterte Lernwelten“ (ELW) steht für ein Gesamtkonzept, eine grundlegende Strategie, wie Lehre und Lernen in Volkshochschulen in Zukunft aussehen wird. Der souveräne Umgang mit den Möglichkeiten einer digitalisierten Welt sind die Säulen in der Umsetzung der Erweiterten Lernwelten. Langjährig erprobte Lehr-/Lernsettings sind sinnvoll um digitale Instrumente zu ergänzen, so dass Lernende besser lernen können. Es bedeutet nicht die Abschaffung des Präsenzunterrichts mit seinen gut eingeführten Formaten. Es beinhaltet aber sehr wohl das Aufzeigen neuer Lernwege.

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