Bahnhofsneubau in Gersthofen: 109 Stunden harte Arbeit gegen die Zeit

von LeserReporter Manfred Link aus Augsburg-Oberhausen
Während der Bauphase der Fußgängerunterführung vor Ort war der Eisenbahnverkehr noch voll im Gange

Ein wichtiger Schritt beim Bahnhofsneubau in Gersthofen wurde geschafft: Die Fußgängerunterführung ist eingeschoben

Lange Zeit sah es so aus, als würde aus dem Bahnhofsneubau in Gersthofen eine unendliche Geschichte: Heftige Auseinandersetzungen mit der Deutschen Bahn über Eigentums-, Modernisierungs- und Finanzierungsfragen wurden auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen. Die bayerischen Grünen kürten den Bahnhof dereinst zum „gammligsten Bahnhof Bayerns“, unter den Einheimischen war er als „Somalia-Bahnhof“ verrufen. Dem Anspruch der Stadt Gersthofen als bürgerfreundliche „Kleinstadt mit Profil“ stand der Bahnhof als Schandfleck gegenüber. Als dann endlich die Stadt Gersthofen im Dezember 2011 der Deutschen Bahn das verkommene Bahnhofsgebäude abgekauft hatte, konnten die Planungsarbeiten für einen modernen Haltepunkt beginnen.
Eine große Lösung mit neuem Bahnhofsgebäude und einem Hotel konnte naturschutzbedingt nicht weiter verfolgt werden, da das nahegelegene Wäldchen wegen dort lebender, geschützter Tierarten nicht einbezogen werden durfte.

So plante die Stadt einige Nummern kleiner: Einen barrierefreien Haltepunkt mit einer Fußgängerunterführung zu beiden Bahnsteigen, in jede Fahrtrichtung einen Aufzug, Rampen, Toiletten, diverse überdachte Fahrradabstellplätze sowie Elektrotanksäulen für Autos und E-Bikes. Das bereits vorhandene Parkareal westlich des Bahnhofs wird noch durch einige Parkplätze an der Ostseite der Bahnstrecke ergänzt.

Die Fußgängerunterführung wurde über mehrere Wochen vor Ort in einer ausgehobenen Senke angefertigt und nach Abbau der Gleise am Fronleichnamstag innerhalb von etwa fünf Stunden auf Schienen und mit Hydrauliktechnik an ihren vorgesehenen Platz geschoben. Insgesamt war die Bahnstrecke Augsburg-Donauwörth 109 Stunden gesperrt (in Langweid und Meitingen wurden ebenfalls ein Fußgängertunnel bzw. eine Eisenbahnbrücke eingeschoben).

Der endgültige Einbau der Unterführung in den Bahndamm erforderte viel Zeit: Stützmauern mussten gebaut, in etlichen Schichten Schotter und Erdreich in die Leerräume gefüllt und jeweils gestampft werden, bis die Schwellenhöhe erreicht war, um dann die Schwellen und Gleise wieder anbringen zu können. Für die Wiederaufnahme des Fahrgastbetriebes mussten schließlich die Bahnsteige erneut aufgebaut werden. Alle diese Arbeiten klappten reibungslos, sodass Montagfrüh wie vorgesehen die Züge wieder fuhren.

Der Einschub des Fußgängertunnels war ein wesentlicher Schritt, doch jetzt beginnen die zeitaufwändigen Bauarbeiten an den Außenanlagen. Im Rahmen des Bahnhofsneubaus soll auch die Verkehrssituation um den Bahnhof verbessert werden. Die Ampel an der Kreuzung Herypark/ Bahnhofstraße wird einem Kreisverkehr weichen, der für weniger Staus sorgen soll. Eine Neugestaltung der Fußgänger- und Fahrradwege sowie neue Bushaltestellen für den Zubringerverkehr ergänzen das Konzept.

Das gesamte Projekt Bahnhofsneubau liegt kostenmäßig im niedrigen zweistelligen Millionenbereich; nach Abzug von Fördermitteln und dem Anteil der Deutschen Bahn ist die Stadt Gersthofen mit etwa zehn Millionen Euro dabei. Nach der wenig rühmlichen Auszeichnung „gammligster Bahnhof Bayerns“ kann Gersthofen sicherlich ab Frühjahr 2021 stattdessen mit einem Vorzeigebahnhof glänzen.
                                                                                                                           Manfred Link

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