Kirchweih trotz Corona: Ein Besuch des Lechhauser Volksfests in schwierigen Zeiten

von LeserReporter Hans Blöchl aus Augsburg-Lechhausen
Zumindest an diesem Tag war der Besuch mäßig.

Es ist ja beinahe ein kleines Wunder: Die Lechhauser Kirchweih findet statt. Vom Gögginger Frühlingsfest über die beiden Plärrer bis hin zu den Marktsonntagen in Oberhausen und Lechhausen wurden alle Feste abgesagt oder stark abgeändert. Auch die Kirchweih ist anders als in all den Jahren zuvor. Es fehlt vor allem das Bierzelt, das viele Menschen anzog. Der als Ersatz vorgesehene Biergarten musste kurzfristig dann ebenfalls gestrichen werden. Auch das Ambiente unterscheidet sich, in fast allen Geschäften trennen Plexiglasscheiben die Anbieter und die Kunden. Trotz allem: Noch bis Sonntag ist geöffnet.

Insgesamt 14 Fahrgeschäfte, Stände mit Süßigkeiten und deftigem Imbiss sowie verschiedene Wurf- und Schießbuden sind an der üblichen Stelle in der Klausstraße aufgebaut. Es ist vergleichsweise ruhig in der Budenstraße. Es sind vor allem Kinder und Jugendliche unterwegs, einige Großeltern spazieren mit ihren Enkeln die Straße auf und ab. Die meisten Menschen tragen Mund- und Nasenschutz. Der kleine Lukas isst seine Zuckerwatte, die ihm die Oma spendiert hat. Ihm gefällt es auf der Kirchweih. Es riecht auch wie Kirchweih nach gebrannten Mandeln und Steckerlfisch, fast wie sonst auch – auch wenn eigentlich alles ganz anders ist.

Das kleine Karussell und die Kindereisenbahn fahren wenig. Die Besucher und Beschicker geben sich dennoch freilich alle ziemlich froh, dass es gelungen ist, das kleine Stadtteilfest doch noch durchzuführen. „Es ist einfach eine kleine Abwechslung in der doch eher freudlosen Corona-Zeit“, meint ein jüngerer Mann.

Große Sorgen und Nöte bei den Schaustellern

Manuela Müller-Manz und ihr Mann Paul Müller bieten Steckerlfisch und Fischsemmeln an. Sie sind froh, dass sie wieder ein wenig verdienen können. Normalerweise sind sie im Jahr, auch mit anderen Ständen, auf bis zu sieben Volksfesten. Heuer ist es erst das zweite.

Mit der Kirchweih sind sie zufrieden, auch wenn durch den Wegfall des Bierzeltes viele Kunden fehlen. Es gebe aber auch viele Stammkunden, die sich ihren Fisch zum Abendessen nach Hause holen.

Das Ehepaar Müller beziffert seinen Umsatzausfall auf ca. 80 Prozent. Die Ersparnisse sind inzwischen aufgebraucht. Sie haben Angst davor, dass auch die Weihnachtsmärkte abgesagt werden: „Dann geht es an unsere Existenz."

Carmen Wittmer arbeitet im Pfeilwurfstand ihrer Großmutter. Sie seien 2020 das erste Mal auf einem Fest. Auch Wittmer weiß nicht, ob es mit dem Geschäft weitergehen kann.

Viktoria und Jana verkaufen Lebkuchenherzen, Mandeln und andere Süßigkeiten. Die beiden waren mit ihrem Stand bisher nur auf der Dult und einige Zeit in der Annastraße. Der Umsatz sei eher „schleppend“. Auch sie sind froh, dass sie überhaupt etwas einnehmen – auch wenn es bedeutend weniger ist, als sonst. (hb)

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