Region: Augsburg Stadt

Brunnen und Grünflächen: Das ist das Konzept für den Oberhauser Helmut-Haller-Platz

"Überdimensionierte Verkehrsflächen" und eine große Süchtigen-Szene prägen aktuell den Helmut-Haller-Platz. Das soll sich ändern.

Der Treffpunkt der Drogenszene soll künftig zum Treffpunkt für den Stadtteil werden.

Seit Jahren ist der Helmut-Haller-Platz vor dem Oberhauser Bahnhof als Treffpunkt der Drogen- und Alkoholikerszene berüchtigt. Seit ebenfalls mehreren Jahren plant die Stadt Augsburg inzwischen, den Bahnhof und die ihn umgebende Betonfläche auch für andere Nutzer attraktiver zu machen. Dafür soll unter anderem der Vorplatz umgestaltet werden. Ein weiterer Schritt ist nun getan: Der Bauausschuss des Stadtrats stimmte in dieser Woche dem Konzept zur Neugestaltung zu. Damit wird die Verwaltung der Stadt beauftragt, einen entsprechenden Entwurf für die Entscheidung im Stadtrat vorzubereiten.

"Objektiv betrachtet" gäbe es kein Sicherheitsproblem auf dem Platz, heißt es in der Beschlussvorlage des Stadtplanungsamts. Doch die Anwesenheit der Drogenszene und die damit verbundenen "Begleiterscheinungen" hätten dazu geführt, dass die Stadtgesellschaft den Bahnhofsvorplatz als unsicher wahrnehme. Immer wieder komme es zu Konflikten zwischen den Suchtkranken und den Anwohnern oder Gewerbetreibenden. Auch das bauliche Umfeld trägt kaum zur Attraktivität bei: Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude umgeben laut den Stadtplanern "überdimensionierte Verkehrsflächen". Es gäbe nur wenige Aufenthaltsbereiche mit geringer Aufenthaltsqualität, Fahrräder würden ungeordnet abgestellt. Insgesamt ergebe sich ein unattraktives Erscheinungsbild.

Ein 2017 beschlossenes Gesamtkonzept soll die Situation verbessern. Dieses schließt neben den baulichen Maßnahmen unter anderem soziale Aspekte mit ein. Die Süchtigen sollen nicht vom Oberhauser Bahnhof "verdrängt" werden, da dies das Problem lediglich an einen anderen Ort verlagern könnte. Stattdessen soll ein "Alternatives Aufenthaltsangebot" für die Szene die Situation entspannen. Der SKM Augsburg und die Drogenhilfe betreuen den "BeTreff" in der Nähe des Bahnhofs seit 2018 im Auftrag der Stadt. In dem Café konnten sich die Süchtigen vor der Pandemie treffen, kostenlos etwas essen oder fernsehen. Außerdem stehen Sozialarbeiter zur Verfügung. An den meisten Tagen ist der BeTreff allerdings auch in Nicht-Krisen-Zeiten nur zwischen 9 und 13 Uhr geöffnet, am Wochenende bleibt er geschlossen. Dennoch zeigten sich die beteiligten Akteure mit den Auswirkungen des Treffpunkts bislang zufrieden.

In den Planungen zum Helmut-Haller-Platz bekommen die Süchtigen auch auf dem Platz einen Rückzugsort. "Die Suchtkranken können an ihrem jetzigen Ort verbleiben und erhalten einen überdachten Unterstand", heißt es in der Beschlussvorlage. "Damit wird neuen Konflikten durch Verdrängung oder Verlagerung vorgebeugt." Man wolle Rahmenbedingungen schaffen für ein "friedliches Neben- und Miteinander". Neben den Süchtigen identifizieren die Städteplaner zwei weitere Nutzergruppen: Einerseits soll der Platz für die Bewohner des Stadtteils als Treff- und Aufenthaltsort sowie der Identifikation dienen. Außerdem werde der Bahnhof als Umsteigestelle zwischen Bahn, Straßenbahn und mehreren Buslinien von vielen Fahrgästen aus der Region besucht.

Gerne würde das Stadtplanungsamt den Helmut-Haller-Platz als einen zentralen Treffpunkt für die Oberhauser Bürger etablieren. Durch die Erneuerungen soll die Aufenthaltsqualität gesteigert werden. Geplant ist ein in den Boden eingelassenes Fontänenfeld. Durch die Umsetzung des Brunnens im Boden soll die Fläche weiterhin für Feste und Aktionen nutzbar bleiben. Auch einige Rasenflächen sowie ein Sportplatz sollen entstehen. Eine Pergola soll den Platz in Richtung der Ulmer Straße abgrenzen und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder bieten.

Der Bauausschuss stimmte nun dafür, mit diesen Ideen die Planung fortzuführen. Wann die Stadt das Geld haben wird, um mit der Neugestaltung zu beginnen, ist noch nicht klar. Im aktuellen Doppelhaushalt für 2021/22 sind 165 000 Euro für die weitere Planung und ein Architekten-Vergabeverfahren aufgenommen. Die beantragten Mittel für den ersten Bauabschnitt sind aber nicht Teil des abgespeckten Corona-Haushalts. Insgesamt soll die Maßnahme nach aktuellen Schätzungen, ohne die bereits in Aussicht gestellten Förderungen, rund 5,8 Millionen Euro Kosten.

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