Corona-Zahlen: Landrat Martin Sailer äußert sich zur Informationsstrategie des Landkreises

Landrat Martin Sailer.

Zwischen Landkreis Augsburg und der Stadt Augsburg gibt es zahlreiche Absprachen und Abstimmungen, auch und gerade in Zeiten der Corona-Pandemie. Doch hinsichtlich der Informationspolitik unterscheiden sich beide stark. Landrat Martin Sailer begründet nun die Vorgehensweise des Landkreises.

Auch wenn das nicht allen Eltern gefallen wird: Die Maskenpflicht während des Unterrichts bleibt auch in den Grundschulklassen bestehen. Darauf haben sich nun Landrat Martin Sailer (Landkreis Augsburg), Oberbürgermeisterin Eva Weber (Stadt Augsburg) sowie Landrat Klaus Metzger (Landkreis Aichach-Friedberg) in einem Abstimmungsgespräch verständigt.

„Die Grundsatzentscheidung, eine Maskenpflicht ab einem Inzidenzwert von 50 für alle Grundschulen im Landkreis einzuführen, hat der Freistaat in seiner Verordnung verbindlich getroffen“, erklärt Sailer. „Eine Ausnahme ist gemäß der Verordnung nur möglich, wenn ein klar eingrenzbares Ausbruchsgeschehen vorliegt“. Dies sei weder im Landkreis Augsburg, noch im Landkreis Aichach-Friedberg oder im Stadtgebiet Augsburg aktuell der Fall, weswegen eine pauschale Maskenpflichtbefreiung an Schulen explizit ausgeschlossen sei. „Wichtig ist, dass wir in der Region gemeinsam versuchen, das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Neben der individuellen Verantwortung sind klare, einheitliche Regeln unverzichtbar“, sagt Landrat Metzger. Doch was die Informationspolitik der Kommunen anbelangt, kann von einheitlich keine Rede sein – insbesondere was den Vergleich Stadt und Landkreis Augsburg anbelangt.

„Das liegt daran, dass der Landkreis sich bei seinen Entscheidungen nicht an der Vorgehensweise der Stadt Augsburg, sondern den eigenen Überlegungen orientiert. Wir kennen das Informationsangebot der Stadt Augsburg und haben zu Beginn der Pandemie geprüft, welche Informationsdichte für die Bevölkerung des Landkreises aufschlussreich und aussagekräftig ist. An dieser Vorgehensweise halten wir fest“, begründet Sailer die unterschiedlichen Informationsangebote.

Für ihn sei das entscheidende Kriterium, ob eine Information bereitgestellt und täglich aktualisiert werden müsse, ob die Information für die Bürger relevant sei und einen belastbaren Rückschluss auf die Ist-Situation zulasse. "Eine realistische Einschätzung der Lage auf Grundlage bloßer Zahlen und Statistiken ist nicht möglich und unter Umständen sogar riskant", glaubt Sailer. Zahlenangaben müssten stets in einem erläuternden Kontext präsentiert werden, um das Risiko falscher Rückschlüsse zu vermeiden. "Aufgrund der Abwägung von Aufwand und Nutzen, kommen wir zu dem Ergebnis, dass der Aufwand für ein täglich aktualisiertes, detailliertes Zahlendossier in keinem Verhältnis zu seinem tatsächlichen Nutzen für die Öffentlichkeit stünde“, so Sailer weiter.

Keine Corona-Zahlen zum Wochenende

Viel Kritik muss der Landkreis hinnehmen, weil er seine Zahlenangaben am Wochenende nicht aktualisiert. Die zahlenmäßige Entwicklung allein löse schließlich keine Maßnahmen aus, sondern die zuständige Behörde unter Berufung auf diese Zahlen. Daher sei es im Verlauf des Wochenendes unerheblich, welche Statistiken am Samstag oder Sonntag verzeichnet würden, da die Änderungen von Regelungen und Vorgaben nicht an Automatismen sondern an bewusste Entscheidungen geknüpft seien, begründet Sailer dieses Vorgehen.

Auf Unverständnis stößt auch, dass in allen Regionen des Landkreises die gleichen Vorgaben gelten, obwohl die Pandemie nicht überall gleich stark ausgeprägt ist. „Gemessen daran, wie vielfältig die unterschiedlichen Maßnahmen je nach aktuellen Inzidenzwerten bereits sind, wäre es wenig zielführend, den Landkreis als Gebietskörperschaft noch feingliedriger zu unterteilen", sagt Landrat Sailer. Eine solche Auftrennung der Inzidenzwerte nach kreisangehörigen Kommunen oder Landkreisregionen Nord/Süd sei auch in den verbindlichen Vorgaben des Freistaats nicht vorgesehen. In der Praxis würden sich zudem zahlreiche neue Detailfragen ergeben, was nun beispielsweise für Bürger gelte, die in einer Kommune leben und in einer anderen, mit höherem Inzidenzwert, zur Arbeit gehen oder eine Veranstaltung ausrichten oder besuchen wollen. "Man muss sich stets verdeutlichen, dass das Infektionsrisiko nicht an den Fallzahlen je Kommune oder Region gemessen werden kann“, so Sailer.

Aus diesem Grund schlüsselt der Landkreis die Fallzahlen auch nicht nach den jeweiligen Kommunen auf, in denen die Betroffenen leben. "Das Infektionsrisiko für die Bevölkerung einer Kommune mit höheren Fallzahlen ist nicht zwangsläufig höher als für Bürgerinnen und Bürger einer Kommune mit augenblicklich niedrigen Fallzahlen, was aber durchaus auf diese Art interpretiert werden könnte", gibt Sailer Auskunft. Für diejenigen infizierten Personen, deren Ansteckung per Befund nachgewiesen sei, werde bekanntermaßen häusliche Quarantäne verordnet. Von diesen Personen gehe für die Allgemeinheit kein Ansteckungsrisiko mehr aus. Wie hoch das Ansteckungsrisiko in den Landkreiskommunen für die Öffentlichkeit sei, lasse sich mit keiner Zahlenangabe verlässlich beziffern – "hier stoßen blanke Zahlen schlicht an die Grenzen ihrer Aussagekraft. Wir empfehlen unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, sich unabhängig von Zahlenangaben und statistischen Risiken beziehungsweise Sicherheiten stets umsichtig, verantwortungsbewusst und vorausschauend in dieser Pandemie zu verhalten“, appelliert Sailer an die Vernunft der Bürger.

Informationen zum Gesundheitszustand

Den Wunsch einiger Landkreisbewohner nach regelmäßigen Informationen über den Gesundheitszustand der erkrankten Bürger will und kann Sailer nicht erfüllen. „Ein solches Informationsangebot wäre für die Öffentlichkeit erstens mit keinerlei bedeutsamem Erkenntnisgewinn verbunden, zweitens nur mit großem Aufwand bereitzustellen, drittens sehen wir hier die theoretische Gefahr der Verletzung von Persönlichkeitsrechten", begründet der Landrat. Das Gesundheitsamt nehme regelmäßig Kontakt zu allen Bürgern auf, die sich in Quarantäne befinden. "Wir lehnen es auch weiterhin entschieden ab, den Gesundheitszustand erkrankter Personen öffentlich zu machen“, stellt Sailer klar. (pm/mh)

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